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"Familie Grün" schwer erkrankt

Stadt prüft robustere Kopie als Ersatz "Familie Grün" schwer erkrankt

Die vom Zahn der Zeit gezeichnete Figurengruppe "Familie Grün" an der Brandenburger/Ecke Lindenstraße wird vielleicht schon bald durch eine Kopie ersetzt. Der Zustand von Mutter, Vater und Sohn ist sehr schlecht, denn sie haben mit einer tückischen Krankheit zu kämpfen: Rost.

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Ein kleiner Bauzaun trennt die Familie Grün derzeit vom Publikum.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam, Innenstadt. Die vom Zahn der Zeit gezeichnete Figurengruppe "Familie Grün" an der Brandenburger/Ecke Lindenstraße wird vielleicht schon bald durch eine Kopie ersetzt. Der Zustand von Mutter, Vater und Sohn ist sehr schlecht, denn sie haben mit einer tückischen Krankheit zu kämpfen. Die Bewehrungsstäbe im Inneren der Plastiken rosten, gewinnen dabei an Volumen und drücken gegen die Keramik wie der Eiter in einem entzündeten Zahn. Fiebrig-feine Risse in der glasierten Keramikhaut zeugen von den Kämpfen, die da toben. Besonders schwer hat es die Mutter getroffen. Im Januar sprengte der wuchernde Rost erstmals eine komplette Muskelpartie von ihrem linken Unterarm, im Juni trieb es, so die Pflegedokumentation der Baudenkmalpflege Roland Schulze, ein großes Keramikstück aus ihrer linken Hand.

Bisher waren es vor allem Vandalismus und Unfälle, die dem 1982 von der Neu-Fahrländerin Carola Buhlmann aufgestellten Kunstwerk zu schaffen machten. Mal war ein Schuh abgeschlagen, mal eine Schulterpartie. Totalausfälle gab es etwa im Winter 1989, als Vater Grün von einem Lkw zermalmt wurde, und Ende 2008, als der Sohn wohl beim Abbau des Weihnachtsmarktes so schweren Schaden nahm, dass die Stadt bei der Keramikerin eine neue Jungenfigur in Auftrag geben musste. Die letzte größere Beschädigung gab es im August 2010, als Unbekannte die rechte Hand von Mutter Grün zertrümmerten.

Ein wirksamer Schutz der bei Potsdamern und Touristen beliebten Figuren wird diskutiert, seit es sie gibt. "Kinder klettern darauf herum, sitzen auf den Schultern, zerren dran", sagte Joachim Buhlmann (1924‒2008) im Sommer 2007, während er auf ein Neues einen Arm der Mutter Grün befestigte. Allerdings war der Publikumskontakt Teil des Konzepts. "Dass die drei angefasst und genutzt werden, war ja so geplant", sagte Vater Buhlmann, der für den Senior der Gruppe Modell gestanden hatte. Und so konnte es kaum erstaunen, dass Mutter Buhlmann den 2009 von Kultudezernentin Iris Jana Magdowski geäußerten Vorschlag ablehnte, die Figuren mit Plexiglas zu schützen. Zur Zeit sind Mutter, Vater und Sohn mit einem Zaun umstellt, weil sie in ihrem schlechten Zustand zur Gefahr für Passanten werden. Nach Angaben von Thomas Schenke, im Rathaus für Grün- und Verkehrsflächen zuständig, wird jetzt über die Anfertigung einer robusteren Kopie nachgedacht. Doch dafür braucht die Stadt die Zustimmung der Künstlerin und 30000 Euro zur Finanzierung.

Von Volker Oelschläger

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