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Potsdam Investor präsentiert Modell mit freiem Blick aufs „Minsk“
Lokales Potsdam Investor präsentiert Modell mit freiem Blick aufs „Minsk“
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16:22 15.05.2018
Blick von der Heinrich-Mann-Allee zum „Minsk“ im überarbeiteten Entwurf von Jan Kretzschmar Quelle: KW Development
Potsdam/Südliche Innenstadt

Die Kritik von Stadtwerke-Geschäftsführer Horst Müller-Zinsius am Entwurf von Jan Kretzschmar für den Brauhausberg war knapp: „Das ,Minsk’ wird nicht zu sehen sein.“ Kretzschmars KW Development war unter 33 Bewerbern die einzige Gesellschaft, die eine wirtschaftliche Variante unter Berücksichtigung des früheren Terrassenrestaurants einreichte. Wermutstropfen: Der DDR-Bau würde hinter Wohnhäusern verschwinden.

Nun hat der Investor nachgebessert: Nach seinem der MAZ vorliegenden neuen Entwurf wäre das „Minsk“ von der Heinrich-Mann-Allee aus der Talperspektive gut zu sehen. Bedingung dafür wäre ein Ausgleich von Baumasse an anderer Stelle: „Wenn ich auf der anderen Seite zwei Meter höher bauen kann, ist ein freier Blick auf das ,Minsk’ möglich“, sagt Kretzschmar.

Die Plankorrektur ist ein wichtiges Argument in der anstehenden letzten Runde zur Zukunft des „Minsk“. Der Hauptausschuss berät am Mittwoch über mehrere Anträge, die allesamt das Ziel verfolgen, dem „Minsk“ eine Chance zu geben. Das Votum gilt als wichtige Vorentscheidung für die Beschlüsse, die voraussichtlich am 6. Juni in der nächsten Stadtverordnetensitzung verabschiedet werden.

Luftperspektive des überarbeiteten Entwurfs. Quelle: KW Development

Ausgangspunkt der laufenden Debatte war das Ergebnis der Ausschreibung. Der mit 27 Millionen Euro Höchstbietende will die in drei Losen ausgeschriebenen Grundstücke an der Max-Planck-Straße komplett mit Wohnhäusern bebauen. Die Kritiker fordern Klasse statt Masse und den Verzicht auf das Höchstgebot. Grundsätzlich fiel ihnen auf, dass die Ausschreibung ausgerechnet auf dem Grundstück des „Minsk“ die größten Baumassen zuließ, ein Erhalt des Gebäudes statt des Abrisses zugunsten neuer Bauten also zusätzlich kostet.

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg verweist auch darauf, dass ursprünglich mit einem Verkaufserlös von sechs Millionen Euro gerechnet worden sei. Der Potsdamer Kretzschmar hatte nach Angaben von Stadtwerke-Chef Müller-Zinsius zunächst 8,7 Million Euro geboten und dann auf 12,7 Millionen Euro erhöht.

Linke und Andere haben nun beantragt, dass die Vergabe der Grundstücke neu aufgerollt wird und dabei nicht mehr komplett, sondern in den drei Einzellosen erfolgt. Dabei solle „gesichert werden, dass mit der Vergabe des Loses 2 das Gebäude des ,Minsk’ erhalten und mit seiner Fassade ... erlebbar bleibt“.

Aktueller Blick zum Brauhausberg, die Ruine des „Minsk“ ist hinter Bäumen verschwunden. Quelle: Bernd Gartenschläger

Mit den einzelnen Bietern sollen laut Antrag Gespräche zum Erhalt des „Minsk“ aufgenommen werden. Mit dem Gesamterlös aus dem Verkauf der drei Einzelgrundstücke sei „in jedem Fall zu sichern“, dass die „ursprünglich geplanten sechs Millionen Euro“ sowie seit 2014 entstandene Mehrkosten für das neue Freizeitbad blu ausgeglichen werden können.

Die Grünen haben dazu einen Änderungsantrag eingebracht, der die einzelnen Schritte weiter präzisieren soll. Der erste Punkt betrifft die Verankerung des „Minsk“ als Baukörper im Bebauungsplan. Aktuell ist laut B-Plan beides möglich: Abriss und Erhalt.

In einem zweiten Punkt soll die Ausschreibung ohne das Grundstück des „Minsk“ wiederholt werden. Mehreinnahmen aus dem Grundstücksverkauf, die nicht für die Refinanzierung des Badneubaus und der Zusatzkosten benötigt werden, sollen laut Grünen-Antrag in den Erhalt des „Minsk“ fließen.

Das Brauhausberg-Ensemble um 1980. Quelle: Archiv

Eine erste Orientierung für die anfallenden Sanierungskosten gibt das Gebot des Landessportbundes, der das „Minsk“ 2015 für 1,5 Millionen Euro von den Stadtwerken erwerben und mit 3,5 Millionen Euro zur sportbetonten Kindertagesstätte mit 220 Plätzen umbauen wollte. Die Stadt lehnte ab, weil es in Potsdam keinen Bedarf an einer Kita in dieser Größenordnung gebe.

Die Anträge von Linken, Anderen und Grünen sorgten schon mehrfach für kommunalpolitisches Armdrücken. In der April-Sitzung der Stadtverordneten sollten sie zunächst mit Verweis auf schützenswerte private Interessen im nichtöffentlichen Teil behandelt werden. Mit der Beschränkung auf grundsätzliche Fragen wurden sie dann jedoch im öffentlichen Teil aufgerufen und in die Ausschüsse überwiesen.

Der Hauptausschuss vertagte gegen die dringende Empfehlung von Oberbürgermeiste Jann Jakobs (SPD), weil man das Votum des Bauausschusses als Fachgremium abwarten wollte. Dessen Mitglieder stimmten Ende April knapp mit vier zu drei Stimmen gegen die Anträge.

Der Streit um das „Minsk

Das Terrassenrestaurant „Minskwird zwischen 1971 und 1977 nach einem Entwurf des Architekten Karl-Heinz Birkholz weithin sichtbar am Nordhang des Brauhausbergs errichtet. Das nach der Wende privatisierte Restaurant muss 2000 schließen.

2005 wird das Areal am Brauhausberg mitsamt der Ruine des „Minsk“ an die Stadtwerke übertragen, die dort nach einem Entwurf von Star-Architekt Oskar Niemeyer ein Schwimmbad in einer Kuppellandschaft bauen wollen. Das Spaßbad-Projekt scheitert.

2009 legen die Architekten Krier und Kohl einen Masterplan für den Brauhausberg vor. Geplant sind eine dichte Wohnbebauung und der Abriss des „Minsk“ und der benachbarten Schwimmhalle. Gegen den Masterplan formiert sich Bürgerprotest.

2004 und 2011 scheitern Initiativen auf Denkmalschutz für das „Minsk“ und die benachbarte DDR-Schwimmhalle am Landesamt für Denkmalpflege. Zum „Minsk“ verweist die Behörde in ihrer Ablehnung 2011 auch auf Schäden durch Leerstand und Vandalismus.

Mehrfach gibt es politische Vorstöße zur Rettung des „Minsk“ unter anderem von Linken, Anderen, Grünen und Bürgerbündnis/FDP. 2015 plädiert die sonst dem Barock verpflichtete Initiative Mitteschön erstmals für den Erhalt.

2015 scheitert der Landessportbund in einem Interessenbekundungsverfahren, der das „Minsk“ als Höchstbietender sanieren und zur Kita mit 220 Plätzen umbauen möchte. Die Stadt sieht keinen Bedarf für zusätzliche Kita-Plätze.

2017 schreiben die Stadtwerke die Flächen am Brauhausberg in drei Losen zum Verkauf aus. Sechs Millionen Euro sollen für die Refinanzierung des neuen Freizeitbades blu fließen. Das Ergebnis der Ausschreibung: 33 Interessenten, das Höchstgebot liegt bei 27 Millionen Euro, nur zwei der Bewerber wollen das „Minsk“ erhalten.

Im April 2018 stellen Linke, Andere und Grüne Anträge mit dem Ziel, auf das Höchstgebot zu verzichten und das „Minsk“ über Änderungen im laufenden Vergabeverfahren zu erhalten.

Am 8. Mai geben die Stadtwerke bekannt, im „Minsk“ sei während einer „planmäßigen Schadstoffsanierung“ eine Asbest-Belastung festgestellt worden.

Von Volker Oelschläger

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