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Frischzellenkur für Attikafiguren

Debatte um Landtagsschmuck Frischzellenkur für Attikafiguren

In der emotionalen Debatte um die Attikafiguren für den Landtag bringt der Bildhauer Marcus Golter eine Idee ein: Moderne Allegorien, die für demokratische Tugenden, für Gerechtigkeit oder für die Freiheit nach dem Mauerfall stehen könnten. Auf der anderen Seite des Debatten-spektrums: Landtagsarchitekt Peter Kulka. Er hat einen offenen Brief geschrieben.

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In seiner Werkstatt arbeitet der Bildhauer Marcus Golter auch an kleinen Figuren – fürs Parlament kann er sich einen Mix aus alten und neuen Figuren vorstellen.

Quelle: Christel Köster

Innenstadt. „Angesichts der neuen Nutzung als demokratisches Parlament wären moderne Skulpturen mit Bezügen zur Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts denkbar“, fordert der Potsdamer Bildhauer Marcus Golter eine Frischzellenkur für den Figurenschmuck auf der Stadtschloss-Kopie. So könnten moderne Allegorien beispielsweise für die demokratischen Tugenden, für Gerechtigkeit oder für die Freiheit nach dem Mauerfall stehen. Golter schwebt eine Kombination aus neuen und erhaltenen Attikafiguren vor.

Überlegensgroße Figur im Atelier von Marcus Golter in der Potsdamer Innenstadt

Überlegensgroße Figur im Atelier von Marcus Golter in der Potsdamer Innenstadt.

Quelle: Christel Köster

Mit Projekten, in denen die Jahrhunderte verschränkt werden, hat Golter reichlich Erfahrung. Der Absolvent der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale ist seit 20 Jahren an der Restaurierung des Hallenser Stadtgottesackers beteiligt. Auf dem Renaissance-Friedhof werden die zerstörten Rundbögen wieder aufgebaut. Das Besondere: Anstatt die fast sechs Meter breiten Sandsteinbögen eins zu eins zu rekonstruieren, erhalten sie einen modernen Reliefschmuck. Finanziert wird das Stadtgottesacker-Projekt von einem Bauhüttenverein, der Spenden sammelt. 2012 gewann Golter zudem einen bundesweiten Wettbewerb zur Gestaltung des Hauptportals am gotischen Magdeburger Dom. Fünf moderne Wasserspeier tragen nun die künstlerische Handschrift des Bildhauers.

Im Innenstadt-Atelier arbeitet Marcus Golter, wenn er nicht gerade in Halle/Saale beim Stadtgottesacker-Projekt tätig ist

Im Innenstadt-Atelier arbeitet Marcus Golter, wenn er nicht gerade in Halle/Saale beim Stadtgottesacker-Projekt tätig ist.

Quelle: Christel Köster

Dass der Künstler auch Großformatiges kann, sieht man in seinem Atelier in einem Hinterhof an der Ecke Gutenbergstraße/Jägerstraße. Dort steht die überlebensgroße Skulptur eines nackten Mannes, dessen Gesicht sich hinter einem abstrakten Helm verbirgt. Für die Gestaltung des modernen Skulpturenschmucks auf dem Landtag sollte eine Arbeitsgruppe zum inhaltlichen Programm gebildet werden, so Golters Vorschlag.

Landtagsarchitekt Peter Kulka schrieb einen offenen Brief

Landtagsarchitekt Peter Kulka schrieb einen offenen Brief

Quelle: Detlev Scheerbarth

Auch Landtagsarchitekt Peter Kulka hält mit seiner Meinung zum Aufregerthema Attikafiguren nicht hinterm Berg. In einem offenen Brief, der der MAZ vorliegt, plädiert der Dresdner Architekt vehement für die Rückführung von vier der acht originalen Stadtschloss-Figuren, die seit 1966 als Leihgabe auf der Berliner Humboldt-Universität stehen. „Alle vier Figuren stünden an prominenter Stelle außen und in direktem Bezug zu noch vorhandenen historischen Teilen, zum Beispiel Tympanon und Ringerkolonnade.“

Kulka verweist auf die seinerzeitigen Bemühungen, „den gemeinsamen Landtag von Berlin und Brandenburg in einer eigentlich zu kleinen Kubatur zu realisieren“. Umso wichtiger sei nun eine „einvernehmliche gemeinschaftliche Lösung“. Denn: „In Potsdam würde auf diese Weise der begonnene Prozess der Zeitschichten und das Nebeneinander von Alt und Neu verstärkt werden.“

Die Attika-Figuren: Am 7. Dezember ein Fall für die Stadtverordneten

Ob der Landtagsarchitekt und die Bürgerinitiative Mitteschön bei ihren Rückhol-Bestrebungen auf die Hilfe von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zählen können, wird sich am 7. Dezember zeigen. Dann wird der Attikafiguren-Streit auch Thema in der Stadtverordnetenversammlung.

OB Jann Jakobs (SPD) sagt, dass er sich bereits redlich um die Rückführung bemüht hat – aber dass es einfach nichts gebracht hat

OB Jann Jakobs (SPD) sagt, dass er sich bereits redlich um die Rückführung bemüht hat – aber dass es einfach nichts gebracht hat: „Es gab zahlreiche Gespräche.“

Quelle: Friedrich Bungert

Wie berichtet, fordert Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, dass man Jakobs von seiner Verpflichtung befreien solle, sich aktiv für eine Rückführung der Figuren nach Potsdam einzusetzen. 2013 war genau das von den Stadtverordneten beschlossen worden. Nun plädiert Scharfenberg für eine neue Marschrichtung: „Der Oberbürgermeister wird von dem von der Stadtverordnetenversammlung erteilten Auftrag entbunden“, heißt es in dem Antrag der Linken-Fraktion.

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg: Will OB Jakobs (SPD) von Auftrag entbinden.

Quelle: Friedrich Bungert

Jakobs seinerseits vertritt allerdings die Auffassung, dass er dem Auftrag der Stadtverordneten ohnehin bereits nachgekommen sei – beispielsweise durch zahlreiche Gespräche in Berlin. „Leider sind diese Bemühungen vergebens geblieben“, sagte Stadtsprecher Stefan Schulz am Donnerstag zur MAZ: „Intensive Aufgabe sollte daher jetzt sein, die bei der Schlösserstiftung vorhandenen Attikafiguren des alten Stadtschlosses zu sanieren.“

Im Berliner Exil

Im Berliner Exil: Die Attikafiguren, die einst auf dem Potsdamer Stadtschloss standen.

Quelle: Maurizio Gambarini

Die Grünen wollen sich damit nicht zufriedengeben und fordern weiterhin, dass sich Oberbürgermeister Jakobs für die Rückholung der Figuren einsetzt: „Das war ein politisches Anliegen, das bislang unerfüllt geblieben ist“, betonte Kulturexpertin Janny Armbruster am Donnerstag: „Es gibt keine Veranlassung, dieses Projekt aufzugeben. Für manche Dinge bedarf es eben Geduld!“

Von Ildiko Röd

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