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Potsdam Fahrstuhl kaputt: Rollstuhlfahrer sitzen im Wohnhaus fest
Lokales Potsdam Fahrstuhl kaputt: Rollstuhlfahrer sitzen im Wohnhaus fest
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11:21 24.02.2017
Was tun, wenn der Aufzug streikt? Die Treppe ist für Rollstuhlfahrer wie Stefanie Falk unmöglich zu benutzen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Waldstadt

Von wegen barrierefrei. „Wir sind abgeschnitten vom Leben“, sagen Stefanie Falk (35) und Nora Zinke (33). Die beiden Frauen teilen vieles – nicht nur die Art, die Dinge geradeheraus zu benennen. Beide sind 100 Prozent schwerbeschädigt, sie sitzen im Rollstuhl und wohnen im gleichen Haus – einem Haus für alten- und behindertengerechtes Wohnen. „Im Moment kann davon aber keine Rede sein“, sagt Stefanie Falk. „Seit November streikt der Fahrstuhl.“

Wer im Haus Erich-Weinert-Straße 71 hoch will, komme zwar hoch, berichten die Frauen. Aber wehe, wenn’s runter ins Erdgeschoss geht. Die Fahrten gleichen einer Lotterie. „Dann gehen die Türen nicht auf oder man bleibt stecken“, berichtet Stefanie Falk. „Oder der Fahrstuhl fährt mit einem einfach bis in den Keller und dann wieder in eines der oberen Stockwerke – es ist furchtbar.“ Oft fahre der Aufzug auch gar nicht. „Das Schlimmste ist aber: Der Vermieter schmettert uns ab“, sagt Stefanie Falk. Wie oft sie in den vergangenen Wochen bei Berlinovo Immobilien angerufen habe, wisse sie schon gar nicht mehr. Die zuständige Sachbearbeiterin sei unter der angegebenen Telefonnummer nicht zu erreichen, man lande automatisch in der Servicehotline und werde vertröstet. Einmal habe der Vermieter klipp und klar dazu geraten, die Feuerwehr zu rufen, wenn man nach unten wolle. „Und die Feuerwehr fragt uns, wer das bezahlt!“

„Ich bin auf den Fahrstuhl angewiesen!“

Drei Briefe hat Stefanie Falk inzwischen an die Immobilienfirma geschrieben. „Aber es passiert nichts“, sagt sie. Die einzige Reaktion: Nachdem sie im Dezember angekündigt hatte, die Miete um 10 Prozent zu mindern und nun weniger überweist, erhielt sie eine Zahlungserinnerung und eine Mahnung. „Ich bin fassungslos“, sagt Stefanie Falk. „Da sieht man mal, dass dem Vermieter das Geld wichtiger ist als das Wohl der Mieter“, sagt Nachbarin Nora Zinke.

71 Mietparteien wohnen in dem vierstöckigen Haus. Einige Bewohner verlassen es wie Stefanie Falk Morgen für Morgen, um arbeiten zu gehen. Andere wie Nora Zinke könnten daheim bleiben – wären da nicht der Hund, der Einkauf und das Recht, ganz normal wie jeder andere Mensch auch selbstbestimmt am Leben teilhaben zu können. „Es spielt keine Rolle, wie oft man die Wohnung verlassen muss – ich bin auf den Fahrstuhl angewiesen und der muss verdammt noch mal funktionieren!“, sagt Stefanie Falk. „Oder soll ich mir Flügel wachsen lassen?“ Wut und Frust machen seit Wochen im Haus die Runde. Inzwischen ist das Gerücht aufgekommen, dass der Vermieter alte Menschen und Rollstuhlfahrer loswerden möchte – der kaputte Fahrstuhl passe da irgendwie dazu, meint Nora Zinke. „Wir wissen nicht, was an dem Gerede dran ist, aber trotzdem sind wir verunsichert“, sagt sie.

Mietminderung sei rechtens

Eines sei immerhin klar: „Ausziehen möchte hier keiner. Die Wohnungen sind schön. Und auch wenn nicht einmal hier alles hundertprozentig durchdacht ist: Eine barrierefreie Wohnung ist in Potsdam schwer zu finden. Entweder sind die Wohnungen viel zu teuer“, sagt Nora Zinke. „Oder sie sind nicht wirklich behindertengerecht, weil hier und da doch noch eine kleine Stufe oder eine viel zu schwere Tür eingebaut ist.“ Stefanie Falk hat sich jetzt bei der Verbraucherzentrale erkundigt. Dort habe man ihr gesagt, dass die Mietminderung rechtens ist, und geraten, den Mieterbund zu kontaktieren. Für die nächste Woche hat sie dort einen Termin gemacht. „Nächste Woche – das klingt nah“, sagt Stefanie Falk. „Aber es ist eine Ewigkeit, wenn Sie nicht wissen, ob sie das Haus verlassen können oder nicht.“

Berlinovo hat auf die Anfrage der MAZ noch keine Antwort zu dem Fall gegeben.

Von Nadine Fabian

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