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Potsdam Freiland-Sanierung kostet eine Million
Lokales Potsdam Freiland-Sanierung kostet eine Million
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09:12 06.06.2018
Auf dem Freilandgelände herrscht eine Mischung aus Baufälligem, Teilsaniertem und liebevoll Gestaltetem, bunt durcheinandergewürfelt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

„Freiland“-Frust bei Horst Müller-Zinsius: Der Stadtwerke-Chef hat gegenüber der MAZ deutlich gemacht, dass er genug davon hat, dass die kommunale Gesellschaft weiterhin für das Jugend- und Soziokulturzentrum an der Friedrich-Engels-Straße zuständig sein soll. „Das fällt nicht in die Kernkompetenz der Stadtwerke – in die der Stadt sehr wohl“, sagte er am Dienstag auf Anfrage. Die Zuständigkeit beziehungsweise der Sachverstand der Stadtwerke-Gesellschaft liege auf ganz anderen Gebieten, betonte der Geschäftsführer: „Mit dem Thema Jugendkultur befasst sich niemand bei den Stadtwerken.“ Vor diesem Hintergrund mache es auch inhaltlich keinen Sinn, sich weiter auf diesem Gebiet zu engagieren. Kurz: Müller-Zinsius möchte die Verantwortung lieber heute als morgen wieder abgeben.

Einjährige Verlängerung für Pachtvertrag

Wie berichtet, läuft der Pachtvertrag zwischen dem Freiland und den Stadtwerken zwar zum 30. September aus, allerdings haben die meisten Fraktionen bereits signalisiert, dass sie eine Verlängerung des Vertrags um ein weiteres Jahr befürworten. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat bereits im Hauptausschuss angekündigt, den Pachtvertrag zwischen Freiland und Stadtwerken verlängern zu wollen. Das Thema steht auf der Tagesordnung der heutigen Stadtverordnetensitzung.

Müller-Zinsius pocht hingegen weiter darauf, dass die Stadtverwaltung in der Pflicht sei. Sein Vorschlag: „Wir bieten an, das Grundstück per Erbaupacht an die Stadt zu verpachten. Sie kann dann dort, was auch immer sie möchte, mit dem Trägerverein verabreden und veranstalten.“ Eine weitere gangbare Option aus Müller-Zinsius’ Sicht: Der Träger – die Cultus UG – könnte Erbbaupächter werden.

Stadtwerkechef Horst Müller- Zinsius Quelle: Christel Köster

Unabhängig vom Pachtvertrag spielt auch noch das große Thema Investitionen eine Rolle. Denn selbst wenn es die Anweisung vom Oberbürgermeister für eine einjährige Verlängerung des Pachtvertrags geben sollte – finanziell wollen sich die Stadtwerke auf dem Gelände keinesfalls engagieren.

Gegenüber der MAZ hat der Stadtwerkechef nun erstmals konkrete Zahlen genannt, was die notwendigen Geldsummen angeht. „Zur Realisierung der Vorstellungen des Trägers sind Investitionen in Höhe von einer Million Euro fällig.“ Die Summe geht vor allem auf das Konto der Baukosten an den Gebäuden. Auf dem Areal befinden sich sechs Objekte, unter anderem ein Bürogebäude, ein Café, ein Jugendclub. Bandprobenräume sind geplant. Mehrere Häuser sind sanierungsbedürftig. Dass die Stadtwerke zum Retter in der Not werden könnten, kommt laut Müller-Zinsius nicht infrage. Auch dies – so betont er – sei Sache der Stadt.

Achim Trautvetter, Geschäftsführer des Freiland-Betreibers Cultus UG. Quelle: Bernd Gartenschläger

Beim Freiland-Träger Cultus UG wünscht man sich vor allem Sicherheit. „Für uns ist wichtig, dass am Ende eine Rechtsform steht, die sich langfristig für das Gelände verantwortlich fühlt und den anstehenden Bauprozess umsetzen kann“, erklärt Geschäftsführer Achim Trautvetter. Eines der geplanten Projekte: Ein kleines Hostel mit maximal zwölf Plätzen, wo unter anderem Künstler untergebracht werden könnten. In den Diskussionsprozess über die Zukunft des Freilands will man ergebnisoffen gehen. Ein Beispiel, das Trautvetter positiv anführt: Das große Berliner Kulturzentrum „ExRotaprint“, das im Wedding mit der Stiftung Trias betrieben wird. Die Trias-Stiftung hat sich die Stärkung von Bürgerbeteiligung und Stadtumgestaltung auf die Fahnen geschrieben.

Achim Trautvetter. Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Verhältnis zwischen den Stadtwerken und dem alternativen Kulturzentrum beschreibt Trautvetter als unterkühlt. „Derzeit gibt es nicht soviel Kommunikation zwischen uns und den Stadtwerken. Wir sollten dringend einbezogen werden.“

Die heutige Stadtverordneten-Debatte zur Zukunft des Freilands kann nicht nur von den Zuhörern im Plenarsaal des Rathauses mitverfolgt werden. Parallel zur Sitzung wird sie via Live-Stream ab 15 Uhr in den Hof des Rechenzentrums zum Public Viewing übertragen.

Ex-Wasserwirtschaft als Kulturparadies

Das „Freiland“ ist ein 12 000 Quadratmetern großes Kulturzentrum auf dem früheren Gelände der Wasserwirtschaft. Es wurde 2011 zunächst mit einem über fünf Jahre laufenden Pachtvertrag eröffnet, der seit 2016 jährlich verlängert wurde.

Die Pachtzahlungen der Cultus UG wurden laut Stadtwerke-Chef Horst Müller-Zinsius in den ersten Jahren als Sponsoring von den Stadtwerken übernommen. In diesem Jahr hat die Stadt erstmals rund 56 000 Euro als Förderung für die Pachtzahlungen in den Haushalt eingestellt. Auf dem Gelände sind rund 250 bis 300 Menschen mit 50 Mietverhältnissen tätig.

Von Ildiko Röd

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