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Potsdam Mit dem Lanz-Bulldog im Prozessionstempo
Lokales Potsdam Mit dem Lanz-Bulldog im Prozessionstempo
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02:16 20.06.2015
Schmied Otto-Raymund Kempf macht den Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1934 fit für den Festumzug am 12. Juli. Quelle: Krause
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Teltow

Da rollt was an! Teltow steuert seinem wesentlichen Höhepunkt im 750. Jubiläumsjahr zu. Wenn sich am 12. Juli der etwa ein Kilometer lange Festumzug mit gut 900 Akteuren auf der Potsdamer Straße in Bewegung setzt, dann ist Heimatkunde live zu erleben und die Stadt von heute in freudiger Erregung ob der zur Schau gestellten Geschichte. Dabei wird der erste Eindruck ein eher schauriger sein, denn gleich das Einstiegsbild des Zuges versetzt die Zuschauer ins düstere Mittelalter, in dem Halunken — auf den Schemel gebunden — noch getaucht wurden. „Aber nicht bis zum Tode“, sagt Hermann Lamprecht. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Hobbyhistoriker und in der Region als „Alter Fritz“ bekannt, sondern auch der Leiter der AG Festumzug, die sich bereits im Frühjahr 2013 gegründet hat. Seitdem hat die fünfköpfige Truppe ehrenamtlich organisatorische Schwerstarbeit geleistet. Am Mittwoch stellte er mit Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) und Kulturfachbereichsleiter Michael Belkner die bewegte Bilderschau vor und erntete von der Verwaltungsspitze schon einmal großes Lob für das Engagement.

Es wird neun thematische Segmente geben: Von Teltow im Mittelalter über die Zeit des Aufblühens bis nach 1989, außerdem grüßt extra Ruhlsdorf als eingemeindetes Dorf in der Stadt. Teltower Firmen stellen sich ebenso vor wie Vereine, Kitas, Horte und Schulen. Auch die Teltower Partnerstädte Ahlen, Gonfreville l’Orcher und Zagan gratulieren inmitten des Zuges. Die ausländischen Gäste wollen allein mit rund 140 Teilnehmern in Kostümen anrücken, darunter 80 Franzosen. Immerhin, so weiß Lamprecht, haben die Städte auch was zu bieten. Weshalb zum Beispiel der alte Ritter Wallenstein, der im polnischen Zagan geboren wurde, in Teltow mitmarschieren will und auch der Astronom Johannes Kepler, der dort einst gearbeitet haben soll.

Innerhalb von 27 Bildern, die an drei Streckenpunkten von Moderatoren kurz und knackig vorgestellt werden, sollen 95 Einzeldarstellungen die Entwicklung und das gesellschaftliche Leben Teltows widerspiegeln — vom Lumpenvolk bis zum Hightech-Betrieb. Selbst die sieben Stadtbrände und die Pestperioden werden nicht ausgelassen. Schifferkinder tanzen, Zillegören hopsen und Kanalarbeiter schwadronieren. Der Alte Fritz mischt sich per pedes unters Volk, Markgraf Otto III. wird hoch zu Ross kommen und Schmied Otto-Raymund Kempf auf seinem alten Trecker. Den Lanz-Bulldog mit 20 PS hatte sein Vater 1934 auf der Grünen Woche in Berlin erstanden. 55 Jahre später tuckerte der Junior mit dem Stahlross auf dem Ostpreußendamm über die geöffnete Grenze nach Berlin-Lichterfelde. „Das gehört alles mit zur Geschichte, deshalb habe ich mich zum Festumzug gemeldet“, sagt der 71-jährige Teltower, der das alte Teil gerade für den Umzug aufmöbelt.

Nach dem etwa zweistündigen Marsch dürften sich dann alle freuen, beim Fest im Mattauschpark von 16 bis gegen 21 Uhr ausspannen zu können. Dort erwarten Marktstände und ein buntes Programm, an dessen Inhalt noch gefeilt wird, die Gäste. Musikalisch wollen die Regional-Bands „Cool Cats“ und „Handgezapft“ Stimmung machen. Laut Kulturfachbereichsleiter Michael Belkner rechnet die Stadt mit bis zu 10 000 Gästen, die während des 12. Juli Umzug und Fest über den Tag besuchen werden. Ob es zu voll werden könnte? „Wir mögen es kuschelig“, versichert der Bürgermeister und freut sich auf das Highlight im Jubiläumsjahr.

Die Karawane

Der Festumzug soll am 12. Juli ab 14 Uhr vom Hamburger Platz in Teltow über die Potsdamer Straße bis zum Mattausch-Park führen. Dort schließt sich von 16 bis gegen 21 Uhr ein Fest mit Marktständen und Programm an.

An dem etwa einen Kilometer langen Umzug wollen sich 900 bis 1000 Menschen beteiligen. Die Stadtverwaltung rechnet ungefähr mit 8000 bis 10 000 Zuschauern und Gästen über den Tag zu Umzug und Fest.

Aus dem Veranstaltungsbudget zum Jubiläumsjahr von 80 000 Euro wird etwa die Hälfte für die Höhepunkte am 12. Juli veranschlagt.

Über nötige Straßensperrungen will die Verwaltung zeitnah die Öffentlichkeit informieren.

Von Claudia Krause

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