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Potsdam Feuerteufel-Fall bleibt unaufgeklärt
Lokales Potsdam Feuerteufel-Fall bleibt unaufgeklärt
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07:10 10.09.2016
Nicht nur die Autos selbst, auch die Carports wurden schwer beschädigt. Quelle: Fotos: Blaulicht Report Potsdam
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Kirchsteigfeld

Ein dumpfer Knall mitten in der Nacht. Stimmen auf der Straße. Brandgeruch. Dann die Sirenen der Feuerwehr. Einige Anwohner des Kirchsteigfelds kennen dieses Szenario aus eigenem Erleben. Immer wieder brannte es in dem ansonsten so ruhigen Stadtteil im Potsdamer Südosten. Immer wieder zündeten Unbekannte Autos an, fünf im Jahr 2014. Anfang des Vorjahres schlugen der oder die Täter drei Mal zu.

Brandserie im Kirchsteigfeld

8. Januar 2014: In der Ricarda-Huch-Straße brennt in einem Carport ein Kia aus. Ein Opel daneben wird beschädigt.

14. Januar 2014: In der Pierre-de-Gayette-Straße brennt eine Mülltonne. Am Hirtengraben steht ein Toyota in einer offenen Garage in Flammen.

19. Januar 2014: In der Bettina-von-Arnim-Straße brennen in einem Carport ein Citroen, ein Opel und ein Skoda ab. Vier weitere Autos werden beschädigt. Der Carport war wegen der statischen Schäden mehrere Monate gesperrt.

16. Februar 2014: Am Hirtengraben brennt in einem Carport ein Ford.

21. März 2014: Am Hirtengraben brennt ein Volvo komplett aus.

4. Januar 2015: Wieder wird die Ricarda-Huch-Straße zum Tatort. Dort brennt ein Pkw aus.

19. Februar 2015: In der Nelly-Sachs-Straße brennt ein Mazda.

17. März 2015: Bei einem Brand in der Ricarda-Huch-Straße wird ein VW Passat komplett zerstört, ein weiterer Passat und ein Renault nehmen Schaden.

Seit über einem Jahr ist Ruhe. Doch aufgeklärt sind die Taten des Feuerteufels vom Kirchsteigfeld bis heute nicht. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüfe, ob sie die Ermittlungen einstellt, so Heiko Schmidt, Sprecher der Polizeidirektion West. Details zum Stand der Ermittlungen wollen die Behörden nicht nennen. Von einem politischen, linksextrem motivierten Hintergrund für die Anschläge, wie es immer wieder in Berlin vorkommt, ging man in Potsdam nicht aus.

Der Unbekannte zündete auch Autos in Carports oder Garagen an. Quelle: MAZ

Die Politik drängte auf schnelle Aufklärung

Bereits im April 2015 war die eigens eingerichtete, im Januar 2014 gegründete Soko wieder aufgelöst worden. Unter dem Protest von Anwohnern und Politikern. Die Sicherheitsinteressen der Menschen im Kirchsteigfeld würden nicht ausreichend berücksichtigt, mahnte etwa der frühere Leitende Polizeidirektor der Direktion Potsdam, Peter Schultheiß (Potsdamer Demokraten). Die Leute fühlten sich „mit ihren Ängsten nicht ernstgenommen“, sagte auch der Potsdamer Landtagstagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär Steeven Bretz. Potsdamer Demokraten/BVB Freie Wähler, SPD und CDU/ANW forderten Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung dazu auf, im Polizeipräsidium auf eine energische Bearbeitung der Fälle zu dringen.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) warb Anfang des Jahres um Sicherheitspartnerschaften, also Bündnisse aus Bürgern, Kommunen und Polizei zur Kriminalitätsprävention. Denn die Zahl der Partnerschaften stagniert in Brandenburg.

70 Bündnisse mit 418 Aktiven zählte das Ministerium vor einem Jahr. Das Konzept wird derzeit reformiert, der zugrunde liegende Erlass überarbeitet. Eines bleibt unangetastet: Sicherheitspartnerschaften haben keine hoheitlichen Rechte.

Empörung und Verunsicherung bei den Anwohnern waren groß. Teils war sogar anonym zur Selbstjustiz aufgerufen worden. Die Polizei verteilte eiligst Flugblätter im Wohngebiet, mahnte zur Besonnenheit und bot die Zusammenarbeit an. Aber: Eine Sicherheitspartnerschaft, also eine Kooperation zwischen Polizei, Kommunen und Anwohnern, ist bislang nicht zustande gekommen. „Es gab keine Reaktion aus der Bürgerschaft“, so Polizeisprecher Heiko Schmidt. Dabei waren viele Anwohner von der Anschlagserie betroffen. Nicht nur die Fahrzeugbesitzer vom Arzt bis zur alleinerziehenden Mutter, deren Wagen in Flammen aufgingen, wurden durch die mutwillige Zerstörung geschädigt. Zumeist standen die Autos in den fürs Kirchsteigfeld üblichen Carports von Mehrfamilienhäusern. Die Parkplätze waren für die Mieter teils über viele Monate unbenutzbar. Inzwischen ist der Carport in der Bettina-von-Arnim-Straße, Tatort des Anschlags vom Januar 2014, bei dem drei Autos völlig zerstört und vier stark beschädigt wurden, saniert. Über die Kosten der Sanierung gibt der Vermieter „Alt und Kelber“ keine Auskunft. Die Polizei rechnete für die fünf Anschläge im Jahr 2014 mit einem Schaden von 300.000 Euro. Für die drei Taten 2015 wurden rund 40.000 Euro Schaden veranschlagt.

Auch Raddiebstähle machen den Bürgern zu schaffen

Vergessen haben viele Anwohner die Brandserie, die sie über lange Zeit in Atem hielt nicht. Das zeigen auch die Zuschriften auf unsere MAZ-Umfrage im Kirchsteigfeld. „Brennende Fahrzeuge, Einbrüche, Fahrraddiebstähle“, zählt eine Leserin die Negativseiten des ansonsten sehr beliebten Stadtteils auf. Denn auch Radklau und Einbrüche vor allem in die auf Erdgeschossebene liegenden Keller der Mehrfamilienhäuser machen den Bewohnern des Süd-Stadtteils immer wieder zu schaffen. Ein Kriminalitätsschwerpunkt, betont die Polizei, ist das Kirchsteigfeld aber nicht. Eine Sicherheitspartnerschaft wäre dennoch für eines gut: das Sicherheitsgefühl der Anwohner.

Durch die Brände entstand ein Gesamtschaden von weit über 300.000 Euro. Quelle: MAZ

Von Marion Kaufmann

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