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Potsdam Fahrraddiebe kassieren Bewährungsstrafe
Lokales Potsdam Fahrraddiebe kassieren Bewährungsstrafe
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14:38 19.02.2016
Diebe erbeuten im Land Brandenburg pro Jahr rund 15000 Fahrräder. Quelle: dpa
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Potsdam

Dawid und Dawid. Beide 30 Jahre alt. Beide in Polen geboren, in derselben Stadt aufgewachsen, zur Schule gegangen, zu Dieben geworden. Weil sie sich in Potsdam an fremder Leute Eigentum vergriffen haben, stehen Dawid P. und Dawid O. am Donnerstag vor dem Amtsgericht. In nur einer Woche im Jahr 2015 sollen sie in der Meistersinger-, der Carl-von-Ossietzky- und der Sellostraße in der Brandenburger Vorstadt sowie in der Theodor-Echtermeyer-Straße, im Fasanen- und im Walnussring in Bornim 15 Fahrräder gestohlen haben.

Dazu sind sie auf Grundstücke geschlichen, sind in Häuser und in Keller eingebrochen und haben auch die robustesten Schlösser mit dem Bolzenschneider und anderen Werkzeugen bezwungen. Bei ihren Beutezügen griffen sie, was sie kriegen konnten: Räder im Wert zwischen 50 und 3200 Euro. Den Gesamtschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf mehr als 12000 Euro.

Als Dawid P. und Dawid O. im Oktober 2015 mit ihrem Auto kurz vor der Grenze zu Polen angehalten werden, entdeckt die Polizei einen Teil des Fangs und nimmt die Männer vorläufig fest. Wieder auf freiem Fuß, schlagen die beiden Freunde nur sieben Tage später erneut zu – und fliegen auf. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft.

Täter gestehen – allerdings nicht alles

Dawid P. und Dawid O. werden dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Bettina Thierfeldt in Handschellen und bleichen JVA-Pullis vorgeführt. Sie gestehen. Einen Vorwurf aber weisen beide zurück: Sie gehören keiner Bande an, sagen sie und betonen, dass sie auf eigene Faust gehandelt haben. Von Hintermännern, die etwa die Diebstähle in Auftrag gegeben oder den Weiterverkauf der Räder bewerkstelligt haben, wollen sie nichts wissen. Dawid P. behauptet, dass er seinen Teil der Beute auf Ebay anbieten wollte. Dawid O. sagt, er wollte damit auf den Flohmarkt. Beide bitten um Entschuldigung. „Ich bedaure das unheimlich“, sagt Dawid P. „Ich bitte um eine letzte Chance und werde das Gericht ganz bestimmt nicht enttäuschen.“ Dawid O. meint, dass die vier Monate im Gefängnis viel Zeit zum Nachdenken waren: „Mir ist klar geworden, dass es sich nicht lohnt, solche Taten zu begehen. Ich möchte nach Hause zurück und mir eine Arbeit suchen.“ Genau daran hat es im Leben des Dawid O. bisher immer gehapert. Zwar hat er einen passablen Schulabschluss und eine Lehre zum Kfz-Mechaniker in der Tasche, hielt sich bisher aber mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau und mit Urlaubsvertretungen in einer Werkstatt über Wasser. Er ist ledig, Single, hat keine Kinder und lebt noch bei der Mutter. Die verdiene im Altersheim so wenig, dass ihnen nach dem Abzug von Miete, Heizungs- und Gaskosten nichts mehr zum Leben übrig bleibe.

Auch Dawid P. ist in finanzielle Not geraten. Er muss einen Kredit über 15000 Euro abstottern. Doch er und seine Familie – selbst die in England lebende Schwester hilft mit ihrem Kellnerinnengehalt aus – sind überfordert. Als er im Sommer 2015 von seinem deutschen Arbeitgeber urplötzlich gekündigt wird, weiß er nicht mehr ein noch aus und beginnt mit dem Fahrradklau. Ironie der Geschichte: Just am Tag seiner Festnahme zieht der Arbeitgeber die Kündigung zurück. Weil die Vorwürfe haltlos sind – Dawid P. soll einem Kollegen die Frühstücksbrote weggegessen und einen anderen mit Benzin übergossen haben –, gewinnt er den Prozess am Arbeitsgericht.

Trotz Vorstrafen bleibt es bei einer Bewährung

Nun geht auch die Verhandlung am Amtsgericht gut für ihn aus. Dawid P. und Dawid O. verlassen Potsdam als freie Männer. Obwohl beide einschlägig vorbestraft sind, werden sie zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung und zu einem Jahr und zehn Monate ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung verurteilt. Der Staatsanwalt hatte darauf bestanden, dass beide Männer in Haft bleiben. Er forderte für P. zwei Jahre und sechs Monate, für O. gar drei Jahre und zwei Monate. „Weit, sehr weit übers vertretbare Ziel hinausgeschossen“, so O.s Verteidiger. Der Staatsanwalt hatte für die einzelnen Taten mitunter anderthalb Jahre, in einem Fall sogar zwei Jahre und drei Monate angesetzt. „Mehr als ein Jahr für einen Fahrraddiebstahl – das verletzt mein Rechtsgefühl, das finde ich nicht angemessen und ist vom Gesetzgeber auch nicht gewollt“, so O.s Anwalt. „Ohne das umfassende Geständnis der Angeklagten wäre es schwer, mitunter unmöglich geworden, ihnen die Diebstähle nachzuweisen.“

Richterin Bettina Thierfeldt wies die Angeklagten eindringlich darauf hin, dass „auch ein Diebstahl eines Fahrrades aus einem Keller ein Eingriff in die persönliche Sphäre“ und für die Betroffenen daher – unabhängig vom finanziellen Schaden – nicht leicht zu verarbeiten ist. Auf mögliche Drahtzieher abzielend riet sie den Angeklagten, sich zurückzuziehen und sich nicht mehr „in irgendwelche Geschichten einbinden“ zu lassen. „Die Diebstähle waren gut organisiert. Und es wurde auch eine dritte Person gesichtet“, so die Richterin. Auch wenn den beiden wie zunächst angenommen keine Bandenkriminalität nachgewiesen werden konnte: „Wir haben es bemerkt und wir haben darüber nachgedacht.“

Von Nadine Fabian

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