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Potsdam Fleischloses Leben in Potsdam
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12:15 01.10.2016
Diplom-Geografin Steffi Wübbenhorst hat vor elf Jahren das vegetarisch-vegane Café Kieselstein eröffnet. Quelle: Foto: Gartenschläger
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Potsdam

Jung, weiblich, sehr gebildet, Großstädter. Johanna Schulze erfüllt alle Kriterien, die nach einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena den typischen Vegetarier ausmachen. Sie ist 23 Jahre alt, studiert Grundschullehramt und leitet die Regionalgruppe Potsdam des Vegetarierbunds Deutschland. Zum heutigen Weltvegetariertag am 1. Oktober fällt ihr Urteil über das grüne Angebot in der Landeshauptstadt gut aus: „In Potsdam hat sich viel getan“, sagt sie. „Zumindest Vegetarier werden fast überall fündig.“ Für Veganer – Menschen, die komplett auf tierische Produkte, also auch Milch und Eier, verzichten – sei es schon etwas schwieriger.

Johanna Schulze lebt selbst seit vier Jahren vegan, vorher „nur“ vegetarisch. „Das war eine ethische Entscheidung“, erklärt die angehende Lehrerin. Sie habe sich damit beschäftigt, wie es in der Tierindustrie teilweise zugehe – und dann den Entschluss gefasst, sich ausschließlich pflanzlich zu ernähren. Etwa zehn aktive Mitglieder hat die Regionalgruppe in Potsdam. Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich die Veggies zum Stammtisch bei Tofuburgern und Gemüse in wechselnden Lokalen. „Wir schauen uns um, testen die Angebote und aktualisieren immer wieder die Liste vegetarischer Restaurants“, erklärt Johanna Schulze.

Veganes Café im ehemaligen Bad

Unter www.potsdamvegan.de darf das Café Kieselstein in der Hegelallee nicht fehlen. Im August 2005 hat Steffi Wübbenhorst das vegetarisch-vegane Lokal im ehemaligen Werner-Alfred-Bad eröffnet. Auch Steffi Wübbenhorst erfüllt die typischen Vegetarier-Kriterien weiblich, jung, gebildet. Die 41-jährige Mutter zweier Kinder ist eigentlich Diplom-Geografin. Das Bio-Café im vormaligen Badewannentrakt habe sie „aus Idealismus und Naivität“ gegründet. „Es geht um Nachhaltigkeit, darum, Regionales auf den Tisch zu bringen“, erklärt sie. Für Körper, Seele und Geist sei die bewusste Ernährung aus biologischem Anbau ein Gewinn. Bei ihren beiden Kindern sei sie nicht so streng. „Die kriegen auch ab und zu Fleisch“, sagt Wübbenhorst. Die Klientel, die ihr Café besucht, sei bei Weitem nicht nur jung, weiblich, Akademiker. „Der Trend breitet sich aus, auch in Potsdam“, meint Wübbenhorst.

Schlechte Noten für Schummelprodukte

Im kleinen Bio-Laden „Safran“ in der Babelsberger Karl-Liebknecht-Straße trifft sich am Freitagmorgen der halbe Kiez zum Einkaufen. Rentner, Studenten, Taxifahrer holen sich Brötchen am zugehörigen Bäckerstand und im Laden gerne einen vegetarischen Brotaufstrich dazu. „Die sind bei uns besonders beliebt“, sagt Verkäuferin Katharina Landrock. Auch Schummel-Fleisch-Produkte wie Tofuwürstchen oder Aufschnitt auf Sojabasis gibt es, weil einige Kunden das wünschen. Selbst Discounter sind auf den Trend aufgesprungen und bieten Veggie-Schnitzel an. „Man braucht keine Pseudowurst“, findet Katharina Landrock. Zumal eine aktuelle Studie der Stiftung Warentest Ersatzprodukten teils keine allzu guten Noten ausstellt. In einigen wurde Mineralöl nachgewiesen.

„Das sind stark verarbeitete Fertigprodukte“, macht auch Johanna Schulze deutlich. Für einige Fleischesser, die auf die Konsistenz und den Geschmack nicht ganz verzichten möchten, könne die fleischlose Bratwurst aber der Einsteig zu einer tierfreien Ernährung sein. Missionieren wolle die Regionalgruppe nicht, versichert die Veganerin. Aber informieren. Cafébetreiberin Steffi Wübbenhorst hat ein schlagendes Argument: „Es ist noch keiner an Gemüse gestorben“, sagt die Potsdamerin.

Weltweiter Aktionstag

Am 1. Oktober wird der internationale Welt-Vegetariertag gefeiert. Der Aktionstag wurde 1977 im Zuge des Welt-Vegetarier-Kongresses durch die „North American Vegetarian Society“ eingeführt, um auf eine gesunde, fleischfreie Lebensweise aufmerksam zu machen.

7 Millionen Menschen leben Schätzungen zufolge in Deutschland vegetarisch, 900 000 sogar vegan. Damit hat sich die Zahl der Vegetarier seit 1983 etwa verfünfzehnfacht. Das spiegelt sich auch im Anstieg des Konsums vegetarischer Produkte, die immer vielseitiger Forma angeboten werden, wider. In den letzten fünf Jahren hat sich der Umsatz ungefähr verdreifacht.

Informationen über vegetarische und vegane Cafés, Restaurants und Imbisse in Potsdam findet man auf www.potsdamvegan.de

Von Marion Kaufmann

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