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Potsdam Fahrländer Mühlenrestaurant hat geschlossen
Lokales Potsdam Fahrländer Mühlenrestaurant hat geschlossen
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08:11 05.08.2017
Der Traum vom Mühlenrestaurant ist geplatzt: Stefanie Wolter und Thomas Schmidt schließen das „Trentino“ in Fahrland. Quelle: Friedrich Bungert
Fahrland

Die Plakette „Brandenburger Gastlichkeit 2017/2018“ haben Thomas Schmidt und Stefanie Wolter erst gar nicht mehr an der Eingangstür angebracht. Zu mächtig waren in den vergangenen Monaten die Sorgen im Mühlenrestaurant „Trentino“ in Fahrland. In dieser Woche hat das Paar einen Entschluss gefasst: Aus und vorbei – das Mühlenrestaurant ist dicht. Zur Einschulung am 3. September öffnet das „Trentino“ ein letztes Mal, die Reservierungen dafür haben Bestand. Auch eine Hochzeit richten Thomas Schmidt (32) und Stefanie Wolter (31) noch aus: „Dazu fühlen wir uns einfach verpflichtet. Mehr geht aber einfach nicht mehr.“

Im fünften Jahr ihres Daseins als Mühlen-Gastwirte werfen Thomas Schmidt und Stefanie Wolter das Handtuch: Das hätten sie schon vor zwei Jahren tun sollen, sagen sie: „Wir haben einfach zu lange gehofft, dass es doch noch einmal besser wird.“ Der Grund für ihre Misere trägt einen oft bemühten Namen: Fachkräftemangel. „Wir finden einfach kein Servicepersonal“, sagt Stefanie Wolter. „Das war von Anfang an unser Problem. Wir haben immer mit ungelernten Aushilfen, vor allem mit Studenten und Schülern, arbeiten müssen. Aber jetzt bekommen wir nicht einmal mehr sie.“ Die Rechnung sei simpel: „Man muss das Handwerk beherrschen und Leidenschaft fürs Gastgewerbe haben. Schlechter Service wird härter bestraft, als wenn es mal beim Essen nicht stimmt. Unsere Gäste wurden leider oft nur ,abgearbeitet’. Wer kommt da schon wieder oder empfiehlt ein Restaurant weiter?“

Das Restaurant wurde in den Achtzigern als Mühlenbaude bis weit ins Land und nach Berlin hinein bekannt. Quelle: Friedrich Bungert

Sicher, das „Trentino“ habe treue Stammgäste. Fahrländer und Kegler aus den benachbarten Orten. Und Berliner, die in den Achtzigern Gäste in der „Mühlenbaude“ gewesen waren und noch heute von damals schwärmen: Wie schwer war es doch, einen Platz zu ergattern!

Ein volles Haus haben Stefanie Wolter und Thomas Schmidt schon länger nicht mehr gehabt. Deshalb haben sie viel probiert: Sie haben eine offene Küche bauen lassen, haben Frühstück angeboten und den Betrieb von sieben Tagen auf fünf und zuletzt drei Tage heruntergefahren. Sie haben sich auch beraten lassen und Hilfe von den RTL-II-Kochprofis geholt. Vergebens.

Seit Jahren schon beklagt das Brandenburger Gastgewerbe den Fachkräftemangel, der mehr und mehr um sich greift. Gastronomie- und Hotelbetriebe suchen händeringend Köche, Hotel- und Restaurantmitarbeiter. Ausbildungsbetriebe heuern junge Leute im Ausland an. Dennoch sind in der Landeshauptstadt und im Umland mehr als 200 Stellen unbesetzt, die freien Lehrstellen nicht einbezogen. Der Kampf ums Personal wird inzwischen mit härtesten Bandagen geführt: Wer es sich leisten kann, zahlt Kopfgeld. Dem Vernehmen nach sind Prämien von bis zu 1000 Euro für einen neuen Mitarbeiter drin.

Wer sich in der von Touristen und Einheimischen viel besuchten Potsdamer City einmal genauer umsieht, entdeckt in nahezu jedem Café und Restaurant einen „Gesucht“-Aushang. „Dabei hat’s die Innenstadt noch gut“, sagt Stefanie Wolter: „Wer will und kann schon zu uns nach Fahrland rausfahren? Die angespannte Verkehrssituation und die schlechte Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln tun ihr Übriges.“ Auch der Mindestlohn und die Höchstarbeitszeit seien schwierig, sagt Thomas Schmidt. „Der Mindestlohn an sich ist okay. Weil man den aber auch fürs Paketeausfahren oder Regaleeinräumen bekommt, verliert die arbeitsintensive Gastro-Branche weiter an Arbeitskräften.“

Ein weiteres Problem: Junge Eltern wie Stefanie Wolter und Thomas Schmidt finden für ihre Kinder kaum Betreuungsplätze, die sich mit den besonderen Arbeitszeiten im Gastgewerbe vereinbaren lassen. „Wer keine Großeltern hat, die nach 16, 17 Uhr und am Wochenende einspringen, ist aufgeschmissen“, sagt Stefanie Wolter. „Das ist wirklich eine Katastrophe. Potsdam braucht eine Gastronomen-Kita.“

Wie es mit ihnen nun weitergeht? Das Gast-Gewerbe haben sie noch nicht abgehakt, sagen die zwei: „Auch wenn’s nicht immer leicht war, bedanken wir uns für fünf tolle und aufregende Jahre.“ Jetzt wollen sie es mit einem Verkaufsmobil auf den Märkten in der Region mit ihren Mühlen-Hofladen-Produkten – mit Ölen, Marmeladen, Gewürzen, Suppen und Kuchen im Glas – versuchen.

Von Nadine Fabian

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