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Flammeninferno in Potsdam nicht denkbar

Wie sicher sind Hochhäuser? Flammeninferno in Potsdam nicht denkbar

Ein Hochhausbrand in London hat am Mittwoch mehrere Menschen das Leben gekostet. Wäre ein ähnliches Flammeninferno auch in Potsdam denkbar? Die MAZ hat mit Feuerwehrchef Wolfgang Hülsebeck über Sicherheitsstandards und Verhalten im Ernstfall gesprochen.

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Im August 2012 stand eine Wohnung in einem der Hochhäuser an der Neustädter Havelbucht in Flammen .

Quelle: MAZ

Potsdam. Das Flammeninferno in einem Londoner Hochhaus hat auch die Einsatzkräfte der Potsdamer Feuerwehr tief bestürzt. „Das ist ein tragisches Ereignis“, sagt der langjährige Feuerwehrchef Wolfgang Hülsebeck. „Man kann sich einfach nicht erklären, wie es mitten in Europa zu so einer Eskalation kommen kann. Was ich aber sagen kann: In Potsdam ist so ein Fall wie in London nicht denkbar oder zumindest extrem unwahrscheinlich.“ Dank strenger Bauvorschriften und regelmäßiger Kontrollen gelten deutsche Hochhäuser laut Hülsebeck als besonders sicher. „Und die Potsdamer Hochhäuser sind in Sachen Brandschutz und Meldetechnik alle auf einem guten Stand.“ Was genau im Ernstfall passiert, erklärt die MAZ kurz und knapp.

Wie viele Hochhäuser gibt es in Potsdam?

Die Feuerwehr hat insgesamt 47 Hochhäuser erfasst – es handelt sich dabei um Gebäude, die höher als 22 Meter sind, das entspricht je nach Bauart dem 8. oder 9. Stock.

Wie weit reicht die Drehleiter der Feuerwehr?

Die Drehleiter reicht bis zu den eben genannten 22 Metern – also bis zum 8./9. Stock. Es gibt zwar längere Leitern, sie sind in Deutschland aber nicht üblich. Das hängt unter anderem mit dem Baurecht zusammen, mit den Aufstellflächen und mit der Belastung des Untergrunds – je größer die Leiter, desto besser muss die Umgebung dafür hergerichtet werden. Und das ist gerade in den Innenstädten schwierig.

Wie bringe ich mich im Ernstfall in Sicherheit, wenn ich weiter oben wohne?

Die Potsdamer Hochhäuser haben laut Feuerwehrchef einen besonderen Sicherheitsstandard – dort sind für die Rettung von Menschenleben viel mehr Vorkehrungen getroffen als bei niedrigen Häusern. So haben die Potsdamer Hochhäuser speziell konstruierte Sicherheitstreppenhäuser. Diese verfügen über eine Entrauchung – das bedeutet, dass die Bewohner das Treppenhaus gefahrlos und ohne Kontakt zu Rauchgasen benutzen können, es ist quasi vom Rest des Hauses abgekapselt.

Kann man auch in der Wohnung bleiben?

Laut Wolfgang Hülsebeck ist genug Zeit, um in der Wohnung abzuwarten, bis die Feuerwehr kommt. Die Wohnungstüren halten Feuer und Rauch lange stand. Dennoch: „Der erste und beste Rettungsweg ist das Treppenhaus.“

Wann werden Sprungtuch und Sprungkissen eingesetzt?

Die Potsdamer Feuerwehr hat zwar Tuch und Kissen, aber sie werden nur in absoluten Ausnahmefällen eingesetzt. Das Verletzungsrisiko ist laut Feuerwehrchef zu groß.

Im Februar 2015 brannte es in einem Hochhaus im Hans-Marchwitza-Ring

Im Februar 2015 brannte es in einem Hochhaus im Hans-Marchwitza-Ring.

Quelle: Julian Stähle

Was passiert im Brandfall mit den Fahrstühlen?

Sie sind nicht zu benutzen und fahren im Idealfall automatisch nach unten und bleiben dort stehen. Die Feuerwehr kann sie über eine spezielle Schaltung für den Einsatz wieder in Betrieb nehmen.

Wie bereiten sich die Potsdamer Feuerwehrleute auf einen Einsatz im Hochhaus vor?

Sie müssen ganz konkrete gesundheitliche Anforderungen erfüllen und werden regelmäßig von Ärzten durchgecheckt. Außerdem ist ein Atemschutztraining zu absolvieren, das die Belastung simuliert.

Wie lange benötigt ein Feuerwehrmann in voller Montur und mit der Technik unterm Arm zu Fuß in den 14. Stock?

Das hängt von den jeweiligen Umständen ab, sagt Hülsebeck. Eine genormte Zeitvorgabe gibt es nicht. „Jeder kann aber selbst ausrechnen, wie lange er unter normalen Umständen in den 14. Stock bräuchte“, so der Feuerwehrchef. „Und unsere Kollegen tragen dabei rund 25 Kilo an sich herum, Bewohner kommen ihnen entgegen – das ist schon eine sehr große Herausforderung.“

Sind die Treppenhäuser für einen Aufstieg mit voller Ausrüstung und Gegenverkehr nicht zu eng?

Sie sind absolut ausreichend bemessen, versichert Hülsebeck – auch dafür gibt es Standards. Außerdem sind die Einsätze im Hochhaus technisch gut vorbereitet. Die Feuerwehr muss zum Beispiel keine Schlauchleitung durchs Treppenhaus verlegen – es gibt eine Steigleitung. In diese speisen die Einsatzkräfte unten Wasser ein, oben müssen sie dann nur noch ein Stück Schlauch und das Strahlrohr anschließen. Die Brandbekämpfung kommt laut Hülsebeck aber erst an zweiter Stelle. Entscheidend ist, dass die Bewohner aus dem Haus gerettet werden.

Wolfgang Hülsebeck ist Chef der Potsdamer Feuerwehr

Wolfgang Hülsebeck ist Chef der Potsdamer Feuerwehr.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Was passiert mit Personen, die sich nicht allein helfen können?

Auch diese werden gerettet. Dafür gibt es verschiedene Hilfsmittel, wie Tragetücher und Fluchtatemschutzmasken, an die man eine zweite Maske anschließen kann. Niemand braucht Angst zu haben, vergessen zu werden. Die Einsatzkräfte kontrollieren im Gefahrenbereich alle Wohnungen und schauen nach, ob sich dort noch jemand aufhält.

Rettet die Feuerwehr auch Haustiere?

„Ja natürlich!“, sagt Wolfgang Hülsebeck. „Für uns heißt es: Erst Menschen, dann Tiere, dann Sachwerte.“

Wie oft kommt es zu Hochhausbränden?

Relativ selten, weil der Sicherheitsstandard sehr hoch ist. Natürlich kann es passieren, dass in einer Wohnung ein Feuer entsteht und dort wütet, bis die ganze Wohnung brennt. Aber der Brand muss laut Wolfgange Hülsebeck nicht über die Wohnung hinausgehen. „Wer im Ernstfall die Wohnungstür hinter sich zumacht, hat schon eine ganz wichtige Sache erledigt.“

Von Nadine Fabian

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