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Potsdam Filmpark: 25. Geburtstag und kein Grund zum Wandel
Lokales Potsdam Filmpark: 25. Geburtstag und kein Grund zum Wandel
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18:24 10.08.2018
25 Jahre Filmpark: Friedhelm Schatz an seinem Lieblingsort, der Stunt-Show. Sein zweitliebster Ort im Park ist die Kulisse des Kleinen Muck. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Auch zum 25. Geburtstag des Filmparks Babelsberg sieht Geschäftsführer Friedhelm Schatz keinen Grund, das Konzept zu ändern. „Die Leute wollen wieder stärker das Anfassbare, Anschauliche haben“, sagt er: „In der immer hektischeren Welt der Unterhaltung suchen sie Ruhe und wollen innehalten. Das bieten wir. In Babelsberg leben Erinnerungen an Bücher und Filme weiter, die schon längst aus den Läden und Kinos raus sind.“ Hier gebe es Kulissen zum Betrachten und Anfassen: „Alle klopfen an die Lok aus Lummerland: Ist das Blech oder Plastik? Wir wollen das so.“

Heutzutage halte sich kaum ein Film noch vier Wochen in den Kinos, bedauert der Action- und Science-Fiction-Fan Schatz; dann gebe es DVD’s und manchmal Fan-Produkte, schließlich gar nichts mehr. „Die Produzenten erkennen aber, dass die Aufstellung ihrer Kulissen, wie wir sie machen, eine Nachverwertung ist und Geld bringt.“ Oft bekomme man Filmausstattungen geschenkt oder könne sie günstig kaufen. In den Filmpark komme das aber nur, wenn es zu tun hat mit Dreharbeiten in Potsdam. „Das unterscheidet uns von Universal in Amerika, von der Movie-World in Bottrop, von Bavaria in München.“

Friedhelm Schatz am Löwen aus „in 80 Tagen um die Welt“ Quelle: Bernd Gartenschläger

Der baumgroße Mann mit der schulterlangen Lockenmähne, den viele Highlander nennen, ist inzwischen so verwachsen mit dem Filmpark, dass er trotz Rentenbescheid nicht aufhört: „Niemals“, schwört der 66-Jährige: „Ich mache das, bis der Körper nicht mehr will.“ Dem Filmpark prophezeit er „nochmal 25 Jahre, mindestens.“ Daran ändern auch seine hochfliegenden Baupläne rings um den eher beschaulichen Freizeitpark nichts. 250 000 Quadratmeter Nutzfläche will er mit Partnern schaffen, darunter 800 Wohnungen, die an der Großbeerenstraße sozial und preiswert sein sollen.

Rings um den Filmpark (Mitte) will Schatz mit Partnern bauen. Quelle: Rainer Schüler

„Das ist mein Anspruch“, sagt er: „Und wenn ich es sage, mache ich es auch.“ Gewerbeblöcke, Eigentumswohnungen, ein Hotel und eine Grundschule kommen dazu; eine halbe Milliarde Euro soll das kosten. Anders als bei allen Filmpark-Investitionen kommt das allerdings nicht aus dem eigenen Etat.

„Die Filmparkanschaffungen und -bauten können wir selbst bezahlen“, versichert Schatz: „Wir sind wirtschaftlich stabil und haben keine Schulden. Das ist bei anderen Freizeit- und Filmparks anders. “ Er will keine kostspieligen Experimente wie Achterbahnen oder Freefall-Fahrgeschäfte, die 30 bis 40 Millionen Euro das Stück kosten. „Man müsste Kredite dafür aufnehmen“, sagt Schatz: „Ich will sowas nicht. Das hat nichts mit dem Filmstandort zu tun und würde nie genehmigt.“ Ringsum lägen Wohnungen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen der TV- und Filmwirtschaft - Rummelattraktionen gelten für diesen innerstädtischen Standort als unzumutbar.

Also bleibt er beim Bewährten Mix, bei Besucherzahlen um die 350000 – „Ich hätte natürlich gerne mehr“ –, beim Austausch von Kulissen, bei der Erneuerung von Shows. 25 Prozent der Besucher kommen wieder, 75 Prozent aber sind neu. Die Stammgäste könnten Janoschs Panama und die Tigerente, den Sandmann, die Kulisse des Kleinen Muck oder die Gruselhäuser mit der Zeit altbacken finden, gibt er zu, aber der Rest sehe das zum ersten Mal. „Auch Universal hat Klassiker, die seit 40 Jahren laufen.“

Die immer wieder veränderte Stunt-Show im Vulkan ist unangefochten der Publikumsmagnet,

Die Stuntshow ist der größte Renner im Filmpark. Quelle: Julian Stähle

gefolgt von der Show der Musketiere nach dem Kinofilm von 2011 sowie die häufig erneuerte Filmtier-Show; deshalb wird an diesen Programmpunkten auch nicht gerüttelt. Die Lummerland-Kulisse dürfte sich den Dauerbrennerstatus auch erkämpfen; sie hat immerhin rund eine Million Euro gekostet. Und der auch der Sandmann, den eigentlich nur gelernte Ossis wirklich kennen, bleibt: „Der hat Wohnrecht auf Lebenszeit bei mir“, sagt Schatz und meint sich selbst.

Überhaupt ist er selbst der Maßstab der meisten Dinge im Park: Eher als nach Marktanalysen entscheidet Schatz nach Bauchgefühl. Im Gegensatz zu seinen Bauplänen rings um den Park, ist im Park-Unternehmen Bescheidenheit angesagt. Das Management haust noch immer in einem heruntergekommenen Leichtbau aus „finsteren“ DDR-Zeiten und will es gar nicht anders.

Die Filmpark-Verwaltung sitzt in einem betagten Leichtbau aus DDR-Zeiten. Quelle: Rainer Schüler

„Der Filmpark ist unser Wohnzimmer“, wird Schatz in den subkulturell wirkenden Schummerlicht-Fluren gern zitiert: „Das hier ist die Besenkammer. Hier wird gearbeitet.“

Hier tüftelt ein junges Team an der Neuausrichtung für 2019 und danach. „Dreht mal alle Steine um, habe ich denen gesagt“, sagt Schatz: „Ich halte mich da raus. Ende August weiß ich mehr.“

Höhepunkte aus 25 Jahren Filmpark

1. Juni 1993: Gründung der Babelsberg Studiotour GmbH. Die Geschäftsführer: Friedhelm Schatz und Pierre Couveinhes.

15. August 1993: Der Filmerlebnispark „Babelsberg Studiotour“ startet.

11. Dezember 1993: Die Ausstellung „Cinefantastic“ eröffnet.

November 1993: Die Drehs für die „Unendliche Geschichte III – Rettung aus Phantasien“ sind beendet. Sets, Figuren und Requisiten bleiben in der Studiotour.

Dezember 1993: Das DEFA-Kino wird der Studiotour angegliedert, gehört heute aber nicht mehr dazu.

18. April 1994: Die Caligari-Halle öffnet! Drei Millionen Euro Kosten, zwei Monate Bauzeit.

April 1995: Das Showscan-Actionkino öffnet.

30. März 1996: Neuer Eingangsbereich, neues Programm: Westernstraße, Sandmannausstellung mit gläsernem Studio, die Show „Der verflixte letzte Drehtag“.

22. März 1997: Das Boomer-U-Boot geht in Betrieb.

22. März 1998: Ab jetzt heißt das Projekt Filmpark Babelsberg.

22. März 1998: Die Filmtiershow feiert Premiere.

1. Mai 1998: „Panama – Janoschs Traumland“ öffnet.

21. Mai 1999: Der Vulkan ist fertig; die Stuntshow startet.

Herbst 1999: Die französischen Eigentümer wollen nichts mehr investieren; Schatz geht.

22. Juli 2000: Die Filmparknächte sind ein Erfolg, sind inzwischen aber eingestellt.

15. März 2003: Schatz und Ekkehard Streletzki übernehmen die Studiotour und einen großen Teil der Medienstadt.

6. August 2005: Sendestart von „Radio Teddy“, das heute nicht mehr zum Filmpark gehört.

23. Juli 2006: Das Außenset von Gute Zeiten –schlechte Zeiten wird eröffnet.

1. Februar 2007: Die Ausstellung zu „Herr der Ringe“ ist zu bestaunen.

10. Oktober 2008: Die Metropolis Halle öffnet.

26. November 2009: Der Medienpreis „Bambi“ wird in der Metropolishalle verliehen.

28. Mai 2009: „Die Berliner Mauer“ ist fast 100 Meter lange und 3,70 Meter hoch und war 2008 eine Filmkulisse der Constantin-Produktion „Der Baader Meinhof Komplex“.

23. Oktober 2017: Eröffnung des Fröbel-Kindergartens

22.,23., 29. und 30. Oktober 2010: Start der Horrornächte.

1. Mai bis 3. Oktober 2011: Die Star-Trek-Ausstellung wird abgebrochen, als herauskommt, dass der Lieferant aus New York keine Lizenz dafür hat.

25. Juni 2011: Das interaktive XD Motion Ride Kino hat vier Millionen Euro gekostet.

1. September 2011: Die Constantin Film Produktion bringt die „Drei Musketiere“ in 3D ins Kino; der Filmpark eröffnet eine Kulisse: das Schiff.

Mai 2014: Das „Military-Camp“ ist die Kulisse aus „ Monuments Men“ mit George Clooney.

4. August 2016: „Timm Thalers Fantasiewelt“ kommt als Kulisse in die Caligari-Halle, noch ehe „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ im Kino läuft.

Ostern 2017: Willkommen in „Lummerland“ von Jim Knopf.

Von Rainer Schüler

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