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Potsdam Krieg und Frieden auf Bildern aus Beirut
Lokales Potsdam Krieg und Frieden auf Bildern aus Beirut
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17:34 04.02.2018
Ein Bündel Armierungsstahl schwebt über dem Häusermeer der libanesischen Hauptstadt am Mittelmeer. Quelle: Marwan Tahtah
Innenstadt

Innerhalb weniger Minuten füllte sich am Freitagabend die eben noch leere ae-Galerie in der Charlottenstraße und es wurde schlagartig eng und laut. Auch das nun schon siebente Städteporträt einer Nahost-Foto-Reihe der Galerie zog Publikum aus Potsdam und Berlin an, denn ein wenig betreibt die Galeristin Angelika Euchner auch Aufklärungsarbeit in Sachen Nahost. Nach Städten wie Istanbul, Kairo, Damaskus, Palästinenserstädten und dem syrischen Kobane zeigt sie nun also aktuelle Fotos aus der libanesischen Metropole an der Levanteküste.

„Levant“ bezeichnete im Mittelfranzösischen den Sonnenaufgang und tatsächlich wurde Beirut in seiner tausende Jahre alten Geschichte nicht nur von unzähligen kriegerischen Verwüstungen heimgesucht, sondern anschließend auch immer wieder aufgebaut. Der letzte Bürgerkrieg wütete von 1975-1990, wobei sich die Frontlinie quer durch die Innenstadt zog. Ein halbes Dutzend Fotografen dokumentiert nun den aktuellen Befund des gigantischen Wiederaufbaus und belegt die noch allgegenwärtigen Kriegsschäden der Stadt. Kernstück der Ausstellung sind die Arbeiten des 1981 in Beirut geboren und dort immer noch lebenden Fotografen Marvan Tahtah.

Einige Künstler lebten über mehrere Jahre in Beirut

Seine Fotos zeigen nicht nur Momentaufnahmen des Alltags in Beirut und den Flüchtlingslagern sondern auch Bilder aus der Vogelperspektive. Auf zwei Bildern sind Hochhaustürme zu sehen, wie wir sie aus New York kennen. Auf einem liegt die Skyline Beiruts in grauem Nebel und ein riesiges Bündel von Armierungsstahl wölbt sich, an Kranseilen schwebend, wie ein düsterer Regenbogen über dem horizontlosen Häusermeer.

Die in der Gemeinde Seddiner See lebende Fotografin K.T. Blumberg kontrastiert auf ihrem Bild ebenerdig die mächtige, Ocker leuchtende Al Omari-Moschee neben einem gewaltigen ausgebrannten Betonbunker. Dabei wirken zwei drohend spitze Minarette wie in den Himmel ragende Raketengeschosse. Der in Neuenhagen bei Berlin wohnende Bildhauer Ernst J. Petras und seine Frau Kathi Sarue lebten von 2009 bis 2011 in Beirut. Einige ihrer Arbeiten wirken wie Häuserporträts, andere dokumentieren den Überlebenswillen und das Improvisationstalent der Beiruter. Ein Kunstwerk aus hunderten Ölfässern und Warenkisten türmt sich auf einem überladenen verrosteten Kleintransporter und der staunende Mitteleuropäer fragt sich besorgt, ob dieses Gefährt tatsächlich jemals gefahren ist. Solche Bilder dokumentieren Geschäftigkeit und gelegentlich sogar Gelassenheit. Dabei macht es scheinbar keinen Unterschied, ob Menschen über den makellosen Sandstrand spazieren oder aus einem der Innenstadtcafés kommen.

Hochpolitische und ganz besondere Bilder

Uwe Toppers Foto von Flaneuren vor dem Grand Cafe birgt aber eine Besonderheit. Die schneeweiße Fußspur auf dem Boden dokumentiert die letzten Schritte des 2005 ermordeten Präsidenten Rafik Hariri bevor er und 22 Begleiter aus dem Leben gebombt wurden. Hochpolitisch auch das Wandbild eines namenlosen Straßenkünstlers, das die Galeristin fotografierte. Es zeigt, in pechschwarzer Schablonentechnik, einen Polizisten, der auf einen am Boden liegenden Demonstranten einprügelt. Darüber steht in englischer Sprache: „Es ist gefährlich Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat.“ Der Spruch ist weltweit richtig.

Info: „Beirut – Bilder der Extreme“, bis 9. März in der ae-Galerie in der Charlottenstraße 13 in Potsdam. Geöffnet Mittwoch bis Freitag (15-19 Uhr), sowie am Sonnabend (12-16 Uhr).

Von Lothar Krone

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