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Potsdam Baustelle beeinträchtigt Filmorchester Babelsberg bei Aufnahmen
Lokales Potsdam Baustelle beeinträchtigt Filmorchester Babelsberg bei Aufnahmen
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01:15 14.07.2018
Das Deutsche Filmorchester Babelsberg hat jetzt bereits mit Baulärm zu kämpfen. Quelle: Friedrich Bungert
Babelsberg

Das 100. Jahr des Bestehens des Deutschen Filmorchesters Babelsberg könnte zugleich sein letztes sein: Intendant Klaus-Peter Beyer schlägt auf dem Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten Alarm – er sieht die Existenz des Traditionsklangkörpers massiv bis hin zur Auflösung bedroht. „Uns wird hier eine ganz wichtige Lebensader durchschnitten“, sagte Beyer am Mittwoch zur MAZ.

In der Vergangenheit hatten Musikaufnahmen – unter anderem für Oscar-Streifen wie „Slumdog Millionaire“ oder für die Bully-Herbig-Erfolgsfilme; mit Künstlern von Udo Jürgens bis „Silbermond“ – das Orchester zur großen Marke in der Branche gemacht. 60 Prozent seiner Einnahmen stammt aus den Aufnahmen. Nun könnten Bagger und Baulärm dem Babelsberger Aushängeschild den Garaus machen.

Intendant Klaus-Peter Beyer. Quelle: Friedrich Bungert

Baustelle mit fatalen Folgen?

Grund für die Existenzsorgen ist ein geplantes Bauprojekt unmittelbar neben dem Sitz des Orchesters auf dem Gelände der Babelsberger Filmstudios. Auf dem jetzigen Parkplatz an der August-Bebel-Straße will ein Investor einen Viergeschosser hochziehen – keine 50 Meter entfernt von den Tonstudios des Filmorchesters.

Es handelt sich um die KW Development von Jan Kretzschmar, der wegen seines Interesses am Minsk-Restaurant vor einigen Wochen Schlagzeilen gemacht hat. Das Grundstück wurde 2017 vom Studio Babelsberg an die KW Development verkauft, wie eine Sprecherin bestätigte. Laut Internetseite der KW Development soll ein Bürohaus mit 26 Büros und Tiefgarage entstehen. Baubeginn: 2018. Gewerbe ist an dieser Stelle laut Bebauungsplan zwar vorgesehen. Doch die anderthalbjährige Baustelle vor der Tür könnte fatale Folgen haben, so Beyer.

Aufnahmen brauchen Ruhe

Das Filmorchester-Gebäude befindet sich an originaler historischer Stätte. Es stammt aus den 1930-er Jahren: „Die Außenschale ist einwandig, nicht doppelwandig“, schildert Beyer die Hellhörigkeit. Und: Das Ganze sei „auf reinstem märkischen Sand“ gebaut, der Schwingungen eins zu eins übertrage. Alles zusammen eine denkbar unglückliche Mischung, schließlich müssten die Aufnahmen in aller Ruhe gemacht werden. „Nicht dass während eines Takes plötzlich ein Lkw anspringt oder ein Dachziegel runterfällt.“

Er sei, so Beyer, aus allen Wolken gefallen, als Vertreter des Investors bei einer Info-Veranstaltung am 5. Juli ihre Pläne präsentierten. Demzufolge sollen die Arbeiten auf der Baustelle von sieben Uhr morgens bis 18 Uhr laufen – Kernzeit für die Musiker ist wiederum von 10 bis 17 Uhr. Beyer: „Wenn ich weiß, dass da Baulärm ist, kann ich als seriöser Unternehmer nicht die ausreichende Sicherheit garantieren, um etwas Vernünftiges zustande zu bringen.“

Blick ins Innere des historischen Gebäudes. Quelle: Friedrich Bungert

Keine Option sei, die Musikaufnahmen in die Nachtstunden zu verlegen, um dem Lärm zu entgehen. Bei Nachtarbeiten müssten gesetzliche Auf- und Zuschläge erhoben werden, was die Wettbewerbsfähigkeit deutlich schmälern würde. In den letzten Jahren sei die Konkurrenz in Deutschland auf dem Markt gewachsen und anderswo gebe es – anders als in Brandenburg – Vollsubvention. Die Babelsberger müssen sich dagegen ihren Lebensunterhalt selbst erspielen. Was es heißt, eine Baustelle direkt vor der Türe zu haben, können die Musiker schon jetzt erahnen. Derzeit wird der Platz vor ihrem Gebäude mit Baggern umgestaltet – eine Nervenzerreißprobe.

Am Mittwochnachmittag war der städtische Wirtschaftsförderungschef Stefan Frerichs vor Ort, um sich über die Interessenskollision – Baustelle versus Musikbetrieb – zu informieren. Anschließend sagte Frerichs zur MAZ: „Beide Anliegen, Gewerbe und Musikaufnahmen, sind berechtigt, aber beides zusammen geht zeitlich nicht.“

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg fürchtet um seine Existenz. Hier ein Musiker an der Baustelle, die schon jetzt vor dem Orchester-Sitz die Musikaufnahmen des Orchesters beeinträchtigt. Quelle: Friedrich Bungert

Gemeinsam müsse man einen Weg finden, damit keiner der Beteiligten wirtschaftlichen Schaden nehme. Für das Filmorchester steht nun alles auf der Kippe: So war für 2018 unter anderem die Mitwirkung der Babelsberger an einer neuen regelmäßigen ZDF-Unterhaltungsshow geplant. Große Kunden aus Asien haben bereits Aufträge vergeben; auch die Vertonung der neuen Folgen der Traumschiff-Reihe waren gesetzt, ebenso wie die Produktion einer CD mit Stewart Copeland, dem Mitbegründer der Rock-Band „Police“.

Von Ildiko Röd

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