Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Flüchtlinge vs. Fortuna: Partie auf Augenhöhe

Ungewöhnlich viele Zuschauer Flüchtlinge vs. Fortuna: Partie auf Augenhöhe

Nach den Neonazi-Vorwürfen gegen den Verein Fortuna Babelsberg kamen zum Spiel gegen die Flüchtlingsmannschaft „Welcome United“ am Sonntag viele Fans beider Mannschaften. Auch die Polizei und Stadtpolitik zeigten Präsenz. Für die Spieler stand der Fußball im Vordergrund, denn „Welcome United“ wollte nach zwei Niederlagen unbedingt gewinnen.

Voriger Artikel
Laufen lernen im Porzellanladen
Nächster Artikel
Die Royal Louise soll Berlinerin werden

Das Team „Welcome United“ des SV Babelsberg 03 vor dem Anpfiff.
 

Quelle: Christel Köster

Am Stern.  Üblicherweise besuchen kaum zwei Dutzend Menschen die Spiele der untersten Spielklasse auf dem Sportplatz an der Newtonstraße am Stern. Doch die Begegnung der Flüchtlingsmannschaft „Welcome United“ vom SV Babelsberg 03 und der Heimmannschaft Fortuna Babelsberg am Sonntag zog über 250 Gäste an den Spielfeldrand.

Ein Vereinsfoto für Toleranz

Das gesteigerte Interesse hatte nichts mit Fußball zu tun, sondern mit den gerade öffentlich gewordenen Vorwürfen, dass einzelne Trainer und auch ein Vorstandsmitglied von Fortuna Babelsberg enge Verbindungen in neonazistische Kreise haben.

Das gibt es sonst nicht in der untersten Spielklasse

Das gibt es sonst nicht in der untersten Spielklasse: Polizei und Ordner standen neben dem Sportplatz bereit.

Quelle: Peter Degener

Die Polizei war mit zwei Streifenwagen vor Ort, die Heimmannschaft hatte ein halbes Dutzend Ordner bereitstehen. Ein selten großes Publikum mit Fans beider Teams stand an der Seitenlinie. Mit einem großen Vereinsfoto der angetretenen dritten Herrenmannschaft und über 100 Vereinsmitgliedern wurde vor dem Spiel noch einmal der Toleranzgedanke von Fortuna bekräftigt. 

Viel Publikum für ein Spiel der 2. Kreisklasse C Havelland.

Quelle: Claudia Jonov

Das erste „Welcome United“-Spiel für Potsdams Oberbürgermeister

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte sich schon lange diese Begegnung herausgesucht, um erstmals einem Spiel der Flüchtlingsmannschaft beizuwohnen: „Nach den Berichten der letzten Tage war es mir besonders wichtig hier dabei zu sein. Ich habe den Eindruck, dass die Vereinsführung sich kritisch mit diesen Vorwürfen auseinandersetzt, weiß aber auch, dass bei Fortuna viel für die Integration getan wird“, sagte Jakobs.

Die Mannschaftsführer Frank Hoffmann (l) und Ahmed Abdihafid vor dem Anpfiff

Die Mannschaftsführer Frank Hoffmann (l.) und Ahmed Abdihafid vor dem Anpfiff.

Quelle: Christel Köster

Spätestens mit dem Anpfiff wurde deutlich, dass es den zwei Mannschaften selbst vor allem um Fußball ging. „Wir wussten von den Vorwürfen, aber wir haben nicht darüber nachgedacht“, sagte Welcome-Kapitän Ahmed Abdihafid. „Egal, wo wir bislang gespielt haben, bekamen wir Unterstützung und haben Freunde kennengelernt. Auch bei Fortuna Babelsberg wurden wir sehr nett willkommen geheißen.“ Die Motivation zu Siegen war für die Flüchtlinge eine andere: „Für uns ist dieses Spiel vor allem deshalb wichtig, weil wir die letzten zwei Spiele verloren haben. Deshalb ist das eine Art Finale, das wir unbedingt gewinnen wollen“, sagte Abdihafid. In der Tabelle der „2. Kreisliga C Havelland“ sind die Teams Tabellennachbarn im Mittelfeld. 

Die siebenjährigen André (l.) und Theo sammelten am Spielfeldrand Geld für die Jugendarbeit von Fortuna Babelsberg.

Quelle: Claudia Jonov

Das Flüchtlingsteam nutzte seine Chancen und gewinnt 0:2

Dass es eine Begegnung auf Augenhöhe war, zeigte sich beim Spiel. Nach einer halben Stunde gingen die Flüchtlinge durch Mohamed Asad Jama in Führung, kurz vor dem Abpfiff des Spiels traf der Somalier auch zum 0:2-Endstand. Von ungewöhnlicher Härte keine Spur. Fortuna kassierte eine gelbe Karte. „Beide Teams waren gleichwertig, nur haben wir leider die Tore nicht gemacht, dafür hat sich ,Welcome United’ gut verkauft“, fasste Fortuna-Kapitän Frank Hoffmann das Spiel zusammen.

 Nach Punkten haben sich die zwei Mannschaften durch dieses politisierte Spiel voneinander entfernt, menschlich sind sie sich näher gekommen.

Von Peter Degener

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg