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Feuerteufel von Eiche bleibt hinter Gittern

Brandstifter im Prozess verurteilt Feuerteufel von Eiche bleibt hinter Gittern

Der 20-jährige Patrick H. hat fünf Mal in Potsdamer Wohnhäusern Feuer gelegt – meist nachts, wenn die Bewohner schliefen. Dass es nicht zur Katastrophe kam, war laut Gericht riesiges Glück. Jetzt fiel das Urteil gegen den jungen Mann, der laut Psycho-Gutachten weder eine gestörte Persönlichkeit hat noch ein pathologischer Brandstifter ist.

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Nach einem Brand Anfang Februar in der Carl-Dähne-Straße wurde Patrick H. gefasst.

Quelle: Patrick Plönning

Potsdam. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten hat das Jugendschöffengericht am Potsdamer Amtsgericht den jungen Mann verurteilt, der gestanden hat, seit Spätsommer 2015 fünf Brände in der Waldstadt, in Eiche und in der City gelegt zu haben. Patrick H. (20) hat sich demnach der schweren Brandstiftung in Tateinheit mit Körperverletzung schuldig gemacht. Bewohner der betroffenen Häuser, darunter eine Hochschwangere, hatten Rauchgasvergiftungen erlitten. Der Sachschaden beläuft sich auf mehr als 50000 Euro.

Patrick H. kann binnen einer Woche Berufung beantragen. Er wurde direkt aus dem Verhandlungssaal zurück in die JVA Wriezen gebracht, wo er seit seiner Festnahme im Februar 2016 einsitzt. Polizisten hatten ihn noch am Tatort dingfest machen können: Als sie nach dem Löscheinsatz der Feuerwehr die zuvor installierte Fotofalle abbauten, lief ihnen Patrick H. geradezu in die Arme. Er war an den Tatort zurückgekehrt, um sich den Schaden zu besehen – er gab alles zu.

Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe

Auch vor Gericht ließ sich H. ein. Verteidiger Torsten Schmidt betonte, dass das Verfahren ohne dieses umfassende Geständnis wesentlich aufwendiger gewesen wäre. Auf dem Überwachungsvideo sei H. zwar zu sehen, nicht aber, wie er mit dem Feuerzeug zündelt. „Sicher, man kann eins und eins zusammenzählen – aber das reicht nicht für eine Verurteilung.“ Sein Mandant habe sich selbst überführt. Schmidt plädierte auf eine Bewährungsstrafe „mit scharfen, stringenten, knackigen Auflagen“ wie Therapie- und Arbeitsstunden und der Verpflichtung, eine Lehre zu beginnen. „Das kann der Staat ruhig mal riskieren“, so Schmidt. Patrick H. wolle sein Leben ändern und habe eine letzte Chance verdient. „Es wäre schädlich, wenn man ihn jetzt wegsperrt.“ Schmidt berief sich auf den Grundsatz des Jugendstrafrechts „Erziehung vor Strafe“.

Der Staatsanwalt forderte vier Jahre Haft

Den hatte auch Staatsanwalt Thomas Jaschke im Sinn, als er eine Freiheitsstrafe von vier Jahren forderte. „Die ist hoch, aber Ihr Erziehungsbedarf ist es auch“, so Jaschke zum Angeklagten. „Mit Ihnen muss man langfristig arbeiten.“ Der Staatsanwalt hob auf das psychiatrische Gutachten ab, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wurde. Demnach habe Patrick H., der schon in der Kindheit auffällig wurde, weder eine Persönlichkeitsstörung und noch sei er ein pathologischer Brandstifter. „Ihre allgemeine Unzufriedenheit in Verbindung mit Alkohol haben Sie zu den Taten veranlasst“, so Jaschke, der dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit unterstellt. „Sie haben gewusst, was Sie tun!“ Wäre er nicht gefasst worden, „die Brandserie wäre ewig weitergegangen“.

Das sah nimmt auch Richterin Doris Grützmann an. „Sie hatten riesiges Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Es gibt nichts Gefährlicheres als Feuer. Irgendwann wäre es sicher zu einem Toten gekommen.“ Patrick H. wisse nun nach stundenlangen Gesprächen mit dem Gutachter, woran er zu arbeiten habe. „Es ist nicht zu spät“, so Grützmann. Ein Anfang sei gemacht. „Ihre Erziehung kann aber nur unter geschlossenen Bedingungen erfolgen.“

Nicht nur mit dem Feuer gespielt

Der Angeklagte hat zugegeben, aus Frust fünf Mal Feuer gelegt zu haben. Bei den Bränden erlitten mehrere Personen eine Rauchgasvergiftung. Der Angeklagte zündelte immer im Keller; das Feuer griff auf abgestellte Möbel und Kartons über, beschädigte den Fußboden und Decken.

Am 30. August 2015 hat der Angeklagte in einem Wohnblock in der Saarmunder Straße in Waldstadt Benzin, das er zuvor extra an der Tankstelle an der Heinrich-Mann-Allee gekauft hatte, verschüttet und angezündet.

Am 4. Dezember 2015 hat er in einem Mehrfamilienhaus in der Lindenstraße mit dem Feuerzeug eine Matte aus Bambushölzchen angesteckt.

Am 17. und 24. Januar 2016 sowie am 6. Februar 2016 hat der Angeklagte in der Carl-Dähne-Straße in Eiche, wo er selbst wohnte, Feuer gelegt.

Die meisten Taten ereigneten sich nachts, wenn die Hausbewohner schliefen. Einige Male alarmierte der Angeklagte selbst die Feuerwehr und half, die ahnungslosen Mieter zu retten.

Auch Eigentums- und Straßenverkehrsdelikte wurden dem Angeklagten zur Last gelegt und in das Urteil mit einbezogen. nf

 

Von Nadine Fabian

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