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Friesennerz statt schicker Abendkleidung

Auftakt Potsdamer Schlössernacht 2017 Friesennerz statt schicker Abendkleidung

Fast 5000 Klassik-Fans des ausverkauften Vorabendkonzerts ließen sich nicht vom Starkregen abschrecken und genossen Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ auf der Mopke. Stargeiger Daniel Hope hat übrigens Potsdamer Wurzeln.

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Tapfer im Regen: Markus Wicke (r.), Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums, und sein Partner Jens Hönow.

Quelle: Ildiko Röd

Sanssouci. Nur die Harten kommen in den Garten: Das Vorabendkonzert der Schlössernacht am Freitagabend erfüllte alle Wetterwünsche – zumindest wenn man starken Platzregen, Donnergrollen und dazwischen den einen oder anderen dramatischen Blitz mag. „Danke, dass Sie trotz dieses ,englischen Wetters’ geblieben sind“, sagte südafrikanisch-britische Stargeiger Daniel Hope zum Auftakt der zweiten Halbzeit des Konzertes auf der Mopke vor den imposanten Communs am Neuen Palais. Modisch lautet das Motto des Abends dementsprechend logischerweise: Friesennerz statt schicker Abendkleidung.

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Potsdam, 18. August 2017: Die Schlössernacht startete am Freitag mit einem Konzert des britischen Stargeigers Daniel Hope, der im Schlosshof Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ erklingen ließ. Die Besucher trotzdem währenddessen dem Regen.

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Eine halbe Stunde vor Beginn stand das ganze Konzert noch auf der Kippe. In Scharen strömten die Besucher unter schützende Dächer, um dem peitschenden Starkregen zu entkommen. Doch dann – kurz vor dem offiziellen Konzertbeginn um 20 Uhr – klarte es plötzlich auf. Ob ein musikliebender Wettergott oder Friedrich II. von seiner Himmelswolke aus als Ex-Hausherr ein Einsehen hatten? Jedenfalls hieß es dann statt „Wasser, marsch!“ endlich „Bühne frei“ für das Orchester „L’Arte del Mondo“ und Daniel Hope.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung, gedachte in seiner Begrüßung auf der Bühne zunächst der Opfer des Anschlags von Barcelona vom Vorabend. Dann hob sich der symbolische Vorhang nebst sanftem Nieselregenschleier zum musikalischen Meisterwerk des Abends. Händels „Wassermusik“ wäre mehr als passend gewesen. Aber auch Antonio Vivaldis Konzert, in dessen Zeichen der Abend stand, hatte durchaus einen thematischen Bezug: „Die vier Jahreszeiten“ imitieren vor allem Naturerscheinungen – sanfte Winde, heftige Stürme und Gewitter zählen zu den zentralen Elementen der vier Violinkonzerte.

Hartmut Dorgerloh, der das Konzert unter einem riesigen pinkfarbenen Regenschirm verfolgte, ist mit Vivaldis 1725 komponiertem Werk bestens vertraut: „Ich kann es auswendig, so dass ich es nur noch live höre“, erzählte der Herr der Parks und Schlösser. Bei der Schlössernacht am Samstagabend freut er sich besonders auf die „menschlichen Mobiles“ der französischen Compagnie Transe Express am Orangerieschloss (Beginn um 19, 21 und 23 Uhr) und auf das poetische Pferdeballett an den Weinbergterrassen der Gruppe Quidams. Im Mittelpunkt steht ein „Pferdeflüsterer“, der mit seinen sieben übergroßen Pferdegestalten fabelhafte Szenen gestaltet. Auftrittszeiten sind um 18, 20.15 und 22.30 Uhr.

Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums, berichtete in der Konzertpause von Daniel Hopes jahrhundertealten märkischen Wurzeln: „Einer seiner Vorfahren war der Potsdamer Rabbiner Michel Hirsch.“ Im vergangenen Jahr hat der Förderverein des Potsdam-Museums ein Porträt des ersten bekannten Potsdamer Rabbiners als Schenkung an das Museum übergeben.

Michel Hirsch lebte von etwa 1719 bis 1777 und übte seine Funktion belegt seit 1743 – sehr viele Jahre ehrenamtlich aus. Sein Geld verdiente er als Besitzer je einer Hanffabrik in Westfalen und in Potsdam, für deren Produkte er das Monopol in ganz Brandenburg hatte. Darüber hinaus war Hirsch Kassierer der kurmärkischen Judenschaft. Sein Grabstein ist – stark verwittert – auf dem jüdischen Friedhof erhalten. „Daniel Hope hat seinen Potsdamer Vorfahren in seinem Buch ,Familienstücke: eine Spurensuche’ im Stammbaum aufgeführt“, erzählte Wicke.

Nach der Pause ging es mit „Vivaldi recomposed“ weiter. Der Filmkomponist Max Richter hat eine Neufassung von Vivaldis Meisterwerk geschaffen – und zwar, weil es ihm schlicht auf die Nerven ging, wie extrem lieblos Vivaldis Meisterwerk als Klangberieselung in Parkgaragen und Fahrstühlen gedudelt wird, erzählte Hope mit charmantem britischem Akzent. Die lockere Art des ehemaligen Yehudi-Menuhin-Schülers und mehrmaligen Echo-Klassik-Preisträgers kam bei den Gästen super an. „Wunderbar, wie er sich auf das Publikum einlässt“, schwärmte Sigrid Sommer. Die städtische Marketing-Chefin ist große Klassik-Liebhaberin und Stammgast bei den Vorabendkonzerten; das vom Freitag zählt zu den schönsten, die sie erlebt hat – trotz des Regens: „Weil die Stimmung so toll war.“

Für den Samstagabend drückt sie den Organisatoren in Sachen Wetter jedenfalls fest die Daumen. „Potsdam braucht so eine Veranstaltung wie die Schlössernacht.“ Das, was sie von den Vorbereitungen für die Nacht der Nächte im Vorfeld mitbekommen hat, stimmt die Marketing-Expertin jedenfalls optimistisch: Viele Sitzgelegenheiten seien im ganzen Park aufgestellt worden; an den Ausgängen erklären Info-Tafeln den Besuchern, wie man am besten nach Hause kommt.

Nur in einem Punkt könnte das Ganze aus Besucher-Sicht noch verbesserungswürdig sein, so Sommer: „Man sollte bei solchen Anlässen Regenponchos verteilen, damit auch die Unvorbereiteten gewappnet sind.“

Gänsehaut-Feeling gab es dann nach zwei Zugaben noch zum Abschluss des Abends – aber nicht wegen des tropfnassen Ambientes, sondern wegen des Feuerwerks. Unter anderem zu Ravels „Bolero“ erstrahlten die Communs und das Neue Palais in Lichteffekten.

Von Ildiko Röd

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