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Potsdam Führerinnen von Cecilienhof auf den Barrikaden
Lokales Potsdam Führerinnen von Cecilienhof auf den Barrikaden
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10:12 07.06.2017
Birgit Ritschel arbeitet seit 2005 als Schlossführerin in Cecilienhof und hat wie mehrere Kolleginnen kein Verständnis für die Pläne der Stiftung. Quelle: Foto: B.G.
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Cecilienhof

Vielleicht ist mitten in der Passage über Truman und seine Position bei der Potsdamer Konferenz die Zeit abgelaufen. Halbe Stunde vorbei – Schließzeit. „Sollen wir den Leuten dann den Audioguide, der eigentlich eine Stunde läuft, aus der Hand reißen und sie vor die Tür befördern?“, fragt Ulrike Unterleider (50) ungläubig. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Birgit Ritschel (57) und Britt Hogstad Hansen (45) sitzt sie im sogenannten Führerkeller des Schlosses Cecilienhof und wartet auf die nächsten Besuchergruppen. Die drei Frauen sind vor Jahren der Liebe wegen nach Potsdam gezogen. Inzwischen lieben sie auch Potsdam, seine Schlösser und ihren Beruf. Sie sind Schlossführerinnen. Mit Erfahrung – und mit anhaltender Leidenschaft, wie sie betonen. Erfahrung und Leidenschaft lassen die drei nicht hinnehmen, was die Schlösserstiftung offenbar aus wirtschaftlichem Kalkül plant: eine Verkürzung der Öffnungszeiten.

„Das ist uns peinlich“, sagt Birgit Ritschel, die seit zwölf Jahren in Cecilienhof arbeitet und in der DDR Stadtbilderklärerin gelernt hat. Peinlich vor den Besuchern aus aller Welt, die diesen historischen Ort besuchen wollen. Die Schlösser sollen künftig eine halbe bis eine Stunde früher schließen. In der Hauptsaison wäre dann um 17 Uhr, im Winter bereits um 16 Uhr oder gar 15.30 Uhr letzter Einlass. „Bei einem Heimatmuseum in der Provinz kann man das vielleicht machen“, sagt Ulrike Unterleider, die Kunstgeschichte studiert hat. Viele Schulklassen kommen nach Cecilienhof, um etwas über die Deutsche Teilung zu erfahren. „Wir haben einen Bildungsauftrag. Wir repräsentieren auch das politische Deutschland“, ergänzt Britt Hog­stad Hansen, die aus Norwegen stammt. Eine weltoffenes Haus dürfe seinen Gästen nicht so früh die Tür zuschlagen.

Die späten Führungen sind ausgelastet

Zumal das Argument der Fridericus Servicegesellschaft, die als outgesourcte mBH seit 2006 die Führer beschäftigt, nicht zutreffe. Rückläufige Besucherzahlen zwängen die Stiftung dazu, früher zu schließen. „Die letzte Führung um 16.30 Uhr war im Januar, Februar und März sehr gut besucht“, widerspricht Birgit Ritschel. Dass die Besucherzahlen insgesamt zurückgegangen seien, könne durchaus zutreffen. Aber kürzere Öffnungszeiten, bei denen täglich zwei Führungen und damit ja Einnahmen auf der Strecke blieben, könnten nicht die Antwort darauf sein. „Es wurde Missmanagement betrieben und wir sind der Sündenbock“, sagt Ritschel, die zudem freiberuflich bei der Tourist Information Potsdam arbeitet. Den Frauen geht es nicht nur ums Image ihres Hauses, sondern auch um ihre Arbeitsplätze. Um mit einem Nettogehalt zwischen 600 und 1200 Euro über die Runden zu kommen, müssten sie Nebenjobs annehmen. An ihrem Stundenumfang will Fridericus nicht schrauben, trotzdem wirken sich kürze Öffnungszeiten negativ für sie aus, wie Ritschel erläutert: Sie arbeite derzeit 27 Stunden im Schloss, verteilt auf 16 Tage im Monat. Um künftig ihre Stundenzahl erreichen zu können, müsse sie an 18 bis 19 Tagen vor Ort sein und könne dann schwieriger Nebenjobs annehmen. Die Vorstellung, dass künftig vielleicht günstigere Studenten ihre Arbeit übernehmen, ist den Frauen, die Führungen auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Französisch und Norwegisch anbieten, ein Graus. „Man muss auf die Besucher eingehen, den Hintergrund der jeweiligen Nation kennen“, erklärt Britt Hogstad Hansen. „Ich bilde mich ständig weiter, lese viel zur Geschichte“, sagt Birgit Ritschel voll Vorfreude auf die Gruppe, die sie gleich durch Cecilienhof führen wird. 45 Minuten lang. Und keine Minute kürzer.

Von Marion Kaufmann

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