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Potsdam Ein Haus, das schwimmt
Lokales Potsdam Ein Haus, das schwimmt
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00:46 14.08.2014
Das schwimmende Haus liegt in einem Havel-Knie von Neu Fahrland. Es wurde hier gebaut als Musterhaus. Der umlaufende Steg und die Dachterasse sind noch nicht fertig. Quelle: R. Schüler
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Neu Fahrland

"Augenzwinkernd" grüßt der Biber; der Hecht pirscht durch die Seerosen. Das Wasser ist fast so klar wie ein Aquarium. Ein Weiße-Flotte-Schiff macht eher kleine Wellen, eine Motoryacht macht eher große. Enten schaukeln sich auf Baumstämmen im Uferwasser; drinnen im Haus merkt man beides kaum.

Im Haus? "Ich baue und saniere Häuser", sagt Tony Kakerow (32), "eigentlich an Land. Aber hier hab ich eines zur See gebaut." Das sieht von außen aus wie "Ritter Sport": quadratisch, praktisch, gut, aber es ist ein ausgefeiltes und edel ausgestattetes Stück Technik, alles selbst erdacht, selbst gebaut und bald auch selbst bewohnt. Mit Lebensgefährtin Patricia (31) und den beiden Töchtern (12 und zwei Jahre) zieht er nun ein ins schwimmende Reich: 100 Quadratmeter in vier Zimmern auf zwei Etagen, dazu Bad und Küche und obendrauf eine Dachterrasse über alles, Rundumsicht unten, Fernsicht oben.

Mit 32 Stahlplatten hat alles begonnen

Drei Jahre hat Kakerow daran gebaut, phasenweise mit zwei Helfern - ein Job für kühle Herbst- und Wintermonate, wenn andere Baugeschäfte schlechter laufen. Aber sie sind gut genug gelaufen, um das Haus aus der eigenen Tasche zu bezahlen und schuldenfrei zu sein als Hausbesitzer - wer kann das schon von sich sagen?!

Das Wohnzimmer, von dem nach links Küche und Bad abgehen. Der Kamin schafft schnell Wärme. Quelle: R. Schüler

Rund 70.000 Euro hat Kakerow in das Projekt gesteckt, das sonderbar begann: Von einer Metallbau-Pleitefirma hatte er vor ein paar Jahren 32 Stahlplatten gekauft und keine Ahnung, was er damit machen sollte. Dann hatte er die Blitzidee: "Ich bau ja sonst Häuser an Land. Warum nicht mal eins als Boot?"

Spaß an den Details

Die Platten wurden zu Pontons, geschweißt von innen und außen und vielfach antikorrosionsbeschichtet. Das rechteckige Geviert aus sieben Pontons mit einem Stahldeck ließ man im Winter wassern und ging danach den Hausbau an. Nach Kakerows Wünschen beschaffte der Potsdamer Holzfachhändler und Co-Finanzier Peter Räsch (41) das Nadelholz, schnitt es zu, fertigte es vor, so dass man schnell montieren konnte. Ein filigranes Balkengerüst von enormer Tragkraft fügte Kakerow zusammen; als komplettes Haus-Skelett hob es ein Autokran auf den Ponton. Der "Balkenkarton" bekam Decken eingezogen; man setzte Wände, baute Türen und Fenster ein, fügte den Balkon im ersten Stock an, legte einen Stegumlauf um das ganze Haus. "Für die Innenausrüstung hatten wir nur heimische Firmen", sagt Kakerow: "Leute, die ich seit Jahren kenne, die verlässlich sind, mich nicht sitzen lassen, weil andere Aufträge gerade wichtiger sind. Ich bin von hier, meine Helfer sind es auch."

Das Haus, die Kosten

  • Kakerows Doppelstock-Haus würde rund 180.000 Euro kosten, eine einstöckige Version gibt es ab 60.000 Euro, alles inklusive der Elektro- und Sanitärinstallation, aber ohne die technische Ausstattung von Küche und Bad.
  • Gebaut und ausgestattet wird stets nach Kundenwünschen bis hin zur Fassadenfarbe, denn nicht jeder mag es weiß und grau und „freundlich schwarz“, wie Hausbootbauer Kakerow das sagt. Alles ist möglich, vom normalen Standard bis hin zu Luxus.
  • Sollten sich durch die Ausstattung und Möblierung Ungleichgewichte ergeben, kann Wasser in einzelne Tanks gepumpt werden. Es sind mehr Tanks anbringbar für mehr Auftrieb.
  • Der Prototyp wird als sehr langlebig beschrieben. Noch langlebiger aber werden die nächsten Hausboote; zwei sind schon geordert. Hier wird man unverrost- und unverrottbare Plastikpontons nutzen und die Sonne als Energiespender. Ein Haus ist bereits im Bau: einstöckig nur, aber fast doppelt so lang.

Einfach hat sich Tony Kakerow die Sache nicht gemacht, nicht in der Planung, nicht in der Ausführung, nicht in der Ausstattung. Die Wärmedämmung der Leichtbauwände ist beachtlich. Ein Kamin hält spielend das "Erdgeschoss" warm, eine Fußbodenheizung die obere Etage. LEDs sorgen überall für Licht, an vielen Stellen auch nur zur Dekoration. Der Küchenstandard ist gehoben, das Bad mit Panoramafenster an der Badewanne ist eine Technikschau, geplant mit Spaß an den Details: Freitragend das 100-Kilo-Waschbecken, das kein Becken ist, sondern eine leicht vertiefte dunkle Marmorplatte. Die Hähne sind keine Hähne, sondern "Wasserfälle", die trotz des flachen "Beckens" nie spritzen. Der Toilettendeckel neben der Massagedusche senkt sich lautlos, ölgefedert. Naturstein ist vielerorts innen verbaut, Garappa-Tropenholz aus Indonesien für die Terrasse auf dem Dach. Langlebigkeit war der Anspruch.

Ein Spaß geht nach Spandau - zu Wasser

Das Haus ist schiffbar, freilich mühevoll. "Aber in der einstöckigen Variante ist das recht einfach", sagt der Schöpfer. Die Innenarchitektin etwa, die sich jetzt einen Einstocker bauen lässt, fährt ihn nach Spandau. Kakerow selbst hat sein Haus schon zusammen mit zwei Helfern per Hand im Wasser bewegt: "Das schafft man.".

Das Wohngefühl ist einmalig, doch das ist es nicht allein. Die schwimmenden Häuser kosten nur rund die Hälfte dessen, was derzeit marktgängig ist. Man braucht kein Geld zum Grundstückskauf, keinen Architekten, keinen Bauantrag, keine Baugenehmigung, nur eine Anlegestelle, die man pachtet, mit Strom- und Wasseranschluss. Und das Produkt ist "made in Potsdam".

Von Rainer Schüler

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