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Frauen-Union nennt Pissoir-Debatte „Pipifax“

Streit um Kussmund-Urinale in Potsdam Frauen-Union nennt Pissoir-Debatte „Pipifax“

Männer, die in aufgerissene Frauenmünder urinieren - die Pissoirs der niederländischen Künstlerin Meike von Schijndel gefallen nicht jedem. Nun hängen die auffälligen Teile auch in einem Potsdamer Club. Der Frauenpolitische Rat ist empört. Und die Frauen-Union versteht die Aufregung nicht.

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Designerin Meike von Schijndel mit einem ihrer umstrittenen Urinale.

Quelle: Daan Verschuur / ED/SY

Pirschheide. Ein weit aufgerissener Mund an einem stillen Örtchen sorgt für Verstimmung unter Brandenburgs Frauenverbänden. Der Landesverband der Frauen-Union ist verärgert über den „sinnlosen Streit“ zu den Pissoirs der Designerin Meike van Schijndel im Potsdamer Club „Pirschheide“ am alten Hauptbahnhof.

„Wir sollten uns als Frauenverbände den wirklichen Herausforderungen widmen, statt uns über Pipifax aufzuregen“, erklärte die Landesvorsitzende der Frauen-Union und frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Kristy Augustin, am Dienstag. Ob ein Pissoir in Form eines offenen Frauenmundes den Angriff auf die Emanzipation der Frau darstelle, sei doch fraglich. In einem Blog-Artikel mit der Überschrift „Geschmac-klos“ hatte der Frauenpolitische Rat Brandenburg zusammen mit dem Frauenzentrum Potsdam und der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Martina Trauth-Koschnick die Club-Betreiberin Shima Engelhardt dazu aufgefordert, die „frauenverachtenden“ Pissoirs abzuhängen. Auch die Potsdamer Grünen empfinden die Urinale als diskriminierend.

Frauen-Union hält andere Probleme für wichtiger

Über Geschmack lasse sich streiten, so Kristy Augustin. „Auch was Kunst ist, liegt im Auge des Betrachters. Ob Salz-Pfeffer-Streuer als Schweinchen beim Akt, das Telefon in Form einer Toilette, es gibt kaum etwas, was es nicht gibt.“ Einen Angriff auf die Frauenrechte könne sie in den Pissoirs nicht erkennen – zumal sie von einer Frau geschaffen und von einer weiteren Frau ausgesucht worden seien. „Sollten wir uns als engagierte Frauen nicht den wirklichen Herausforderungen stellen und für Lohngleichheit, einen höheren Frauenanteil bei politischen Ämtern, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vieles mehr eintreten?“, fragt die CDU-Politikerin und kritisiert damit ihre Geschlechtsgenossinnen, die die Debatte aufgebracht haben. Auch Anja Schmollack, Sprecherin im Frauenpolitischen Rat und Vize-Landesvorsitzende der Frauen-Union, distanziert sich von dem Blog-Artikel: „Diese Diskussion ist geeignet, Frauenpolitik in ein despektierliches Licht zu rücken.“

Die niederländische Designerin will mit ihrem Urinal namens „Kisses!“ „mehr Farbe in triste Toilettenräume bringen“, heißt es auf der Internetseite eines Anbieters. Die Becken seien keinesfalls frauenfeindlich, sondern als Cartoon zu verstehen. Zu finden sind die Münder mit Zähnen nicht nur im Club „Pirschheide“ und im neuen Fitnessclub „John Reed“ im Marktcenter. Männer von Amsterdam über Prag bis Tokio pinkeln in die Keramik-Rachen. Für Debatten sorgen die Pissoirs fast überall, wo sie aufgehängt werden. 2012 befasste sich auch Alice Schwarzers feministisches Blatt „Emma“ mit den Pipivorrichtungen – und fand sie gar nicht so schlimm, sondern verstand offenbar den hintergründigen Witz der Künstlerin. Die Urinale seien ein Ziel, das Männer niemals verfehlen werden, so Meike van Schijndel. Sie dachte wohl an die Putzkräfte, die die Toiletten reinigen müssen. Und die sind – aller feministischen Debatten zum Trotz – meist weiblich.

Von Marion Kaufmann

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