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„Frauen halten länger durch“

Tinte, Trends und Tränen: Die 30-Jährige Tätowiererin Trecy Meier aus Potsdam über das richtige Motiv und Bilder, die in die Hose gingen „Frauen halten länger durch“

Als Frau in einer Männer-Domäne: Trecy Meier (30) tätowiert seit drei Jahren bei „My Own“ in Potsdam.Trecy Meier: Nein, man kann nicht sagen im Sommer oder im Winter kommen mehr Kunden – das ist sehr beständig.

chen ins Studio?

Trecy Meier: Nein, man kann nicht sagen im Sommer oder im Winter kommen mehr Kunden – das ist sehr beständig.

 

Sind neue Tattoo-Trends in Sicht?

Trecy: Ich sage immer, die Trends bleiben gleich: Die Leute lassen sich das tätowieren, was ihnen gefällt. Bei Mädchen sind das viele Blumen, bei den Jungs eher Totenköpfe. Im letzten Jahr mussten Sterne in fast jedes Motiv, das lässt jetzt sehr nach. Ein echter Trend war mal das Arschgeweih – den gibt´s zum Glück nicht mehr.

 

An welchen Stellen lassen sich gerade besonders viele tätowieren?

Trecy: Momentan ist es der Rücken. Und im Sommer wollen viele Tattoos auf dem Fuß haben. Wenn man offene Schuhe trägt, sieht’s schön aus, wenn zum Beispiel eine Blumenranke auf dem Fußrücken ist.

 

Kannst du jemandem ansehen, ob er tätowiert ist oder nicht?

Trecy: Nein, ich kenne auch keinen Tätowierer, der das kann. Bei einigen Leuten ist es schon sehr offensichtlich, bei anderen würde man es gar nicht denken. Hier kamen schon Männer mit Schlips und Anzug ins Studio, die den kompletten Rücken tätowiert hatten. Ich habe selbst schon ein Mädchen tätowiert, die bei der Bank arbeitet und entsprechend schick gekleidet hier ankam und ihr Motiv war so gar nicht typisch Mädchen. Auf den ersten Eindruck kann man sich nicht immer verlassen.

 

Warum lassen sich Menschen tätowieren?

Trecy: Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Die meisten verbinden Geschichten oder Begebenheiten mit ihren Tätowierungen und halten sie damit auf ihrer Haut fest. Oft lassen sich Eltern auch die Namen ihrer Kinder tätowieren. Das kann ich nicht verstehen. Sie wissen doch, wie ihr Kind heißt; das muss doch nicht jeder auf dem Körper lesen können. Da sollten sie sich lieber ein schönes Motiv einfallen lassen, anstatt sich mit Namen zuzupflastern.

 

Von welchen Stellen rätst du ab?

Trecy: Von den Fingerinnenseiten! Viele Stars haben das, die Kunden sehen es im Fernsehen und auf Bildern und denken ‚Oh das ist aber schön' und wollen das auch. Leider geht hier die Farbe schnell raus und das Tattoo sieht dann verwischt und nicht mehr schön aus. So ist es auch an den Fußseiten. Da kann man keine qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Deswegen tätowiere ich da niemanden.

 

Warum macht es süchtig, sich tätowieren zu lassen?

Trecy: Es ist eine schmerzhafte Sache – danach ist man stolz auf sich selbst, dass man das durchgestanden hat. Oft beschäftigt man sich dann intensiver mit Tattoos und Motiven und bekommt Ideen, was man auch haben möchte. Sicher, einige Leute sagen ‚Einmal und nie wieder', aber die meisten kehren mit neuen Wünschen zurück.

 

Die schmerzhafteste Stelle?

Trecy: Das hängt vom Empfinden der jeweiligen Person ab und ist total unterschiedlich. In der Leistengegend und am Bauch ist es zum Beispiel nicht angenehm.

Sind Männer in Tattoo-Sachen wirklich die größeren Memmen?

Trecy: Frauen halten beim Tätowieren oft länger durch. Ich hatte aber auch schon totale Mimosen, die heulend hier saßen.

 

Hast du dich schon verstochen?

Trecy: Sicher in meiner Anfangszeit. Da gibt’s Arbeiten, die ich mir heute nicht gern anschaue. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Die Leute, die sich damals freiwillig zur Verfügung gestellt haben, müssen jetzt damit leben.

 

An welche Promi-Tattoos würdest du gern mal Hand anlegen?  An Sarah Connors Finger-Tattoo und an die Sterne von Rihanna. Stern-Tattoos haben wir auch en masse gemacht, weil viele das genau so haben wollten. Ich finde, das ist keine gute Entscheidung, sich etwas stechen zu lassen, nur weil irgendein Star das hat. Jeder sollte sein individuelles Tattoo haben.

Trecy:

 

Dein ältester Kunde?

Trecy: Meine älteste Kundin wird jetzt 60. Sie ist Schamanin und kommt seit ungefähr zwei Jahren zu mir und lässt sich fast zweimal im Monat hier tätowieren.

 

Wie schätzt du die Tattoo-Szene in der Stadt ein? Können sich Potsdamer sehen lassen?

Trecy: Ja, man sieht schon einige sehr schöne Sachen! Ich würde mir aber wünschen, dass die Menschen offener in der Motivwahl werden. Einige sind das schon und lassen mir viel freie Hand, das ist toll. Aber es gibt Sachen, die habe ich schon gefühlte 600 Mal gesehen. Viele Mädchen wollen eine Lilie mit Schnörkeln und Sternen. Es gibt so viele Blumen, warum muss es immer diese Lilie sein?

 

Wann hast du dich zum ersten Mal tätowieren lassen?

Trecy: Mit 15!

 

Was hat deine Mama dazu gesagt?

Trecy: Sie hat mir sogar noch das Geld gegeben. Sie dachte, das wird etwas Kleines. Nach und nach habe ich mir aber den ganzen Rücken voll tätowieren lassen. Es ist ein Leoparden-Porträt. Eine tiefere Bedeutung hat das nicht, ich mag Leoparden einfach. Für mich müssen Tattoos auch nicht immer irgendeine Bedeutung haben, ich habe mir immer das tätowieren lassen was ich schön fand und auch immer noch schön finde.

(Interview: Friederike Steemann)

Bilder auf der Haut In Potsdam gibt es derzeit fünf verschiedene Tattoo-Studios: Den „Bodytemple“, „Beachtattoo“, „Smile and cry“, das „P1“ und „My Own“. Das „My Own“-Studio befindet sich seit November 2008 in der Lindenstraße 6. Das Team umfasst drei Tätowierer und zwei Piercer.

Tätowierungen bestehen aus Tinte, die mit Hilfe einer oder mehrerer Nadeln unter die Haut gebracht wird. In Deutschland darf man sich ab 18 Jahren, ab 16 mit Einverständnis der Eltern, tätowieren lassen. Entfernt werden können ungeliebte Tattoos durch Laserbehandlungen. stee

 

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