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Potsdam Fahrraddiebe auf dem Rückzug
Lokales Potsdam Fahrraddiebe auf dem Rückzug
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20:39 16.03.2017
Da konnte ein Dieb offenbar nur einen Reifen brauchen oder wurde gestört: Der Klau von Fahrradteilen oder ganzen Rädern war in Potsdam lange ein großes Problem. Quelle: Foto: MAZ
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Potsdam

Hercules hat den Fahrraddieben das Handwerk gelegt. In Transportern mit verdunkelten Scheiben und ausgebauten Rückbänken fuhr die Bande durch Potsdam. Kamen hochwertige Räder in Sicht: Schloss geknackt und schnell ab damit in den Kleinbus. Selbst Motorräder, die nicht ausreichend gesichert waren, wuchteten die Diebe auf die Ladefläche. Doch im Vorjahr schlug Hercules zu und machte die Radgang dingfest: 17 Mitglieder einer Bande, alle aus demselben polnischen Ort nicht weit entfernt von der deutschen Grenze, wurden festgenommen.

Hercules – benannt nach der Fahrradmarke – hieß die Ermittlergruppe der Polizeidirektion West, die eigens eingesetzt wurde, um dem Fahrraddiebstahl in Westbrandenburg, vor allem aber in Potsdam Herr zu werden. Die Landeshauptstadt hatte sich bundesweit zu einer Hochburg des Fahrradklaus entwickelt. Mit 1240 gemeldeten Diebstählen pro 10  000 Einwohnern rangierte Potsdam 2014 auf Rang fünf hinter Cottbus, Magdeburg, Münster und Leipzig. Nun kann die Polizei erstmals einen deutlichen Rückgang der Raddiebstähle vermelden: 2016 wurden in der Landeshauptstadt 1836 Räder geklaut – 105 weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote ist – auch dank Hercules und dem Schlag gegen die polnische Bande – sprunghaft angestiegen. 23,7 Prozent der Raddiebstähle konnten 2016 aufgeklärt werden. 2015 gelang das bei gerade einmal in 7,4 Prozent der Fälle. Auch für den gesamten Bereich der Polizeiinspektion Potsdam, zu dem auch das Umland mit Städten wie Teltow und Werder gehört, gilt: gesunkene Fallzahlen, gestiegene Aufklärungsquote.

Der Rückzug der Raddiebe ist nach Einschätzung von Polizeioberrat Maik Toppel aber nicht nur der gezielten Ermittlungsarbeit seiner Kollegen geschuldet. „Unsere Präventionsarbeit und Aufklärung trägt Früchte“, meint der Leiter der Polizeiinspektion Potsdam. Immer wieder hat die Polizei zu Codierungsaktionen aufgerufen. Ein Code aus einer individuellen Ziffern- und Buchstabenkombination wird dabei in den Radrahmen graviert und bei der Polizei registriert. Wenn das Rad gestohlen und später wiedergefunden wird, kann es schnell dem eigentlichen Besitzer zugeordnet werden. Das schreckt offenbar viele Diebe ab, weil die heiße Ware so schlechter weiterverkauft werden kann. „Zudem haben wir Vermieter angeschrieben und geraten, für mehr Sicherheit in Kellern zu sorgen“, sagt Toppel.

Aus dem Kirchsteigfeld zum Beispiel gab es wie berichtet öfter Klagen von Mietern, weil Räder aus den teils nur mit einfachen Vorhängeschlössern gesicherten Gemeinschaftsräumen entwendet wurden.

Auch die Radstation verspricht keine komplette Sicherheit

„Aber auch die Radfahrer selbst sorgen jetzt offenbar vor und sichern ihre Räder besser“, vermutet Toppel. Ebenfalls ein möglicher Grund für den Rückgang des Raddiebstahls in der Landeshauptstadt: das rund um die Uhr geöffnete Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof. Die Radstation war Ende November 2015 eröffnet worden und bietet 550 überwachte Stellplätze. Die Anlage sei zwar videogesichert, ein hundertprozentiger Diebstahlschutz könne aber nicht gewährleistet werden, heißt es auf der Infoseite des Betreibers. Tatsächlich wurden bereits Velos aus der Radstation entwendet: Im Januar stahlen laut Polizeibericht Unbekannte ein Damenrad. Am Tatort fanden die Beamten nur noch das aufgetrennte Schloss, einen Maulschlüssel und leichte Blutspuren.

Eigentlich ein Fall für die Gruppe Hercules. Doch das vier Mann starke Ermittlerteam wurde Ende 2016 wieder aufgelöst. Ob das die Raddiebe wieder auf den Plan ruft, wird die Statistik in einem Jahr zeigen.

Weniger Straftaten

Die Landeshauptstadt ist den Zahlen nach sicherer geworden: 2016 registrierte die Polizei in Potsdam insgesamt 16 573 Straftaten. 2015 waren es noch 17 425.

Die Aufklärungsquote ist gestiegen: von 44,7 auf 51 Prozent. Das liegt über dem Schnitt der gesamten Polizeidirektion West.

5310 Tatverdächtige konnten im Bereich der Stadt Potsdam ermittelt werden, im Bereich der Polizeiinspektion Potsdam samt Umland waren es 7367.

Einen Anstieg gibt es allerdings bei Wohnungseinbrüchen und bei Gewaltstraftaten, Raubüberfälle und Körperverletzungen haben zugenommen.

Von Marion Kaufmann

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