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Foodsharing rettet Lebensmittel vor der Mülltonne

Öffentliche Kühlschränke in Potsdam Foodsharing rettet Lebensmittel vor der Mülltonne

Die Initiative „Foodsharing“ sammelt mithilfe von 330 ehrenamtlichen Lebensmittelrettern übrig gebliebenes Essen von 20 Potsdamer Unternehmen ein. An drei Standorten in Potsdam können auch Privatleute Lebensmittel in sogenannten „Fair-Teiler“ Stationen, also öffentlichen Kühlschränken und Regalen, weitergeben.

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Foodsharing-Botschafter Paavo Günther vor einer „Fair-Teiler“-Station.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Paavo Günther hat einen Smoothie gemacht – aus Pampelmuse und Salat. Ein Mixer sei das „Must-Have“ eines Lebensmittelretters, meint der 31-Jährige lächelnd und nimmt einen Schluck aus dem blauen Becher.

Er ist einer von vier Botschaftern aus der Region Potsdam von dem im Dezember 2012 gegründeten und bundesweit aktiven Verein „Foodsharing“. Das Motto der gemeinnützigen Initiative: „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“. Denn jedes Jahr werden laut Berechnungen der Umweltorganisation WWF in Deutschland rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt. Das sind 313 Kilo Essen, die jede Sekunde im Müll landen.

Bereits 54 Tonnen Lebensmittel gerettet

Rund 330 sogenannte Foodsaver, also ehrenamtliche Lebensmittelretter, sind in Potsdam derzeit unterwegs und sammeln übrig gebliebenes Essen von 20 Potsdamer Unternehmen ein – darunter die vier Bio-Company-Unternehmen, einige Bäcker, die Tafel sowie einzelne Händler von den Wochenmärkten am Bassin- oder Weberplatz. Vor allem Lebensmittel wie Brot, Gebäck, Obst und Gemüse werden häufig gerettet. Das Essen darf dann selbst verzehrt werden oder weiterverteilt werden. Allein in Potsdam wurden seit Beginn der Bewegung Anfang 2015 bereits 54 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll bewahrt.

Obst und Gemüse kann häufig gerettet werden und wird gern mit einem Mixer weiterverarbeitet

Obst und Gemüse kann häufig gerettet werden und wird gern mit einem Mixer weiterverarbeitet.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Wer auch Abholer werden möchte, muss sich auf der Plattform ( www.foodsharing.de) registrieren und einen digitalen Haftungsausschuss unterschreiben. Denn es gilt: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das sei auch für die Unternehmen sicher. „Damit sind die Unternehmen aus der Haftung raus“, erklärt Günther. Zudem müssen die Essensretter ein etwa zwei- bis dreistündiges Quiz absolvieren und an zwei bis drei Einführungsabholungen mit einem erfahrenen Essensretter teilnehmen. „Das Quiz ist quasi die erste Hürde, um zu testen, ob es den Menschen ernst ist,“ sagt der selbstständige Schlagzeuger, der 2015 aus Berlin nach Potsdam gezogen ist. Denn in der Vergangenheit seien einige Abholer unzuverlässig gewesen. Für Unternehmen sei es eine einfache Sache. „Klar geht es auch darum, Gutes zu tun. Aber es ist für sie vor allem auch ein wirtschaftlicher Anreiz – sie sparen dadurch die teuren Entsorgungskosten,“ weiß Günther. Die Initiative möchte Lebensmittelverschwendung reduzieren und gleichzeitig aufklären. „Essen kann ein guter Einstieg sein, Leuten einen bewussteren Umgang mit der Welt zu vermitteln,“ sagt Paavo Günther.

Drei öffentliche Kühlschränke in Potsdam

Auch Privatpersonen können in Potsdam Lebensmittel retten – in sogenannten „Fair-Teilern“. Das sind öffentliche Kühlschränke und Regale, die jeder befüllen oder sich daraus etwas holen kann. „Dadurch wird einerseits die Verschwendung in Privathaushalten reduziert und andererseits ist ein anonymes Abholen ohne Stigmatisierung für Bedürftige und andere möglich,“ schreiben die Verantwortlichen auf der Plattform „Foodsharing“. Natürlich alles kostenfrei. Wer möchte, darf aber etwas spenden.

In Potsdam gibt es aktuell drei solcher „Fair-Teiler“: in Golm, Babelsberg und in Potsdam-West. An jedem Kühlschrank hängt ein übersichtliches Regelwerk zu Hygienemaßnahmen und Lagerung. Oberste Regel: „Nichts an andere weitergeben, was man selbst nicht mehr essen würde.“ Das würde in der Praxis aber sehr gut laufen, erzählt Günther. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand schlechte Sachen weitergegeben hat – die Leute haben ein gutes Gespür dafür.“ Schnell Verderbliches wie Fisch oder Lebensmittel, bei denen das Verbrauchsdatum abgelaufen ist, sind nicht erlaubt. 70 bis 80 Prozent der Essensretter seien Studenten, darunter auch viele, die sich auch in ihren Studienfächern damit beschäftigen und „sehr reflektiert sind“, so Günther. Es seien aber auch normale Arbeitnehmer, Arbeitssuchende – Jung und Alt – mit dabei.

Zudem können die Menschen privat ihre Lebensmittel über die Website anbieten oder annehmen – durch sogenannte Essenskörbe. Hier kann jeder Nutzer einstellen, was, wo geteilt wird und bis wann es abgeholt werden soll. Aktuell verschenkt jemand eine Trinkschokolade in Babelsberg. „Leider schmeckt es meiner Tochter nicht,“ schreibt der Nutzer. Das Interesse am Foodsharing ist groß. „Die Initiative ist in den letzten Jahren exponentiell gewachsen,“ sagt Paavo Günther. Und auch in Zukunft möchte sich die Bewegung noch weiter vergrößern – und noch mehr Lebensmittel retten.

Wie die Initiative „Foodsharing“ sich entwickelte

Gründer von „Foodsharing“ ist Valentin Thurn, Regisseur der 2010 erschienen Doku „Taste the Waste“.

Am 12. Dezember 2012 wurde foodsharing.de als Plattform gestartet.

Parallel dazu rettete Umweltaktivist Raphael Fellmer ab Sommer 2011 Lebensmittel aus den Tonnen verschiedener Bio-Supermärkte in Berlin und kooperierte schnell mit der „Bio-Company“.

Im Dezember 2014 verschmolzen seine
Plattform lebensmittelretten.de mit foodsharing.de. Seitdem sind die beiden Ideen,Lebensmittel retten und teilen, miteinander verbunden.

Von Anne Knappe

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