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Potsdam Flüchtlinge vs. Fortuna: Partie auf Augenhöhe
Lokales Potsdam Flüchtlinge vs. Fortuna: Partie auf Augenhöhe
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19:47 18.10.2015
Das Team „Welcome United“ des SV Babelsberg 03 vor dem Anpfiff.  Quelle: Christel Köster
Am Stern

 Üblicherweise besuchen kaum zwei Dutzend Menschen die Spiele der untersten Spielklasse auf dem Sportplatz an der Newtonstraße am Stern. Doch die Begegnung der Flüchtlingsmannschaft „Welcome United“ vom SV Babelsberg 03 und der Heimmannschaft Fortuna Babelsberg am Sonntag zog über 250 Gäste an den Spielfeldrand.

Ein Vereinsfoto für Toleranz

Das gesteigerte Interesse hatte nichts mit Fußball zu tun, sondern mit den gerade öffentlich gewordenen Vorwürfen, dass einzelne Trainer und auch ein Vorstandsmitglied von Fortuna Babelsberg enge Verbindungen in neonazistische Kreise haben.

Das gibt es sonst nicht in der untersten Spielklasse: Polizei und Ordner standen neben dem Sportplatz bereit. Quelle: Peter Degener

Die Polizei war mit zwei Streifenwagen vor Ort, die Heimmannschaft hatte ein halbes Dutzend Ordner bereitstehen. Ein selten großes Publikum mit Fans beider Teams stand an der Seitenlinie. Mit einem großen Vereinsfoto der angetretenen dritten Herrenmannschaft und über 100 Vereinsmitgliedern wurde vor dem Spiel noch einmal der Toleranzgedanke von Fortuna bekräftigt. 

Viel Publikum für ein Spiel der 2. Kreisklasse C Havelland. Quelle: Claudia Jonov

Das erste „Welcome United“-Spiel für Potsdams Oberbürgermeister

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte sich schon lange diese Begegnung herausgesucht, um erstmals einem Spiel der Flüchtlingsmannschaft beizuwohnen: „Nach den Berichten der letzten Tage war es mir besonders wichtig hier dabei zu sein. Ich habe den Eindruck, dass die Vereinsführung sich kritisch mit diesen Vorwürfen auseinandersetzt, weiß aber auch, dass bei Fortuna viel für die Integration getan wird“, sagte Jakobs.

Die Mannschaftsführer Frank Hoffmann (l.) und Ahmed Abdihafid vor dem Anpfiff. Quelle: Christel Köster

Spätestens mit dem Anpfiff wurde deutlich, dass es den zwei Mannschaften selbst vor allem um Fußball ging. „Wir wussten von den Vorwürfen, aber wir haben nicht darüber nachgedacht“, sagte Welcome-Kapitän Ahmed Abdihafid. „Egal, wo wir bislang gespielt haben, bekamen wir Unterstützung und haben Freunde kennengelernt. Auch bei Fortuna Babelsberg wurden wir sehr nett willkommen geheißen.“ Die Motivation zu Siegen war für die Flüchtlinge eine andere: „Für uns ist dieses Spiel vor allem deshalb wichtig, weil wir die letzten zwei Spiele verloren haben. Deshalb ist das eine Art Finale, das wir unbedingt gewinnen wollen“, sagte Abdihafid. In der Tabelle der „2. Kreisliga C Havelland“ sind die Teams Tabellennachbarn im Mittelfeld. 

Die siebenjährigen André (l.) und Theo sammelten am Spielfeldrand Geld für die Jugendarbeit von Fortuna Babelsberg. Quelle: Claudia Jonov

Das Flüchtlingsteam nutzte seine Chancen und gewinnt 0:2

Dass es eine Begegnung auf Augenhöhe war, zeigte sich beim Spiel. Nach einer halben Stunde gingen die Flüchtlinge durch Mohamed Asad Jama in Führung, kurz vor dem Abpfiff des Spiels traf der Somalier auch zum 0:2-Endstand. Von ungewöhnlicher Härte keine Spur. Fortuna kassierte eine gelbe Karte. „Beide Teams waren gleichwertig, nur haben wir leider die Tore nicht gemacht, dafür hat sich ,Welcome United’ gut verkauft“, fasste Fortuna-Kapitän Frank Hoffmann das Spiel zusammen.

 Nach Punkten haben sich die zwei Mannschaften durch dieses politisierte Spiel voneinander entfernt, menschlich sind sie sich näher gekommen.

Von Peter Degener

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