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Finito bei Il Ponte: Italienverein macht Schluss

Platz für Jüngere Finito bei Il Ponte: Italienverein macht Schluss

25 Jahre lang hat der Verein „Il Ponte“ die Freundschaft zu Italien gepflegt und die lebendigste Städtepartnerschaft Potsdams geschaffen. Jetzt, auf dem Höhepunkt des ehrenamtlichen Engagements, ziehen sich die betagten Aktivisten der Wendezeit zurück und lösen den Verein auf. Das Geschäft soll nun an einen neuen, kleineren Verein gehen – doch der ist noch nicht einmal gegründet.

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Das italienische Perugia – Sehnsuchtsort für die Il Ponte-Mitglieder, umbrische Hauptstadt und Partnerstadt Potsdams.

Quelle: Foto: Fotolia

Waldstadt / Innenstadt.
Der Verein „Il Ponte“ löst sich auf. Nach 25 Jahren unermüdlicher Arbeit macht die Führung der Italien-Freunde Potsdams Platz für einen Neuanfang mit neuen Leuten, jüngeren vor allem. Die sollen immer noch Brücken schlagen, aber nicht „Il Ponte“ heißen, „die Brücke“.

Das Durchschnittsalter der rund 200 Mitglieder liegt bei 70 Jahren. „Es ist an der Zeit“, sagt Vereins-Chefin Maria-Luise Döring, „einen Nachfolgeverein zu gründen“. Doch der Nachwuchs steht nicht Schlange, und das familiär geprägte Vereinsleben in festen Strukturen, das vor allem alleinstehende Potsdamer so an Il Ponte lieben, ist bei jüngeren, berufstätigen Familienmenschen nicht so wichtig, findet Dörings Sohn Alexander (36), der nicht den Vorsitz übernimmt. Dafür ist jemand ausersehen, der sich noch nicht entschieden hat. Man kennt ihn bereits in der umbrischen Partnerstadt Perugia und im Verein, und er weiß, welches Erbe er antritt, wenn er Ja sagt: die mit Abstand lebendigste Städtepartnerschaft Potsdams, die Bürgerreisen, die Vorträge, Ausstellungen, Konzerte, Benefizaktionen, Bücher- und Filmveröffentlichungen. Minutiös und fast schon auf den Zentimeter hat das Führungsteam all das geplant.

Maria-Luise Döring und der  Geher-Olympiasieger von 1972, Peter Frenkel, trugen sich am  Montag ins Goldene  Buch  Potsdams ein

Maria-Luise Döring und der Geher-Olympiasieger von 1972, Peter Frenkel, trugen sich am Montag ins Goldene Buch Potsdams ein.

Quelle: Köster

Vor den alljährlichen Bürgerreisen etwa fuhr die Chefin die Strecken der neun Besuchstage ab, um zu „wissen, ob der Bus da auch noch wenden kann“. Was man zeigen und erklären konnte, war vorab komponiert: Landschaften, Städte, Burgen, Bauernhöfe, Handwerker, Fabriken – das Leben eben, Aha-Erlebnisse, die kein Veranstalter sonst bietet. Sogar Sagen und Märchen der Reiseregionen las man vor im Bus und gab den Hausfrauen Rezepte mit. Und die Dörings sprechen Italienisch, so perfekt, dass selbst Italiener sie für Italiener halten. Maria-Luise Döring hat Romanistik und Italianistik studiert und brachte Generationen von Studenten Musik-Italienisch bei; gesungen ist das zuweilen etwas Anderes als man heute spricht. Sie hat übersetzt, auch die künstlerischen Publikationen des Vereins: Reiseberichte und Dokumentationen von Filmemacher und Ex-Kulturstadrat Claus Dobberke etwa, Vizechef im Stammverein. „Mädchen für alles“ war Döring seit Juni 1990, als man die bürgerferne Freundschaftsgesellschaft DDR-Italien zu „Il Ponte“ formte und im Dezember die Perugia-Städtepartnerschaft begründete, fast eine Einbahnstraße, denn den 20 Bürgerreisen nach Perugia stehen nur drei nach Potsdam gegenüber. Perugia hat weniger Förderung dafür als Potsdam.

Die Il Ponte-Chefin nimmt nur eines übel: Dass sie das Alte Rathaus als Veranstaltungsort nicht behalten durfte: „Der damalige Oberbürgermeister Matthias Platzeck hatte mir das vor großem Publikum versprochen: Kaum war er weg, war das vergessen.“

Döring ist 2002 vom damaligen Staatspräsidenten Carlo Ciampi „zum Ritter geschlagen“ worden: Sie bekam als erste Ostdeutsche den italienischen Verdienstorden und den Titel „Cavaliere“. Das deutsche Verdienstkreuz am Bande bekam sie 2013.

Von Rainer Schüler

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