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„Fucking Åmål“ in Potsdam

Jugendstück am Hans-Otto-Theater „Fucking Åmål“ in Potsdam

Die Hormone spielen bei Jugendlichen bekanntlich verrückt. Noch schwieriger ist es, wenn ein Teenager erkennt, dass er für einen gleichgeschlechtlichen Partner entflammt. Der skandinavische Film „Fucking Åmål“ erzählt eine solche Geschichte, die das Potsdamer Hans-Otto-Theater nun auf die Bühne überträgt. Mit Erfolg?

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Zwei Mädchen – na und? Agnes (Lea Willkowsky) und Elin (Leonie Rainer) finden zueinander und küssen sich.

Quelle: Göran Gnaudschun

Potsdam. Wissen Sie, was ein Smombie ist? Das Jugendwort des Jahres 2015 ist nicht einmal unter Jugendlichen bekannt. Ein Smombie ist jemand, der wie gebannt auf sein Smartphone schaut und deshalb wie ein Zombie durch die Gegend läuft, hieß es in der Begründung einer Erwachsenenjury.

In „Fucking Åmål“ setzt Andreas Rehschuh hormonell aufgekratzte Smombies in Szene. Vor allem zu Beginn möchte der 56-jährige Gastregisseur der Jugend einen Spiegel vorhalten. Das Zielpublikum ab 13 soll sich erkannt fühlen und vielleicht sogar fragen: Sind wir wirklich so schlimm?

Jugendliche besitzen aber eine feine Witterung dafür, was aufgesetzt ist und was echt. Rehschuh wählt in den Eingangsdialogen das Stilmittel der leichten Übertreibung. Das ist zu viel, um von den Teenagern ernst genommen zu werden und zu wenig, um bemerkenswerte satirische Funken herauszuschlagen.

Das Stück geht auf einen schwedisch-dänischen Jugendfilm zurück, der um 2000 auch in Deutschland starke Beachtung fand. Die Geschichte ist recht schlicht: Zwei Mädchen im Provinzkaff Åmål entdecken die großen Gefühle füreinander und ringen sich dazu durch, sich als Paar zu zeigen. Die Botschaft deckt sich mit dem Beatles-Song „All You Need is Love“, der das Happyend unterstreicht.

Die 27-jährige Gastschauspielerin Lea Willkowsky füllt die Identifikationsfigur Agnes mit viel Herzenswärme aus. Sie liefert sich starke Szenen mit dem Vater (Friedemann Eckert) und wenn sie einen Weinkrampf darzustellen hat, gelingt ihr das ohne grelle Attitüde. Nachdem Agnes von ihren Mitschülern wiederholt böse reingelegt wurde, überrascht es, dass sie die Kraft hat, Elin ein weiteres Mal hoffnungsvoll zu begegnen.

Leonie Rainer, ebenfalls Gast, spielt die Elin sehr temperamentvoll, wirkt aber neben der intellektuellen Agnes etwas zu ordinär. Bei der finalen Kloszene macht es sich Regisseur Rehschuh einfach, indem er filmische Großaufnahmen einspielt. Es gelingt ihm aber, die Turbulenzen des Gefühlsdramas einem Smombie-Publikum von heute differenziert zu verklickern. Denia Nironen überzeugt als Mädchen im Rollstuhl, während sie als Elins große Schwester am Anfang zu schwülstig agiert. Und Gast Arne Gottschling fällt der Part des Jugendlichen Johan deutlich leichter als die Vaterrolle, in die er auch noch schlüpft.

Nächste Aufführung: 15. Februar, 18 Uhr. Reithalle Schiffbauergasse. Karten unter 0331/98118.

Von Karim Saab

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