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Friedrichs fast echtes Rubens-Meisterwerk

Rückkehr der Venus nach Sanssouci Friedrichs fast echtes Rubens-Meisterwerk

Die lang verschollen geglaubte „Venus im Pelz“ wird in der Bildergalerie ausgestellt – vorerst allerdings nur bis Ende Oktober. Hinter der Rückkehr der Venus steckt eine spannende Geschichte, die um mehrere Ecken führte. Eines ist aber klar: Friedrich II. ließ sich möglicherweise beim Kauf einen Bären aufbinden. Denn die „Venus im Pelz“ ist kein Original von Peter Paul Rubens.

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Die Venus im Pelz in der Bildergalerie von Sanssouci.

Sanssouci. So richtig knackig ist diese Venus nicht mehr: Ihr Gesicht ist schlecht übermalt und der rechte, um den Leib geschlungene Arm erinnert farblich ein bisschen an Packpapier und wirkt zudem unproportioniert. Außerdem schmälern kleinere Risse die Schönheit der Dame. Trotz ihres beklagenswerten Zustands ist die Heimkehr der „Venus im Pelz“ in die Bildergalerie in Schloss Sanssouci dennoch eine kleine Sensation. Das Gemälde, das um 1640 in der Nachfolge des flämischen Star-Malers Peter Paul Rubens entstand, galt nämlich seit Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen.

Das Willkommen für die verlorene „Venus“ – Gardemaß: 190 mal fast 120 Zentimeter – ist eine Premiere: „Mit ihr kehrt nun das erste großformatige Gemälde in den Hauptsaal der Bildergalerie zurück“, schwärmte Schlösserdirektor Samuel Wittwer am Montag. Bislang waren im Zuge einer groß angelegten Suche nach Kunstwerken, die während oder nach dem Krieg verloren gegangen waren, nur kleinformatige Gemälde in die Galerie zurückgekehrt.

Rubens’ „Pelzchen“ (l) orientierte sich an Tizians „Mädchen im Pelz“

Rubens’ „Pelzchen“ (l.) orientierte sich an Tizians „Mädchen im Pelz“.

Quelle: Köster

Bis Ende Oktober wird die ramponierte Schönheit öffentlich ausgestellt. Danach soll sie eingelagert werden. Der Grund: Für die Restaurierungskosten „im fünfstelligen Bereich“ ist einfach kein Geld da. Allein die Rekonstruktion des vom „Zierathenbildhauer“ Matthias Müller geschaffene Schnitzrahmens würde zwischen 50 000 und 60 000 Euro kosten.

Die „Venus“ gehörte seinerzeit zu den handverlesenen Stücken, die Friedrich II. höchstpersönlich für seine Bildergalerie ausgewählt hatte. Der royale Kunstfreund ließ sich mit seiner Sammlung niederländischer Meisterwerke nicht lumpen. 21 von 28 Bildern an der „Niederländerwand“ stammten von Rubens. Angeblich hielt der König auch die „Venus im Pelz“ für ein Original des Meisters. Dabei war der Schöpfer höchstens jemand „aus dem Umfeld beziehungsweise der Nachfolge von Rubens“, so die moderne Expertenmeinung. Abgekupfertem haftete aber keineswegs ein schlechter Ruf an. „Wir sprechen von einer Zeit, in der Kopien nicht wertmindernd waren“, erläuterte Wittwer. Inspiration war in diesem Fall eindeutig Rubens’ Bild „Das Pelzchen“.

Vorstellung des Bildes vor der Presse

Vorstellung des Bildes vor der Presse.

Quelle: Köster

Allerdings bleibt manches an der Entstehungsgeschichte der „Venus“ mysteriös. Woher kannte ihr Schöpfer das berühmte Vorbild? 1636/38 hatte Rubens seine zweite Frau, Hélène Fourment, als Venus unbekleidet in einem Pelz gemalt. Zeit seines Lebens verkaufte er das Bild mit der Pelzträgerin, das heute im Kunsthistorischen Museum Wien hängt, nicht. Insofern gab es mutmaßlich nur sehr wenige Personen, denen Rubens das intime Bild überhaupt je zeigte.

Mysteriöse Schönheit mit ein paar Schrammen

Mysteriöse Schönheit mit ein paar Schrammen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Auch die Geschichte hinter der heimgekehrten „Venus“ ist spannend. Alexandra Nina Bauer, Kustodin für Gemälde der niederländischen und deutschen Schule in der Bildergalerie, schilderte am Montag die verschlungenen Pfade. 1942 hatte man die Bestände aus Sicherheitsgründen nach Rheinsberg ausgelagert. Unklar bleibt bis heute, wie die Venus dann in den Kriegswirren verschwand. Jahrzehnte später tauchte sie durch Zufall wieder auf. Ein Berliner Antiquar hatte den Nachlass eines Kunstmalers gekauft. Quasi als Draufgabe erstand er auch die Venus und verkaufte sie an einen Freund. Der fragte einen Museumsexperten um seine Meinung, dem wiederum die große Ähnlichkeit mit dem „Pelzchen“ im Wiener Kunsthistorischen Museum auffiel. Von Wien aus gab es schließlich den Hinweis zur Bildergalerie von Sanssouci. Nachdem der Hintergrund des Bildes geklärt worden war, bekam der Besitzer für die Venus „einen Finderlohn“, so Wittwer. Im Gegensatz zu manchen Rückgabe-Krimis, gestaltete sich die Kooperation mit dem Besitzer reibungslos: „Er war von Anfang an bereit zur Rückgabe.“

Von Ildiko Röd

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