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Flüchtlingshilfe direkt an der Grenze

Potsdamer „Refugee Support“ hilft vor Ort Flüchtlingshilfe direkt an der Grenze

Um Flüchtlinge auf ihrer Reise zu versorgen, ist eine Gruppe Potsdamer nach Serbien aufgebrochen. Mit drei Transportern voller Geld- und Sachspenden versuchen sie, den Menschen zu helfen. Im Internet berichtet die Gruppe täglich von ihren Erlebnissen und den Zuständen vor Ort.

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Tausende Menschen warten in Preševo darauf, die Grenze von Mazedonien nach Serbien passieren zu dürfen.

Quelle: David Kaupp

Potsdam. Die Hilfsbereitschaft in den Potsdamer Flüchtlingsunterkünften in Potsdam ist ungebrochen. Aber eine Gruppe von Helfern ist jetzt auf eigene Faust an die Grenze von Serbien und Mazedonien gereist, um Flüchtlingen noch vor ihrer Einreise in die Europäische Union zu helfen. „Ich hatte von den grausamen Bedingungen gehört und meine Motivation ist es dort zu helfen, wo menschliche Ressourcen gebraucht werden“, sagt der 21-jährige Christian, Student an der Universität Potsdam.

Die Gruppe, die sich „Refugee Support“ nennt, hatte seit Mitte Oktober Geld und Sachspenden gesammelt. Insgesamt elf Menschen sind schließlich mit drei randvoll gepackten Transportern vor knapp zwei Wochen aufgebrochen. Fünf davon kommen aus Potsdam, weitere aus Halle, Jena, Leipzig und Berlin, wo ebenfalls für die Fahrt gesammelt wurde. „Wir haben vor allem Kleidung für Kinder und Schuhe dabei, außerdem Decken, Medikamente und Hygieneartikel“, erzählt Christian. Auf einem Blog und auf Twitter veröffentlicht die Gruppe seit ihrer Abfahrt, was sie auf der Fahrt und vor Ort erlebt. Die Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Der serbische Zoll verzögerte die Einreise. „Man hat dort schlechte Erfahrungen gemacht mit Leuten, die Spenden nicht einfach ausgegeben, sondern verkauft haben.“

Das Blog und der Twitter-Account der Aktion

Unter dem Titel „Refugee Support“ berichtet die Gruppe von Studenten aus Potsdam und anderen deutschen Städten im Internet unter der Adresse „ refsupport.blogsport.eu“ von ihrer Reise zu den Flüchtlingslagern auf dem Balkan.

Auf dem Nachrichtendienst Twitter veröffentlicht sie unter dem Namen „@refugee_supp“ in kurzen Abständen immer wieder Bilder und Eindrücke.

Ihr Ziel ist es den, die wartenden Menschen vor Ort mit warmen Essen, Tee und Sachspenden zu versorgen.

Nach drei Tagen erreichen sie die kleine Stadt Preševo an serbisch-mazedonischen Grenze. „Die Situation hier ist sehr chaotisch. Es gibt eine kilometerlange Menschenschlange und die Flüchtlinge warten viele Stunden darauf, um registriert und ins Land gelassen zu werden“, sagt Christian. In einer einzigen Nacht kamen bestimmt 15 000 Menschen dort an, schätzt er. „Die Polizei spricht kein Englisch, die Flüchtlinge werden angeschrien. Wir versuchen dann zu vermitteln, was von beiden Seiten dankbar angenommen wird“, erzählt er.

Sie haben sich Zelte mitgebracht und sorgen als erstes für etwas Sauberkeit in der Umgebung, denn überall liegen Berge von Müll und die Flüchtlinge haben keine andere Wahl als sich dazwischen zu setzen. Anschließend beginnen sie mit der Versorgung der Wartenden. Mit einem mobilen Teekocher wollen sie den Menschen in der nassen Kälte etwas Gutes tun. Außerdem geben sie Bananen und gekochte Eier aus. Das Verteilen von Suppe und anderen warmen Gerichten wird ihnen jedoch von der Polizei vor Ort verboten. Nach einigen Tagen haben sie eine regelmäßige Brotlieferung organisiert und schmieren hunderte Sandwiches .

Für rund 1000 Euro kaufen die Helfer jeden Tag Lebensmittel und verteilen sie in der Schlange. Mehr als 6000 Euro haben sie bereits ausgegeben. „Mittlerweile haben wir alle unser eigenes Geld hineingesteckt“, sagt Christian. Mit einer WLAN-Station ermöglichen sie den Flüchtlingen außerdem Internetzugriff. Sie selbst halten dadurch Kontakt nach Potsdam. Eigentlich wollte „Refugee Support“ bereits auf dem Rückweg nach Deutschland sein. Aus den Blog-Einträgen spricht bereits Erschöpfung, aber auch der Wille, weiter zu helfen und den Menschen in Deutschland eine Vorstellung der Situation zu geben. „Was ich hier erlebe, geht mir emotional sehr nahe. Ich habe Angst, was im Winter in dieser Warteschlange passiert“, sagt Christian.

Von Peter Degener

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