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Freispruch für mutmaßlichen Reifenstecher

Nach Randale in Potsdamer Wohngebiet Zentrum Ost Freispruch für mutmaßlichen Reifenstecher

Die Reifen zerstochen, die Spiegel abgetreten: Vor einem Jahr soll ein Jugendlicher elf Autos im Potsdamer Wohngebiet Zentrum Ost demoliert haben. Jetzt stand der inzwischen 19-Jährige vor Gericht. Im Prozess gab er einiges zu. Die Autos aber, beteuerte er, habe er nicht angerührt.

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Das Amtsgericht ist im Justizzentrum an der Jägerallee zu finden.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Der Angeklagte und die Richterin kennen sich schon. Am Potsdamer Amtsgericht hat der 19-jährige Kevin W. im April 2016 unter anderem wegen Diebstahls 80 gemeinnützige Arbeitsstunden kassiert. Was damals noch nicht zur Verhandlung kam: Nur einige Tage vor dem Prozess soll Kevin W. am 31. März mit zwei gesondert Verfolgten im Wohngebiet Zentrum Ost elf Autos und einen Hänger demoliert haben. Die jungen Männer sollen Reifen zerstochen, Spiegel abgebrochen und das Schaufenster eines Friseurs eingetreten haben. Zudem soll W. am 22. März in Kleinmachnow einem Radler mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben – er kam mit einer Kiefer-Verletzung in die Klinik. Ebenfalls wird W. zur Last gelegt, im August 2015 in Karlsruhe ein Mountainbike gestohlen zu haben – laut Anklage hat er es mit einem Beil aus der Wandhalterung geschlagen.

„Ich habe ihm eine reingezogen. Warum? Weil er mich aufgeregt hat“

„In Karlsruhe sind viele Sachen passiert“, sagt Kevin W. Ob er das Rad gestohlen habe, wisse er nicht mehr: „Kann sein, dass ich es war.“ In Karlsruhe lebt die Mutter. Eine Zeit lang war auch er dort, kehrte aber in seine Geburtsstadt Potsdam zurück. Drogen hätten in Karlsruhe eine Rolle gespielt, gibt W. zu. An einer am Tatort zurückgelassenen Flasche fand man seine DNA: schwer, die Tat zu leugnen. Die Schläge in Kleinmachnow indes nimmt W. direkt auf seine Kappe. Er sei mit Freunden unterwegs gewesen. „Der Radfahrer kam ohne zu klingeln haarscharf an mir vorbei.“ Er habe ihm ein Schimpfwort nachgerufen, der Radler sei abgestiegen, es wurde gestritten. „Ich habe ihm dann eine reingezogen. Warum? Weil er mich aufgeregt hat. Die anderen haben ihn nicht gehauen. Die haben nur Stress gemacht. Ich habe ihm vier, fünf Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen.“

Die Randale im Zentrum Ost leugnet Kevin W. allerdings. Er habe daheim mit fünfzehn Leuten gefeiert. Drei seien zur Tankstelle gegangen, um Nachschub zu holen. „Als sie wiederkamen, sagten sie, es ist was passiert.“ Er sei neugierig geworden und mit einem Kumpel losgegangen. Die beiden liefen der Polizei in die Arme, wurden befragt, durchsucht, die Beamten fanden nichts. Eine Zeugin meinte damals, in W. und dem Begleiter zwei der drei Täter wiederzuerkennen. Im Gerichtssaal ist sie sich nur noch zu 90 Prozent sicher. Einer der Beamten zweifelt offen an W.s Täterschaft.

Die Jugendgerichtshilfe stellt eine positive Prognose

Die Staatsanwaltschaft beantragt daraufhin einen Freispruch, für die Taten in Kleinmachnow und Karlsruhe eine Woche Arrest und 200 Arbeitsstunden. Das Gericht spricht W. vom Vorwurf der Sachbeschädigung frei und verurteilt ihn nach Jugendstrafrecht wegen schweren Diebstahls und Körperverletzung zu 120 Arbeitsstunden. Er habe sich seit der letzten Verurteilung nichts zu Schulden kommen lassen, eine schädliche Neigung sei nicht zu erkennen – also gebe es auch keinen Arrest, der eine erzieherische Wirkung haben soll. Zudem liegt eine positive Prognose der Jugendgerichtshilfe vor: Seit zwei Wochen lebt W. in einer betreuten WG, sucht eine Lehre mit Hilfe der Arbeitsagentur. Einer der Schöffen hat da noch einen Tipp: „Am 15. März findet im Waschhaus die Jobinale statt.“ Kevin W. bedankt sich höflich und geht hinaus in ein Leben, das noch immer in seiner Hand liegt.

Von Nadine Fabian

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