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Flaschenpost zum Untergang der Lusitania

Mysteriöse Nachricht im Schwielowsee aufgetaucht Flaschenpost zum Untergang der Lusitania

Eine rätselhafte Flaschenpost mit einer Botschaft zu dem1915 vor der Südküste Irlands torpedierten Riesenschiffs Lusitania beschäftigt die Experten des Potsdam-Museums. Die Nachricht ist mysteriös und wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Nur ein Jungenstreich oder ein Hilferuf?

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Jungenstreich oder Hilferuf?

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Der Untergang der Lusitania vor der Küste Irlands am 7. Mai 1915 ging mit 1200 Todesopfern als eine der schwersten Katastrophen in die Geschichte der modernen Seefahrt ein. Deutsche U-Boote hatten das Schiff torpediert. Ein leiser Widerhall dieses furchtbaren Ereignisses wurde vor wenigen Wochen mit einer Flaschenpost vor Ferch aus dem Schwielowsee gefischt. Jetzt untersuchen Experten im Auftrag des Potsdam-Museums diesen Fund.

Bei einem Wendemanöver ihres Kajütbootes "Jobi" im Fercher Heimathafen entdeckte Birgitta Grunenberg-Eggert am 1.Juni eine Flasche, die kopfüber im Wasser trieb. Sie holte den vermeintlichen Unrat an Bord: "In unseren Schwielowsee gehören keine Flaschen." Dass dieser Fund einer anderen Zeit entstammte, war dann auf den ersten Blick zu sehen. "Pfandflasche" war ins Glas geprägt, vom Bügel des Kippverschlusses waren nur noch die rostfarbenen Ansätze übrig, in der Flasche steckte ein Zettel. Öffnen ließ sich der Korken nicht, wie sehr sie auch am Verschluss ruckelte und zog: "Das Ding saß fest." Die Skipperin stellte die Flasche beiseite.

20 Minuten später gab der Gummi des Verschlusses in der Wärme des sonnigen Tages nach und es machte leise plopp. Hafenmeister Jan Poloni eilte mit einer schlanken Zange herbei, um die Botschaft aus der Flasche zu angeln, doch die feuchte Ecke riss.

Zwei Tage stand der Fund und trocknete, dann versuchten sie es erneut, nun mit Erfolg. Sie legten den Zettel vorsichtig auf ein anderes Blatt und fassten ihn nicht mehr an. Dann entzifferten sie, was da in altertümlicher Schrift geschrieben stand: "Nordsee. Lusitania, Beibot leck, keine Rettung in aussicht. setzen sie die Nachricht in eine deutsche Zeitung. Kapitän u. ob. Maschinist", dazu zwei unlesbare Unterschriften.

Informationen über die Lusitania und deren Untergang vor der irischen Küste waren im Internet rasch gefunden. "Doch nun bewegte uns die bange Frage: Wie kommt dieser Zettel von der Küste Irlands in den Schwielowsee?" Und: Warum schrieben die britischen Seeleute auf Deutsch?

Jetzt schien die Wissenschaft gefragt: Kerstin Poloni, die Frau des Hafenmeisters, stellte den Kontakt zu Susanne Fienhold Sheen vom Förderverein des Potsdam-Museums her. Eine erste Expertise kam auf deren Vermittlung vom Glasfachmann Hans-Jürgen Krackher. Die Flasche könne tatsächlich 100 Jahre alt sein, allerdings sei ihr Zustand für viele Jahre im Salzwasser zu gut. Der Militärhistoriker Matthias Moritz befand, dass der Fund ganz sicher nicht von der Lusitania stamme. Doch einen Zusammenhang sollte es geben.

Die vielleicht entscheidende These kam von Wenke Nitz, Historikerin am Potsdam-Museum und Kuratorin der aktuellen Sonderausstellung "Zu Hause im Krieg - Im Krieg zu Hause. Potsdam und der Erste Weltkrieg", die erstmals ein umfassendes Bild von der so genannten Heimatfront vermittelt: "Es ist möglich, dass Kinder den Untergang der Lusitania nachgespielt haben - schließlich war dieses Schiff damals so populär wie die Titanic." Fienhold Sheen spricht von einem "zeitgenössischen Jungenstreich".

Heinrich und Henriette Poloni sowie die Finderin Birgitta Grunenberg-Eggert mit der historischen Flasche im Potsdam-Museum.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass man Geduld braucht, wenn man Antwort auf eine Flaschenpost erhofft, wissen auch Heinrich und Henriette (12), Zwillingskinder des Hafenmeisters, die selbst schon eine Botschaft mit Telefonnummer und Adresse auf die nasse Reise schickten, ohne dass bisher ein Echo kam. Der Ruf der Lusitania wurde dem Potsdam-Museum zunächst leihweise überlassen. Der Zettel soll mit Blick auf Papier, Stift und Tinte restauratorisch begutachtet werden. Was danach daraus wird, ist offen.

Das größte Schiff der Welt

  • Der britische Passagierdampfer Lusitania war bei Inbetriebnahme 1907 das größte Schiff der Welt. Wie die später gebaute, noch größere Titanic galt die Lusitania unsinkbar.
  • Im Ersten Weltkrieg wurde die Lusitania am 7. Mai 1915 von einem U-Boot der deutschen Kaiserlichen Marine vor der Südküste Irlands versenkt. Dabei starben rund 1200 Menschen, darunter 128 US-Amerikaner.
  • Die Proteste der USA führten zur Einstellung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Deutsche Reich bis zum Februar 1917.
  • Gemessen an der Zahl der Todesopfer war die Lusitania der größte Schiffsverlust im Ersten Weltkrieg, nach Tonnage der drittgrößte.

Von Volker Oelschläger

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