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Potsdam Farbe und Licht: Das Barberini packt aus!
Lokales Potsdam Farbe und Licht: Das Barberini packt aus!
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15:15 15.11.2018
Das große Auspacken: Im Museum Barberini in Potsdam wird „Der Garten in der Provence“ von 1901 ausgepackt. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Zischend öffnet sich die Laderampe des weißen Lkw. Stück für Stück sieht man im Laternenschein hölzerne Kisten, die Aufkleber ihrer Reiserouten tragen. Die Fracht ist auf 150 Millionen Euro versichert und die einstündige Verspätung vergessen. Ein zweiter Laster stellt gerade den Motor ab, als vier Franzosen und drei Deutsche anfangen, die Kisten auf Rollbrettern in einen Aufzug zu schieben.

Daneben steht Anne Barz, Registrarin des Museums Barberini in Potsdam. Sie nimmt die heiße Ware entgegen und kontrolliert, ob alles mit rechten Dingen zugeht. „Wieso ist die Kiste denn offen?“, fragt sie. Päckchen an Päckchen liegen in einer Kiste ohne Deckel. „Das sind Zeichnungen auf Papier. Die sind nicht so anfällig“, entwarnt Véronique Roca, Kurierin und Restauratorin des Museums für Impressionismus Giverny bei Paris. Dort waren die Werke zuvor ausgestellt.

Fragile Fracht

Die wirklichen Schätze für die bevorstehende Mega-Ausstellung im Barberini sind einzeln verpackt. „Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross“ wird sie heißen. Zwischen 600.000 und zwei Millionen Euro sind die Gemälde des Künstlers wert. Einfach auspacken geht nicht. In speziellen Klimaboxen wurden 95 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus dem eintausend Kilometer entfernten Giverny geliefert. Etwa 34 Stunden waren sie unterwegs. „Das geht alles langsam, damit es keine Erschütterungen gibt“, erklärt Anne Barz. Die Lkw seien hydraulikgefedert und die Laderäume die ganze Zeit, auch während der Pausen, beheizt. „Es explodiert nichts und auch die Farbe tropft nicht runter, wenn sich das Klima verändert“, sagt sie. Aber die Leinwand könne wellig werden. Wenn sich das nicht zurückbilde, müsse restauriert werden. Und das kostet Geld.

Wenn Herni-Edmond Cross umzieht, ist das keine einfache Sache. Die MAZ war bei seinem Einzug in das Barberini Museum dabei.

Die Klimakette wird nicht unterbrochen. Kiste für Kiste wandert in den klimatisierten Keller des Barberini. Aber: „Die Liste stimmt nicht mit den Nummerierungen der Kisten überein“, sagt Barz. Nicht nur, dass nicht klar ist, welche Sticker auf den Kisten zur aktuellen Reise gehören, sondern auch eine offene Kiste mit den Zeichnungen macht Probleme. Ihr Inhalt stammt aus verschieden gelisteten Kisten, die es gar nicht mehr gibt. „Man findet alles, es braucht nur mehr Zeit“, sagt Barz und scheint leicht genervt, weil entweder fehlende Erfahrung oder kulturelle Unterschiede beim Verpacken zu der Verzögerung führe. In diesem Moment kommt ein dritter Lkw aus der Schweiz an. Pünktlich wie ein Uhrwerk. Drei Stunden dauert es, etwa 70 Kisten auszuladen, im Lager zu identifizieren und sie an ihren Platz in den Ausstellungsräumen zu bringen. Dort ruht sich jeder Cross 24 Stunden aus, bevor er das Licht des Barberini erblickt.

Wenn Herni-Edmond Cross umzieht, ist das keine einfache Sache. Die MAZ war bei seinem Einzug in das Barberini Museum dabei.

Das große Auspacken

Dann ist es soweit. Kisten, ein großer, gepolsterter Tisch und ein Werkzeugwagen füllen den Ausstellungsraum. Acht Menschen wuseln herum. Das Summen eines Akkuschraubers verrät: Das große Auspacken beginnt.

Anne Barz, Registrarin des Museums Barberini. Sie verwaltet die Schätze der Sammlung. Quelle: Friedrich Bungert

Zwei Mitarbeiter ziehen sich weiße, weiche Baumwoll-Handschuhe über. „Sie können weiß, lila oder von mir aus schwarz sein. Hauptsache Handschuhe“, sagt Anne Barz. Sie schützten die Gemälde und Rahmen vor Schweiß. „Bei weißen Handschuhen sieht man sofort, ob sie sauber sind oder das Werk vielleicht abfärbt“, sagt Roca. Vier Hände heben das Gemälde aus der Klimakiste und befreien es aus einer Folie. Das erste Mal atmet das Gemälde, das „Ein Garten in der Provence“ heißt, deutsche Luft.

„Es ist die erste Cross Ausstellung in Deutschland und das Bild war in Giverny nicht zu sehen“, sagt der Kurator Daniel Zamani. Der runde Bogen des Rahmens erinnert ihn an Altarbilder und Kirchenfenster. Das Format sei außergewöhnlich. „Auch diese wahnsinnig leuchtenden Farben und die dynamische Linienführung erinnert an kleine Glasstücke“, schwärmt Zamani. Genau betrachtet hat Cross viele kleine Punkte auf eine Leinwand gesetzt. Recht grob sogar. „Die Neoimpressionisten wollten Bilder malen, die aussehen wie zusammengesetzte Edelsteine in Reinfarben“, erklärt Zamani.

Angst das Gemälde zu bewegen hat niemand: „Es ist egal, was sie Wert sind. Man ist immer vorsichtig“, sagen die beiden Mitarbeiter, die es aufhängen. Ob sie vorsichtig genug sind, überprüft Véronique Roca. Auf einem großen weißen Tisch liegt „Die Flucht der Nymphen“. Nur wenige Zentimeter trennt ihre große Brille von der Leinwand. Obwohl alle Deckenlampen an sind, leuchtet sie mit Taschenlampen das Bild aus. Sie sucht nach Rissen und Kratzern. Neben ihr liegt ein Foto des Bildes, auf dem alle bisherigen Schäden eingekreist sind.

Von Nagel zu Nagel

Ist das Bild in Ordnung, kann es an die Wand, die der Kurator ausgewählt hat. „Wir hängen die Bilder erst nach Gefühl an die Wand“, sagt Philipp und prüft „Die Flucht der Nymphen“. Danach wird mit einem Laser feinjustiert. Zufrieden ist er nicht: „Manche Bilder kann man nicht gerade hängen, weil die Rahmen verzogen sind. Dann versuchen wir es an die Sehgewohnheiten und den Boden oder die Seitenwand anzupassen“, sagt er. Manche Bilder würden auch auf kleine Filzpolster gestützt, damit sie gerade aussehen. Das sehe nur der sehr genaue Besucher.

Hängt es dann einmal, schiebt Philipp mit einem sehr langen Schraubenzieher einen kleinen Metallstift hinter das Gemälde. „In Schweden hat ein Besucher ein Bild einfach mitgenommen. Das wird hier nicht passieren“, sagt Philipps Kollege. Wenn die Kurierin dann, nach einem letzten Blick, das Gemälde abnickt, darf selbst Philipp das Gemälde nicht mehr bewegen. Ihre Arbeit, die vom Abhängen in Frankreich zum Aufhängen in Deutschland reicht, ist beendet – sozusagen von Nagel zu Nagel.

Henri-Edmond Cross im Museum Barberini

Henri Edmond Cross (1856 –1910), eigentlich Henri-Edmond Delacroix, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Pointillismus. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Impressionismus um Claude Monet und Expressionismus um Henri Matisse.

„Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross.“ ist vom 17. November 2018 bis zum 17. Februar 2019 im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Dabei wird mit Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen das erste Mal in Deutschland das Gesamtwerk des Franzosen beleuchtet. Zuvor war die Ausstellung in Giverny bei Paris zu sehen. Einige Bilder sind jedoch nur in Potsdam zu sehen.

Öffnungszeiten: Täglich außer Dienstags von 10 bis 19 Uhr. Jeden ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr. Tickets: Regulär 14 Euro. Ermäßigt 10 Euro. Eintritt unter 18 Jahren kostenlos.

Von Jan Russezki

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