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Potsdam Fernwärme aus der Tiefe für Potsdam
Lokales Potsdam Fernwärme aus der Tiefe für Potsdam
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21:37 07.02.2019
Das Heizkraftwerk Potsdam-Süd im Industriegelände ging 1995 ans Netz und arbeitet mit Gas. Der hellblaue Wärmespeicher ging Ende 2015 in Betrieb. Quelle: Stefan Gloede
Potsdam

Die Potsdamer Energie- und Fernwärmeversorgung soll langfristig nicht allein vom zentralen Heizkraftwerk-Süd im Industriegebiet abhängig sein und dabei dezentral neu aufgestellt werden. Konkret will die Energie und Wasser Potsdam (EWP) die Möglichkeiten der Tiefengeothermie an mehreren Orten im Stadtgebiet ausloten.

Aktionsplan Klimaschutz sieht Ersatz für Heizkraftwerk-Süd vor

Aus dem Aktionsplan Klimaschutz der Landeshauptstadt, der erst kürzlich von den Stadtverordneten beschlossen wurde, geht hervor, dass ein Konzept für einen „Ersatz des zentralen Wärmeerzeugers am Heizkraftwerk-Süd entwickelt“ werden soll. Das Kraftwerk ging 1995 als Gaskraftwerk ans Netz, machte Potsdam von der Braunkohle unabhängig und versorgt derzeit 95 Prozent der Potsdamer Haushalte mit Fernwärme und 90 Prozent der Haushalte mit Strom 

700 Millionen Euro will die EWP bis 2030 in ihre Netze investieren

„Das ist keine singuläre Entscheidung, sondern wesentlicher Bestandteil der Klimastrategie der Stadt, der Stadtwerke und der EWP“, sagte Sophia Eltrop, Geschäftsführerin der EWP, am Donnerstag der MAZ. Der Potsdamer Energieversorger, will demnach bis 2030 insgesamt rund 700 Millionen Euro in die Infrastruktur seines Wasser- und Fernwärmenetzes investieren, jeweils rund 330 Millionen in beide Bereiche. Hinzu kommen noch einmal 40 Millionen für Begleitprojekte, etwa im IT-Bereich für die effiziente Steuerung der Systeme.

Reduzierung von Schadstoffen steht im Vordergrund der dezentralen Versorgung

Kerngedanke ist die Reduzierung der Schadstoff-Emissionen, wozu die EWP auch die Immobilienwirtschaft als Partner gewinnen will – in erster Linie durch Modernisierung oder Umstellung von bestehenden Heizanlagen, die dann auch die nicht so heiße Erdwärme effizient nutzen könnten. „Wir werden in den kommenden fünf Jahren eine Konzeption für die Umgestaltungen im Fernwärmenetz erarbeiten“, so Eltrop. Bis 2030 könnte das alte Heizkraftwerk dann in deutlich kleineren Dimensionen erneuert werden – bis dahin hätte der heutige Bau nach 35 Jahren seine Lebensdauer erreicht.

Pilotprojekt für Erdwärme an der Heinrich-Mann-Allee

Anstelle von Gas sollen in Potsdam vor allem Erdwärme (Geothermie), Sonnenwärme (Solarthermie) und biologische Rohstoffe wie Holz oder Biogas als Energiequellen verwandt werden. „Das größte Potenzial sehen wir in der Tiefengeothermie“, sagt Eltrop. Das heiße Wasser aus dem Erdinneren könnte quartiersbezogen die Fernwärmeversorgung übernehmen.

Ein Pilotprojekt gibt es schon: das von der Pro Potsdam geplante Quartier am früheren Tramdepot in der Heinrich-Mann-Allee mit 750 Wohnungen. „Wir sind in den Vorprüfungen und haben allein dafür 600 000 Euro bereitgestellt“, sagt Eltrop. Durch die Erfahrungen im Wassersektor der EWP, wo zahlreiche geologische Erkundungen bereits durchgeführt wurden,  geht man davon aus, dass rund 2000 Meter tief gebohrt werden muss. Bis es zu ersten Testbohrungen kommt, wird es noch dauern. Rund neun Millionen Euro soll die Pilotanlage in der Heinrich-Mann-Allee kosten, die bis 2022 fertiggestellt werden könnte.

Auch im Bornstedter Feld und am Jungfernsee – also dort, wo Neubauten stehen, die entsprechende Haustechnik aufweisen, sieht Eltrop Potenziale.

Kosten und Ökologie von Erdwärme

Je tiefer man in die Erde eindringt, umso wärmer sind Wasser und Gestein. Diese Wärme kann direkt in Strom verwandelt oder im Fernwärme-Kreislauf genutzt werden.

Bei der Investition in ein Erdwärmekraftwerk schlägt vor allem die Bohrung zu Buche. Bis zu 2000 Euro pro Meter in die Tiefe kalkuliert man beim Bundesumweltministerium (BMU). Die Betriebskosten sind laut BMU gering. Ökologisch gilt Erdwärme nach Wasserkraft als umweltfreundlichste Methode der Energieerzeugung, weil nach der Bohrung und Herstellung der Anlage über Tage kaum fossile Energieträger verbraucht werden.

Tiefengeothermie ist bislang eine Seltenheit in Deutschland

Im Gegensatz zu oberflächennahen Geothermieanlagen, wie sie beispielsweise für Krampnitz geplant ist, ist die nun von der EWP in den Blick genommene Technik noch sehr selten in Deutschland. Laut Bundesverband Geothermie sind im Bereich der Erdwärme, die aus mehr als 400 Meter Tiefe gefördert wird, derzeit nur 37 Anlagen in Deutschland in Betrieb. Der größte Teil davon in Bayern. In Brandenburg gibt es zwei sehr kleine, ältere Kraftwerke in Neuruppin und Prenzlau.

Rund die Hälfte des Heizbedarfs lässt sich langfristig durch Erdwärme decken

„Wir wollen da vorangehen und Vorreiter sein“, sagt EWP-Chefin Eltrop. Der Bundesverband schätzt, dass langfristig rund 50 Prozent der Fernwärme in Deutschland aus dem Erdinneren gespeist werden könnte. „Das wäre für Potsdam bis 2050 allerdings ein sehr ambitioniertes Ziel“, so Eltrop.

Solarwärme und Blockheizkraftwerke sollen weitere Standbeine der EWP werden

Auch Solarthermie soll im Fernwärmenetz zukünftig eine Rolle spielen – dafür ist allerdings viel Fläche nötig, was in Potsdam oft ein begrenzender Faktor ist. Bereits im Sommer soll auf dem Areal der EWP im Industriegelände eine kleine Solarthermie-Anlage ans Netz gehen, eine zweite ist bis 2022 geplant. Biologische Stoffe können vorrangig in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt werden, wie es in Krampnitz vorgesehen ist. Diese kleinen Kraftwerke gehören neben Erd- und Solarwärme als dritte Säule zur neuen EWP-Strategie.

Von Peter Degener

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