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Frustrierte Verlierer in Potsdam

„Katzelmacher“ von Fassbinder Frustrierte Verlierer in Potsdam

Ein Münchener Vorort in den 1960er Jahren: Die Jugend ist von Beschäftigung, Wohlstand und Wachstum radikal abgekoppelt. Ihr Leben wird bestimmt von Langeweile und Überdruss. An einem griechischen Gastarbeiter entladen sich Wut und Hass. Rainer Werner Fassbinder schrieb 1968 „Katzelmacher“ – jetzt kommt das Stück in Potsdam auf die Bühne.

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Filmuni-Schauspieleleven des dritten Studienjahres geben Rainer Werner Fassbinders „Katzelmacher“ in der Reithalle.

Quelle: hl böhme

Schiffbauergasse. Ein griechischer Gastarbeiter kommt in eine beschränkte Kleinbürgerwelt in einem tristen Münchener Vorort. Jorgos schlagen Ressentiments, Wut und Hass gelangweilter Jungerwachsener entgegen. Die Frustration der Verlierer entlädt sich an dem Außenseiter. 1968 schrieb Regie-Berserker Rainer Werner Fassbinder das Stück „Katzelmacher“, als in Westdeutschland Gastarbeiter längst die Wirtschaft kräftig ankurbelten, verfilmte es 1970.

Angesichts der Anschläge auf geplante Flüchtlingsheime und rassistischer Pegida-Demos sei „der Stoff nach wie vor leider wahnsinnig aktuell“, sagt Andreas Rehschuh. Der Theaterregisseur beschloss unter dem Eindruck einer Anti-Legida-Demo in Leipzig, „Katzelmacher“ mit zehn Schauspieleleven aus dem dritten Studienjahr der Filmuniversität „Konrad Wolf“ auf die Bühne zu bringen. Premiere ist am Donnerstagabend in der Reithalle. Dass Fassbinder in diesem Jahr 70 geworden wäre – ein schöner Nebeneffekt. Traditionell kooperieren HOT und Filmuni einmal im Jahr bei einem Theaterstück.

Rehschuh will mit „Katzelmacher“ Diskussionen anzetteln, das Publikum aufrütteln, es idealerweise vom weit verbreiteten Entweder-Oder-Denken abringen. Während der Proben klappte das bereits – innerhalb des Ensembles wurde viel über politische Ereignisse debattiert. „Es ist so wichtig, dass wir dieses Stück machen“, sagt Björn Ingmar Böske. Der 24-Jährige spielt Gastarbeiter Jorgos. „Ich befürchte, dass alle Probleme dieses Landes auf die geschoben werden, die sowieso im Arsch sind.“

Es gibt in „Katzelmacher“ (übrigens das abschätzige Wort für Gastarbeiter) keine Hauptrolle, die Parts sind gleichberechtigt. Für eine Ensemble-Inszenierung perfekt. „Alle Figuren sind gefangen in ihrem Brei“, sagt Nora Hickler. Obwohl die Charaktere keine Entwicklung durchmachen – Rehschuh will sie „nicht denunzieren, obwohl es denkbar einfach wäre“.

Spieltermine: 10., 11., 17. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, Reithalle. Ticketreservierungen unter 0331/9811-8.

Von Ricarda Nowak

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