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Familie Grün wartet weiter auf Spenden

Kampf um ein Potsdamer Wahrzeichen Familie Grün wartet weiter auf Spenden

Nach mehr als 30 Jahren Standzeit und mehr als zehn Restaurierungen kam 2013 das vorübergehende Aus für die Plastik Familie Grün. Ein neuer Guss kostet aber 30 000 Euro. Auch könnte das Original erhalten bleiben und etwa in der Wilhelm­galerie gezeigt werden. Bislang kamen nur knapp 2500 Euro zusammen. Jetzt müsste die Politik helfen, befand die Kulturdezernentin.

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Restaurator Michael Groth ist quasi der Adoptivvater der Grüns.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltower Vorstadt. Ein wenig sieht sie aus, als habe jemand die Familie Grün sehr liebevoll aufgebahrt, auf blauem Tuch: Mutter, Vater und Sohn vereint. Doch das Potsdamer Wahrzeichen – wer sich in der Brandenburger Straße mit jemandem verabreden wollte, sagte meist: „Treffen wir uns bei Familie Grün“ – ist nicht tot, sondern nur in einem Dornröschenschlaf, bis Spender es wieder erwecken.

Am Montag übergaben die Mitglieder des Potsdamer Gästeführer-Vereins eine Spende von 250 Euro für die Grüns an die Kulturbeigeordnete Iris Jana Magdowski – am Aufbahrungsort, einer hellen Werkstatt auf dem Hof von Baudenkmalpfleger Roland Schulze. „Die stolze Summe haben wir am diesjährigen Weltgästeführertag gesammelt“, sagte Johannes Wes­terkamp vom Vorstand des Vereins Potsdam Guide.

Jährlich am 21. Februar bieten die Gästeführer weltweit kostenlose Führungen an, in diesem Jahr führten fünf oder sechs Innenstadttouren am Standort vorbei, und die Gästeführer erinnerten daran, wie schmerzlich die Potsdamer ihre Grüns vermissen, die seit drei Jahren aus konservatorischen Gründen den prominenten Standort verlassen mussten – und baten um Geld zur Restauration.

Nach über 30 Jahren Ausharrens bei Wind und Wetter schmerzen die Grüns die Knochen – von der Wirbelsäule bis in die Fingerspitzen. Ihr Skelett ist aus Stahl, doch dieser rostete und sprengte die grüne Keramik auf – wodurch noch mehr Feuchtigkeit an den Stahl gelangte, was die Lage verschlimmerte – und nach mehr als zehn Restaurationen vor Ort musste auch Restaurator Michael Groth passen: Die Standsicherheit war nicht mehr gegeben, bei weiterem Stehen in Wind, Wetter und Winter ginge das Kunstwerk von Carola Buhlmann unrettbar verloren. „Stahl aus dieser Zeit kann sich bei Feuchtigkeit bis auf das siebenfache Volumen ausdehnen“, sagte Groth.

Seither ruht die Familie in der Friedrich-Engels-Straße. Rettung ist möglich: Es sei kein Problem, einen Abguss zu machen und die neue Familie Grün mit modernen Werkstoffen stahlhart herzustellen – entweder mit einem Edelstahlkern oder aus einem sehr festen, faserigen Material ohne Skelett. „Da braucht man schon einen Hammer, um das kleinzukriegen“, so Groth.

So könnten dann auch wieder Kinder auf dem beliebten Fotomotiv herumturnen, ohne dass Mutter Grün Schmerzen leidet. Doch das kostet 30 000 Euro, und die „stolze Summe“ der Gästeführer addiert sich zu den 2140 Euro, die bislang auf dem Spendenkonto eingingen. Michael Groth, quasi unfreiwilliger Adoptivvater der Grüns, sagte, er sei enttäuscht, dass in einer Stadt, die so leidenschaftlich über DDR-Kunst debattiere, in drei Jahren nicht mehr Geld zusammenkam. Auch die Fremdenführer, die zur Scheckübergabe kamen, befanden, die Brandenburger Straße sei ohne die Grüns eines Wahrzeichens ärmer.

Iris Jana Magdowski brachte Hoffnung in die Debatte, in dem sie anregte, im Kulturausschuss über städtische Zuwendungen von 15 000 Euro zu verhandeln. „Wenn mehr als die Hälfte geschafft ist, laufen Spendenaktionen oft wie von allein“, sagte sie. Zwar habe ihr Ressort wegen der Schulplanung wenig Spielraum bei freiwilligen Aufgaben, doch sehe sie durchaus eine überparteiliche Kooperation für die Grüns. Das Original soll nicht nur noch für den Abguss dienen: Michael Groth könnte sich einen Innenstandort durchaus vorstellen – etwa in der Wilhelmgalerie oder auf ähnlich großen, überdachten Freiflächen. Bei einer Größe von mehr als zwei Metern müsse die Familie nämlich „durchaus atmen“. Besonders nach mehr als dreijähriger Werkstättenhaltung.

Von Jan Bosschaart

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