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Potsdam Naturkundemuseum Potsdam bietet Führung für Blinde
Lokales Potsdam Naturkundemuseum Potsdam bietet Führung für Blinde
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19:56 29.01.2019
Fühlen statt sehen. Diese Schwanenfedern gehörten zu den Exponaten der Führung für Sehbehinderte im Potsdamer Naturkundemuseum.
Innenstadt

Haarige Tatsachen im Naturkundemuseum: Wer hat das weicheste Fell? Ist es der Fuchs, dessen Winterpelz so kuschelig ist, dass kein Kätzchen dieser Welt mithalten kann? Oder ist es der Fisch­otter, mit 50 000 Haaren pro Quadratzentimeter der Prahlhans des Tierreichs? Oder der unscheinbare Maulwurf, dessen kurzes Mäntelchen so samtig ist, dass er auch in den engsten Erdgängen problemlos vor- als auch rückwärts laufen kann?

„Bitte nicht berühren!“ – das gilt für diese Besucher nicht

Ja, doch – es ist der Herr Buddelflink, da ist man sich in dem kleinen, munteren Trupp, der am Dienstagnachmittag die märkische Fauna erkundet, nach ausführlichem Tätscheln und Streicheln, Drücken und Tasten, Vergleichen und Fachsimpeln einig. „Bitte nicht berühren!“ – das gilt für die sechs Besucher, die die Führung für Sehbehinderte gebucht haben, nicht. Uhukralle und Hirschgeweih, Eulen- und Schwanenfeder, die Hilfsmittel der Präparatoren – was auch immer Museumspädagogin Annette Theobald ihren Gästen in die Hände legt, tasten sie vorsichtig und geübt ab.

„Das Angebot muss sich noch ein wenig herumsprechen“

Seit vergangenem Jahr bietet das Naturkundemuseum diese spezielle Tour an. Sie ist auf sechs Besucher mit jeweils einer Begleitperson ausgelegt. Das Debüt war ausgebucht, die zweite Runde blieb unbeachtet. „Das Angebot muss sich in Potsdam und dem Umland noch ein wenig herumsprechen“, sagt Museumspädagogin Annette Theobald.

Eiko Henke (37) ist seit einem Arbeitsunfall blind. Museumspädagogin Annette Theobald hat ihm ein Hirschgeweih gereicht. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein Anfang scheint derweil gemacht, wie die dritte Auflage zeigt. Eiko Henke ist aus Wannsee gekommen, aus der Nachbarschaft also – und doch von ziemlich weit her, wenn man sich wie er ohne sehende Begleitung auf den Weg in eine fremde Stadt macht. In Berlin, sagt der 37-Jährige, sind die Angebote für Blinde und Sehbehinderte recht vielfältig, da könne man viel unternehmen. Nach einem Dreivierteljahr an der Hauptstadtgrenze möchte er sich nun endlich auch in Potsdam umtun. Klein Glienicke, einst Exklave der DDR und Sondersicherheitszone, hat er mit der Freundin bereits durchmessen. Er ist mit ihr auch schon über Moorlake zur Glienicker Brücke hinüberspaziert. Nun wagt er sich auf eigene Faust – die Freundin muss arbeiten – weiter nach Potsdam hinein. „Dafür muss man schon ganz gute Nerven haben“, sagt Eiko Henke, der aus Bautzen stammt. Potsdam ist für ihn noch eine große Unbekannte. „Ich kenne nur das Holländische Viertel und Sanssouci, aber das ist lange her“, sagt Eiko Henke: „Vor 15 Jahren war ich hier mal als sehender Tourist zu Besuch.“

Dann stürzte er vom Dach und seine Welt wurde dunkel. Ein Prozent Sehkraft ist Eiko Henke geblieben. Den Job als Planer von Photovoltaikanlagen kann er nicht mehr ausüben. Er arbeitet nun ehrenamtlich im Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein, über den er auch von der Führung im Potsdamer Naturkundemuseum erfahren hat.

Der Sieger im Weichestes-Fell-Wettstreit: der Maulwurf. Quelle: Bernd Gartenschläger

Diese Führung ist nicht nur anregend und lehrreich, sie ist auch poetisch. Annette Theobald beschreibt die Dioramen so bildhaft, dass es ein Genuss ist, ihr zuzuhören. Der Wintergarten zum Beispiel. „Jemand hat ein Vogelhaus aufgestellt. Dort tollen die Vögel herum. Ganz oben sitzen die Finken, sie sind scheu und vorsichtig. Mitten im Haus sitzen die Sperlinge, eine Kohlmeise kommt gerade angeflogen, ein Kleiber wendet uns den Rücken zu. Ganz hinten auf dem Zaun wartet ein Buntspecht darauf, dass er mit Helau und Getöse starten und sich etwas von dem Futter abholen kann. Unter dem Vogelhaus sitzt eine Rotdrossel und hofft, dass ein paar Sonnenblumenkerne herunterfallen – nur einen Meter weiter schleicht sich der Fuchs an, die Spucke tropft ihm förmlich aus dem Maul...“

Drei weitere Führungen für Sehbehinderte in diesem Jahr

Die nächste Führung für Blinde und Seheingeschränkte findet am Dienstag, 26. März, um 15 Uhr statt. Weitere Termine sind der 24. September und der 26. November. Darüber hinaus können Gruppen ab fünf Personen auch individuelle Touren vereinbaren.

Winterferienprogramm in Naturkundemuseum

Das Naturkundemuseum an der Breiten Straße hat Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4 Euro, für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren 2 Euro und für Kinder von 6 bis 12 Jahren 1 Euro. Für Kinder bis 5 Jahre und für Schulklassen ist der Eintritt frei. An jeden 1. Montag im Monat bietet das Museum einen um 50 Prozent ermäßigten Eintritt für alle Besucher an. Kassenschluss ist 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit.

Das Winterferienprogramm im Naturkundemuseum steht in diesem Jahr unter dem Motto „Tiere perfekt versteckt“. Kinder lernen dabei, dass eine trickreiche Tarnung oder ein verborgener Unterschlupf für Tiere im Winter überlebenswichtig sind. Die Kinder entdecken, wie sich Jäger und Gejagte in Zeiten knapper Nahrung verhalten, wer geheimnisvolle Höhlen, unauffällige Baumhäuser und geniale Tarnanzüge nutzt. Und weshalb der Eisbär weiß ist, wird auch erklärt!

Eine Mitmachaktion findet am Mittwoch, 6. Februar, von 9 bis 10 Uhr für Hortgruppen und von 14 bis 15 Uhr für Familien statt; für Hortgruppen ist die Aktion auch am Donnerstag, 7. Februar, von 9 bis 10 Uhr und von 10.30 bis 11.30 Uhr im Angebot. Eine Anmeldung unter 0331/2896707 oder naturkundemuseum@rathaus.potsdam.de ist erforderlich.

Ein Taschenlampenführung findet am Samstag, 9. Februar, um 17.30 Uhr für mutige Kinder ab 6 Jahren und um 18 Uhr speziell für Kinder ab 8 Jahren statt. Auch hierfür muss man sich anmelden.

Von Nadine Fabian

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