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Flüchtlinge ziehen ins Potsdamer Villen-Viertel

Berliner Vorstadt Flüchtlinge ziehen ins Potsdamer Villen-Viertel

In die noble Berliner Vorstadt sollen schon in den nächsten Wochen 100 Asylbewerber ziehen. Was in vergleichbaren Vierteln für Proteste sorgt, wird in Potsdam ganz entspannt gesehen. Anwohner und Gewerbetreibende wollen ihre neuen Nachbarn willkommen heißen – Kritik gibt es jedoch an der Informationspolitik der Stadt.

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Das Haus Berliner Straße 79.

Quelle: Christel Köster

Berliner Vorstadt. 100 Asylsuchende ziehen voraussichtlich im Oktober in die Berliner Vorstadt. In einem leerstehenden, bisher gewerblich genutzten Gebäude in der Berliner Straße 79 richtet die Stadtverwaltung momentan eine Gemeinschaftsunterkunft ein. Die Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) erwartet im noblen Villenviertel „keine schwierigen Reaktionen“, sie kündigte an, die bisher erfolgreich verlaufene Informationspolitik mit Bürgerversammlungen und Briefen an die Anwohner fortzuführen. „Bisher haben wir es noch überall geschafft, eine positive Grundstimmung zu erzeugen“, so die Dezernentin. Um das künftige Heim vor etwaigen Anschlägen zu schützen, wird es – genau wie alle anderen geplanten Unterkünfte im Stadtgebiet – schon jetzt rund um die Uhr bewacht. „Das bleibt natürlich auch so, wenn es bewohnt ist. Die Sicherheitsdienste sind dann auch Ansprechpartner für die Anwohner. Das hilft ungemein“, sagt Müller-Preinesberger.

Positive Reaktionen aus dem Villenviertel

In der Berliner Vorstadt zeigen sich Anwohner und Geschäftstreibende derweil ihren neuen Nachbarn gegenüber aufgeschlossen. Christian Heinze, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Berliner Vorstadt, sagt: „Ich persönlich begrüße diese neue Unterkunft im Viertel.“ Heinze kritisiert allerdings, dass die Verwaltung nicht zuerst die Bürger informiert habe. „Ich habe am Donnerstag in der Zeitung gelesen, dass die Menschen hier herkommen. Es wäre schöner gewesen, wenn die Stadt sich direkt an die Menschen hier gewandt hätte“, so Heinze. Er kann sich vorstellen, den Asylsuchenden gemeinsam mit dem Verein Berliner Vorstadt zu helfen. Allerdings müsse dafür zunächst eine gemeinsame Position der Mitglieder gefunden werden; für eine Erklärung des Vereinsvorstands sei es, so Christian Heinze, noch zu früh.

Die Villa Schöningen liegt direkt gegenüber der geplanten Unterkunft. Die historische Villa zeigt international beachtete Kunstausstellungen und ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft. „Meine Mitarbeiterinnen und ich finden eine Unterbringung von Asylsuchenden in unserer Nachbarschaft richtig gut“, sagt die Leiterin der Villa Schöningen, Ina Grätz. „Wenn das Gebäude in der Berliner Straße 79 für eine solche Unterbringung geeignet ist, dann soll es auch so genutzt werden!“ Auch direkte Hilfe für geflüchtete Menschen bietet Ina Grätz an: „Natürlich haben Flüchtlinge zunächst andere Prioritäten, als eine Ausstellung zu besuchen. Wenn sie das wollen, dann wird das selbstverständlich möglich sein. Ansonsten werden wir gern Hilfe geben, wenn wir wissen, was gebraucht wird.“

Notfallunterkunft in Groß Glienicke

Für eine verbesserte Verteilung von Sachspenden stellte Sozialdezernentin Müller-Preinesberger am Mittwochabend ein Modell vor, bei dem Asylbewerber in einer zentralen Spendenstelle arbeiten.

Jakobs fordert Ausschuss von den Stadtverordneten

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) fordert von den Stadtverordneten einen zeitweiligen Flüchtlingsausschuss. Dort sollen Mitglieder aller Fraktionen zusammenarbeiten. Jakobs hofft, so alle Stadtverordneten unkompliziert informieren und in Entscheidungsprozesse einbinden zu können.


Zugestimmt hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am Mittwoch der Schaffung neuer Stellen in der Verwaltung. Im Jahr 2016 gibt es demnach 19, im Jahr 2017 noch einmal 13 neue Stellen in den Ämtern. Das zusätzliche Personal wird benötigt, um die Aufgaben bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen erfüllen zu können.

Das Jugendamt bereitet sich auf eine Gesetzesänderung vor. Demnach werden mehr minderjährige Flüchtlinge erwartet, die allein in Potsdam ankommen.


Die vielen Maßnahmen für Flüchtlinge können momentan noch aus dem geplanten Haushalt gestemmt werden. Für 2015 sind 13,9 Millionen Euro vorgesehen, für das Jahr 2016 sind 20,9 Millionen Euro geplant. Ungefähr ein Drittel der Summe muss Potsdam selbst aufbringen.


Das achte Potsdamer Fest für Toleranz findet am 19. September in Groß Glienicke statt. Unter dem Motto „Grenzen überwinden – Gemeinsam Zukunft gestalten“ sind alle Bürger eingeladen, für ein tolerantes und friedliches Miteinander einzutreten. pop

Mit der Unterbringung von Asylsuchenden in der Berliner Vorstadt bleibt die Stadtverwaltung ihrer Maxime in Fragen der Unterbringung von Asylsuchenden treu. Demnach werden geflüchtete Menschen dezentral im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Ballungsräume von Flüchtlingen sollen vermieden werden, was gleichzeitig die Akzeptanz der Bürger erhöht und die Integration der Migranten erleichtert. Abrücken musste die Stadt angesichts der weiterhin hohen Flüchtlingszahlen allerdings von der Maßgabe, keine Sammelunterkünfte in Turnhallen einzurichten. Die Preußenhalle in Groß Glienicke ist, wie die MAZ berichtete, dafür vorbereitet worden, bis zu 100 Menschen als Notunterkunft zu dienen. Die Unterkunft in der maroden Halle soll aber nur im äußersten Notfall belegt werden.

Von Saskia Popp

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