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Fotoschätze aus ferner Zeit

Rolf-Werner Rygoll öffnet für die Ausstellung "Kindheitsbilder" sein Familienalbum Fotoschätze aus ferner Zeit

Flotter Dreier, der da angedüst kommt. In der Neuen Königsstraße (heute Berliner Straße) der Residenzstadt Potsdam. Standesgemäß auf einer brandheißen Maschine aus den Brandenburger Brennabor-Werken.

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Heißer Ofen: Rolf-Werner Rygoll mit einem Foto seiner Urgroßeltern und Tochter Margot in einer Brennabor-Maschine.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Denn der Pilot, Willy Hanel, war schließlich Inhaber einer Fahrrad- und Motorradhandlung in einem der Holländerhäuser in der Kurfürstenstraße. Im Seitenwagen sitzen seine beiden Damen: Gattin Pauline, einen Seidenschal um den Hut geschlungen, damit der Fahrtwind das Prachtstück nicht wegweht, und vor ihr Tochter Margot.

"Das muss um 1908 gewesen sein", sagt Rolf-Werner Rygoll. "Die Kleine ist meine Oma und ungefähr vier Jahre alt." Der 65-Jährige sitzt in seinem "Preußenzimmer" in einer neuen Einfamilienhaus-Siedlung im Kirchsteigfeld, das er mit Lebensgefährtin Heidrun Amft eingerichtet hat. An den Wänden hängen Potsdam-Veduten, in den Regalen stehen Potsdam-Bücher und Foto-Alben mit historischen Aufnahmen der Familie, die seit vier Generationen in der Stadt zu Hause ist. In einem klebte das Foto der Urgroßeltern auf dem Motorrad. Das wäre doch was für die Sonderausstellung "Kindheitsbilder. Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848" dachte Rygoll und meldete sich bei Kurator Peter Walther. "Wir haben uns getroffen und ich zeigte ihm meine Schätze." Das Foto ist ab 26. Juli im Kutschstall zu sehen.

Familie in Pritzwalk, Aufnahme um 1920

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Oma Margot liebte die Kunst und ließ sich vom Potsdamer Maler Heinrich Basedow ausbilden. Ihr großer Friedrich in Öl zeugt von einigem Talent. Geschmackvoll ist auch das Pompadour-Handtäschchen aus echten venezianischen Perlen. "Ein Erbstück aus der Hanel-Familie, das vom Müller von Sanssouci stammen soll", sagt Rygoll geheimnisvoll. So jedenfalls suggeriert es ein vergilbter Zettel in dem Beutel. Margot heiratet Erwin Rygoll, einen Oberzahlmeister beim Militär. Sein Rauchservice, das auf einem Foto am Dienstsitz Hannover das Herrenzimmer ziert, steht heute im "Preußenzimmer" des Enkels.

"Oma Margots liebste Adresse war das schöne Eckhaus mit dem Türmchen gegenüber von Café Heider. Vom Balkon der Wohnung im ersten Stock hatte man einen herrlichen Blick aufs Nauener Tor", erzählt Rygoll und legt sofort die Beweisfotos vor, auf denen sein Vater Achim als junger Mann lässig mit Zigarette an der Brüstung lehnt. Der wiederum freite die hübsche Agnes Arndt, Rolf-Werners Mutter. "Im August wollen wir ihren 90. Geburtstag feiern. Die könnte Geschichten erzählen", sagt der Sohn. Zum Beispiel, wie sie ihr "Pflichtjahr", das die Nationalsozialisten 1938 eingeführt hatten, um junge Frauen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorzubereiten, bei den Schulenburgs in einer der noblen Villen am Neuen Garten absolvierte.

Ein weiterer interessanter Schnappschuss entstand in den 1930er Jahren: Margot posiert vor der Historischen Mühle von Sanssouci. Rechts ist das 1839 von Ludwig Persius entworfene Schweizerhaus zu sehen, das eines Tages rekonstruiert werden soll. Über den Fundamenten des 1945 zerstörten Wohn- und Stallgebäudes "schwebt" derzeit ein provisorischer Pavillon als Museumsshop.

Von Carola Hein

Die Exposition "Kindheitsbilder" des Brandenburgischen Literaturbüros und des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ist ab 26. Juli im Kutschstall, Am Neuen Markt 9, zu sehen.

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