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Potsdam Fragmente der Puttentreppe vom Stadtschloss gesucht
Lokales Potsdam Fragmente der Puttentreppe vom Stadtschloss gesucht
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18:19 14.01.2019
So sah die Puttentreppe vor der Zerstörung des Stadtschlosses 1945 aus. Bislang sind einfache Stahlgeländer am Landtag angebracht. Quelle: SPSG
Innenstadt

Bis 2020 soll der Landtag „ein neues Glanzlicht“ an seiner Fassade zum Steubenplatz erhalten, wie Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) sagt. Die historische Puttentreppe, ein goldglänzendes Rokoko-Geländer des Stadtschlosses aus der Zeit Friedrichs II., soll rekonstruiert werden. Ruth Cornelsen, die 90-jährige Witwe des Berliner Verlagsgründers Franz Cornelsen, spendet dafür etwa eine halbe Million Euro. „Mein Wahlspruch lautet: ,Der Vergangenheit Zukunft geben’“, sagt Cornelsen über ihr Engagement im Bereich von Baudenkmälern und Architektur.

Cornelsen hat schon mehrere Potsdamer Projekte unterstützt

Es ist die jüngste Spende ihrer Kulturstiftung nach früheren Projekten in Potsdam und seinem Umland. Schon für die Friedenskirche, die Schlösser von Caputh und Paretz, sowie zuletzt am goldenen Außengeländer des Marmorpalais hatte sie mit Hilfe ihrer Stiftung großzügig gespendet.

Stifterin Ruth Cornelsen (r.) mit Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) bei der Projektpräsentation am Montag im Landtag. Quelle: Bernd Gartenschläger

Treppen-Fragmente im Kunsthandel und ein Dachbodenfund führten zum Projekt

Das Treppenprojekt wurde erst im letzten Herbst aus der Taufe gehoben, nachdem in kurzer Folge mehrere Fragmente des vergoldeten Bronzegeländers im Kunsthandel und bei einem Dachbodenfund aufgetaucht waren. Der Potsdamer Kunsthistoriker Stefan Körner erkannte die Fragmente sofort als Teile des Treppengeländers wieder und regte gemeinsam mit dem Verein Freunde der preußischen Schlösser und Gärten die Rekonstruktion an. „Er war die Schlüsselfigur“, sagte Vereinschef Wilhelm Hornbostel am Montag bei der Präsentation des Projekts im Landtag.

Aus vergoldeter Bronze bestand das Geländer, dass unter anderem den Schwarzen Adlerorden mit dem preußischen Wahlspruch „Suum Cuique“ zeigte. Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) und der Förderverein des Stadtschlosses sind in das Projekt involviert. Denn seit der Zerstörung des Stadtschlosses 1945 lagern die Reste der neun Puttenfiguren und einige weitere Geländerteile im Depot der Stiftung. Der Stadtschlossverein, der sich vor allem um die Wiederherstellung des Figurenschmucks auf dem Dach und am Fortunaportal kümmert, übernimmt die Organisation des Projekts.

Aufruf nach weiteren Teilen zu suchen, bevor die Rekonstruktion beginnt

Auch wenn die Finanzierung durch das Engagement von Ruth Cornelsen gesichert ist und auch Landtagsarchitekt Peter Kulka sein Einverständnis schon gegeben hat, hegen die Beteiligten allerdings noch eine Hoffnung: Auf Dachböden oder in Kellern in der Region Berlin-Brandenburg schlummern vermutlich noch zahlreiche Originalteile, die in der Nachkriegszeit von der durch den Bombenangriff nicht zerstörten Puttentreppe des Stadtschlosses entwendet wurden.

„Wir haben noch nicht alles, da muss noch mehr sein und wir bitten darum, dass die Menschen sich bei uns melden“, sagt Hornbostel. Denn jetzt werde sich bald entscheiden, welche Teile ergänzt und neu gegossen werden müssen und welche als Originale eingebaut werden können. „Erst vergangenen Freitag haben wir zwei neue Stücke im Kunsthandel erwerben können“, sagt Kunsthistoriker Körner. Auch der Dirigent Christian Thielemann hat ein Fragment, dass er zuvor erworben hatte, dem Projekt zur Verfügung gestellt.

Ruth Cornelsen (3.v.l.) finanziert mit ihrer Kulturstiftung die Wiederherstellung des Geländers. Den Anstoß gab der Fund mehrerer Fragmente, die der Kunsthistoriker Stefan Körner (l.) und Wilhelm Hornbostel, Vorsitzender der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten, als Teil der Treppe erkannten. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) unterstützt die Initiative. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein Aufgang mit vielen Namen: Fahnen- Putten- oder Engelstreppe

Die Existenz der Treppe ist Friedrich Wilhelm I. zu verdanken. Der Soldatenkönig ließ 1730 eine Holztreppe als Abkürzung von seiner Schlosswohnung in den Lustgarten konstruieren, wo seine Soldaten exerzierten.

Unter seinem Nachfolger Friedrich II. wurde diese sogenannte Fahnentreppe 1746 in Stein neuerrichtet und um 1752 mit dem Rokoko-Ziergeländer von Johann Melchior Kambly geschmückt. Wegen der neun Kinderfiguren aus der Künstlerhand von Friedrich Christian Glume wurde sie fortan als Puttentreppe bezeichnet und im Volksmund auch Engelstreppe genannt. Die Putten wurden bereits im 19. Jahrhundert in Zinkguss erneuert. Sieben Figuren sind teilweise, zwei beinahe komplett erhalten.

Die Putten und das Ziergitter vor ihrer Zerstörung. Quelle: SPSG

Die Treppe galt als beliebtes Fotomotiv, bevor das Stadtschloss 1945 zerstört wurde. Am neuerrichteten Landtag hat die Treppe keinen Zweck. Die Stufen führen nicht einmal mehr auf eine Tür zu. Für die Rekonstruktion ist das ein großes Glück – denn als Verkehrsweg würde das filigrane Bronzegeländer moderne Bauvorschriften unterlaufen.

Eine Treppe ins nirgendwo. Heute ist statt einer Tür ein Fenster am Ende der Treppe. Das soll auch so bleiben. Wer hinaufsteigt kann in den Kopierraum der SPD-Fraktion kiebitzen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Peter Degener

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