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Potsdam Friedenskirchturm wird saniert, nur wann?
Lokales Potsdam Friedenskirchturm wird saniert, nur wann?
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05:46 04.12.2018
Die Friedenskirche in Potsdam ist baufällig. Quelle: Friedrich Bungert
Sanssouci

Der Aufstieg auf den Glockenturm der Friedenskirche ist nichts für schwache Nerven. Nicht nur, weil ich in der obersten von sieben Etagen fast auf 40 Metern Höhe stehe und beinahe im Freien. Sondern vor allem, weil ich nicht weiß, ob mich das rostzerfressene Wendeltreppengeländer hält, an das ich mich mit einer Hand klammere, während die andere die Kamera bedient. Nur ein Meter trennt mich vom Abgrund.

Wahnsinns-Panorama – aber niemand kann es genießen

Die Aussicht über Potsdam und den Park von Sanssouci ist wundervoll; genießen kann sie im Grunde niemand. Außer Baufachleuten steigt niemand mehr nach oben, und das passiert des Öfteren in letzter Zeit. Der Turm ist instabil geworden in 170 Jahren: Die gusseiserne Wendeltreppe, die in seinem Inneren als Anker eingebaut wurde und alle Wände mit Streben an sich zieht, ist brüchig; der Turm ruht in sich selbst, er wankt im Wind und wenn die Glocken schlagen.

Panorama im Turm der Friedenskirche. Quelle: Rainer Schüler

„Ohne diese Treppe“, sagt „Kirchenpapst“ Andreas Kitschke, „würde der Turm wegbrechen.“ So heftig stürmte es all die Jahre auf ihn ein, dass es das Kreuz ganz oben auf dem Spitzdach von seinen „Füßen“ riss. Irgendwann stand so schief, dass es hinabzustürzen drohte; man nahm es ab. Jetzt ist der Kirchturm „nackig“, wie Kitschke flachsig sagt; in seine Architekten-Hände legt die Schlösserstiftung die Sanierung, deren Kosten niemand bei der Stiftung derzeit beziffern kann.

Der Turm der Friedenskirche ist nicht mehr sicher. Hier Bilder vom Gang durch das sanierungsbedürftige Bauwerk.

Kitschke lehnt sich ganz oben weit aus den Arkadenbögen für Bilder mit seiner Pocketkamera. Er kennt seinen Masseschwerpunkt, der ihn hält, doch dem Reporter wird schon beim Hinsehen schwindlig. Weit aus dem sprichwörtlichen Fenster lehnt Kitschke sich mit seiner Schätzung: „Unter einer Million wird das nicht zu machen sein; vier bis viereinhalb Millionen kann das kosten.“ Immerhin müsse der Turm komplett eingerüstet werden. Wenn im Inneren die Treppe ausgebaut wird, braucht er ein Stützkorsett.

Neue Zwischendecken aus Stahl nötig

„Das wird etagenweise passieren müssen“, sagt Bereichsbauleiter Frank Karalus, „um die Stabilität zu wahren.“ Den Turm ein Stück weit abzutragen und wieder aufzubauen komme für die Stiftung nicht in Frage. Man gehe davon aus, dass man die Innenversteifung der Außenmauern durch neue Zwischendecken aus Stahl erreichen kann. Die würden an vier oder acht Punkten mit den Ziegelwänden verbunden.

Marodes Treppengeländer. Quelle: Rainer Schüler

Die unhistorisch im letzten Jahrhundert eingebauten, inzwischen verwitterten und aufgeplatzten Betonböden werden entfernt und durch Stahlkonstruktionen ersetzt. Die alte, gusseiserne Wendeltreppe mit den zierlich durchbrochenen Stufen wird originalgetreu saniert, aber nie begehbar für die Allgemeinheit. Für eine dauerhafte Benutzung durch viele Menschen ist sie statisch nicht gedacht und immer nur durch einen nutzbar – Gegenverkehr und Ausweichen ist gar nicht möglich.

Historischer Hintergrund

Die evangelische Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci liegt im sogenannten Marlygarten gleich am Grünen Gitter.

Das Projekt schloss sich an den Bau der Heilandskirche von Sa-crow im selben Stil an. Typisch ist der Rundbogen, der sich auf den damals kaum bekannten frühchristlichen Kirchenbau und insbesondere auf romanische Elemente der Kirchenarchitektur Italiens bezog. Der Komplex ist oberitalienischen Klöstern nachempfunden.

Eine Skizze für den Bau der Friedenskirche hatte der spätere König Friedrich Wilhelm IV. bereits 1839 angefertigt. Der Entwurf orientierte sich an San Clemente in Rom.

Friedrich Wilhelm verwendete in der Apsis ein Mosaik wieder, das er 1834 von der Kirche San Cipriano in Murano erhalten hatte. Das byzantinische Mosaik zeigt den auf einem Thron sitzenden Jesus.

Die vom Hofarchitekten Ludwig Persius überarbeiteten Entwürfe lehnte Friedrich Wilhelm mehrfach ab, erst nach zweijähriger Planung genehmigte er sie.

Vorbild des frei stehenden Glockenturms wurde der Campanile von Santa Maria in Cosmedin in Rom. Diese Kirche hatte der Kronprinz in einem Kupferstichwerk entdeckt.

Am 14. April 1845 wurde der Grundstein gelegt.

Nach dem Tod von Ludwig Persius am 12. Juli 1845 wurde Friedrich August Stüler mit der Weiterführung beauftragt. Die Bauleitung erhielten Ferdinand von Arnim und Ludwig Ferdinand Hesse.

Am 24. September 1848 wurde die Kirche in Anwesenheit des Königs und der Königin eingeweiht.

Die Kirche ist eine dreischiffige Säulenbasilika ohne Querhaus mit einem 42 Meter hohen Campanile. Das 13,50 Meter hohe Hauptschiff überragt die halb so breiten Seitenschiffe.

Unter zwei Marmortafeln, die vor den Stufen zum Altarraum in den Boden eingelassen wurden, befindet sich die königliche Gruft.

Die Treppe gilt als der schwierigste Part der Turmsanierung und dürfte die Hälfte des Geldes verschlingen, das die Schlösserstiftung noch gar nicht hat. Die Erfassung der Schäden innen und außen läuft; sie ist der Anfang der Sanierung. „Das Mauerwerk ist gut erhalten“, sagt Ute Joksch von der Stiftung, „auch die Sandstein- und Terrakottaelemente der Säulen“ in den Arkaden.

Vom Hubsteiger aus hat man die Mauern fotografiert, und man hat eine Drohne aufsteigen lassen, um auch all das zu sehen, was man mit dem Kran nicht erreichen kann. Ende März will man alles ausgewertet haben und die Planungen beginnen. Dann wird man eine Summe nennen und um Spenden bitten. „Ohne Spenden“, so Joks, „wird es nicht gehen.“

Von Rainer Schüler

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