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Freddie Mercury und die Mülltrennung

Städtepartnerschaft mit Sansibar Freddie Mercury und die Mülltrennung

Potsdams neue Partnerstadt hat zwar einen King of Rock, aber sonst jede Menge Probleme. Müll macht zum Beispiel jede Menge Ärger. Der zentrale Festplatz wurde mit Potsdamer Hilfe attraktiver gestaltet – Mülleimer inklusive. Unweit vom Festplatz wuchs Farrokh Bulsara auf. Als Erwachsener schrieb er unter dem Namen Freddie Mercury Rockgeschichte.

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Der zentrale Festplatz Mnazi Mmoja wird mit Potsdamer Hilfe attraktiver gestaltet.
 

Quelle: Cordine lippert/LHP

Potsdam/Sansibar-Stadt.  „We are the champions, my friends/No time for losers“, sang einst Freddie Mercury, Rocklegende, Paradiesvogel und Mitbegründer der Band Queen: „Wir sind die Champions, meine Freunde/keine Zeit für Verlierer“. Diese Liedzeilen passen auch gut auf die neue Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar-Stadt, die bei einer Reise einer Potsdamer Delegation rund um Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) vom 10. bis 15. Juli noch einmal besiegelt werden soll. Verlierer gibt es dabei keine; beide Seiten profitieren. Eines der wichtigen Themen der nächsten Jahre wird das prima Klima sein – im Rahmen der Partnerschaft soll es auch um ökologische Anliegen gehen.

 Ein weiteres verbindendes Element ist die royale Vergangenheit. Doch während in Potsdam die Preußen das Zepter schwangen, kann Sansibar-Stadt sich rühmen, die Wiege eines King of Rock zu sein.

Freddie Mercury

Freddie Mercury.

Quelle: dpa

 Dessen Geburtsurkunde findet sich heute noch im Internet. Das Dokument – ausgestellt am 5. September 1946 von der sansibarischen Regierung – vermeldet die Ankunft von Farrokh Bulsara, Sohn eines indischstämmigen Angestellten der britischen Botschaft. Schon im Grundschulalter wurde Farrokh auf ein Internat in Indien geschickt. Dort fiel zum ersten Mal das musikalische Talent des kleinen Freddie, wie ihn seine Freunde nannten, auf.

Das Geburtshaus von Freddie Mercury

Das Geburtshaus von Freddie Mercury.

Quelle: privat

Es folgten eine Schülerband, die Übersiedlung nach London, ein Kunststudium, immer noch viel Musik – und irgendwann der Durchbruch: 1970 gründete Freddie die Band „Queen“, ein Jahr später legte er sich den Künstlernamen Mercury zu. In der Altstadt von Sansibar-Stadt zählt das bescheidene Geburtshaus des späteren Stars mittlerweile zu den beliebten Fotomotiven der Touristen. Die steile Karriere des 1991 an Aids gestorbenen Musikers mutet wie ein modernes Märchen aus 1001 Nacht an.

Blick auf die Altstadt von Sansibar-Stadt

Blick auf die Altstadt von Sansibar-Stadt.

Quelle: Archiv

Dass aber längst nicht alles auf Sansibar märchenhaft ist, weiß Cordine Lippert aus eigenem Erleben nur zu gut. Die Leiterin der Klimaschutz-Koordinierungsstelle im Rathaus hat die Zusammenarbeit mit der Inselhauptstadt mit angebahnt. Auch wenn das Meer dort super-türkis ist und der Himmel auf den Postkarten meist wolkenlos, sieht die Realität viel weniger paradiesisch aus. Überschwemmungen sind ein Teil des Problems; der andere Teil ist die mangelhafte Infrastruktur.

 Nicht weit von der Altstadt Stone Town, wo Farrokh Bulsara aufwuchs, liegt der zentrale Festplatz Mnazi Mmoja. „Der Name bedeutet ,Eine Palme’“, erläutert Cordine Lippert. Ob zum Fußballspielen oder zur großen Feier des Fastenbrechens am Ende des Ramadan – hier herrscht gute Stimmung. Dass der Platz ein bisschen wie eine Wanne geformt ist, liegt nicht an einer übermütigen Laune des Architekten, sondern daran, dass sich früher hier eine Lagune befand. Weil das Abflusssystem nicht richtig funktioniert, steht der Mnazi Mmoja Ground oft unter Wasser. Mittlerweile kümmert sich sogar die Weltbank um das Problem. Aber auch Potsdam hat eine Aktie an der Entwicklung des Platzes.

In der Nähe des Festplatzes liegt das Meer-

In der Nähe des Festplatzes liegt das Meer-

Quelle: Archivi

Die Landeshauptstadt ist eine von 50 Kommunen in Deutschland, die Bundesförderungen für eine Klimapartnerschaft bekommen. „Es geht darum, partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen, ein Handlungsprogramm zu Klimaschutzmaßnahmen zu erstellen und dieses gemeinsam umzusetzen“, erläutert Cordine Lippert. Mit 60 000 Euro, die zum Großteil aus einem Programm des Entwicklungshilfeministeriums stammen, konnte konkrete umweltpolitische Hilfe geleistet werden. Solarlaternen, Bäume, Bänke und Abfallbehälter sollen den Eine-Palme-Platz attraktiver gestalten.

Beratung zu Fördermöglichkeiten

Cordine Lippert ist die Leiterin der Koordinierungsstelle Klimaschutz im Rathaus.

Die Koordinierungsstelle Klimaschutz ist der Ansprechpartner zum Klimaschutz in Potsdam. Sie informiert über mögliche Maßnahmen, vernetzt die verschiedenen Partner, berät zu Fördermöglichkeiten, initiiert und organisiert Teilnahmen an Wettbewerben und Kampagnen.

Weitere Projekte sind die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts 2010, die Aufstellung des Masterplans „Hundert Prozent Klimaschutz 2050“, das CO 2-Monitoring und die Klimapartnerschaft mit Sansibar-Stadt.

Manches ist für europäische Augen gewöhnungsbedürftig. Hübsche Holzbänke mit Rückenlehnen sind auf Sansibar nicht gefragt. Stattdessen erfreut man sich an Steinbänken, die wie riesige Tischplatten aussehen. Sie sind witterungsbeständiger und bieten Platz für Gruppen-Geplauder. Dass sich die Sansibaris dabei über Ökothemen wie Mülltrennung austauschen, ist jedoch unwahrscheinlich. Auch die sorgsam aufgestellten Abfalleimer halten viele eher für eine nette Deko als für eine sinnvolle Sache. Deshalb ist im Rahmen der Städtepartnerschaftsreise ein Müll-Nachhilfeseminar im Plattenbauviertel Kikwajuni eingeplant. Frei nach dem Motto: We are the champions – auch bei der Sauberkeit.

Cordine Lippert

Cordine Lippert.

Quelle: privat

Von Ildiko Röd

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