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Garnisonkirche: Führungsspitze wechselt

Ex-Verfassungsrichter Matthias Dombert wird neuer Chef Garnisonkirche: Führungsspitze wechselt

Eigentlich hatte Ex-Oberst Burkhart Franck die Führung der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche nach dem Abgang von Johann-Peter Bauer nur ein Jahr lang übernehmen wollen. Es wurden drei, weil sich kein anderer fand. Nun tritt Ex-Verfassungsrichter Matthias Dombert das Amt an.

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Der Anwalt und Ex-Verfassungsrichter Matthias Dombert ist neuer Vorsitzender der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam

Quelle: FWG

Innenstadt.
Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche hat einen neuen Chef. Eine Mitgliederversammlung wählte am Samstag den Anwalt und früheren Verfassungsrichter Matthias Dombert zu ihrem neuen Vorsitzenden. Der seit 1990 in Potsdam tätige Rechtsanwalt wurde bei nur zwei Enthaltungen mit einer klaren Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt. Sein seit 2012 amtierender Vorgänger Burkhart Franck gab das Amt des Vorsitzenden – wie bereits vorher angekündigt - auf und bleibt in der Funktion des Schriftführers Mitglied des Vorstands.

Der neue Vorsitzende will neue Ansätze verfolgen, auch mit einer Verstärkung der Spendenwerbung: „Eine Zeichnung von einem Haus lässt sich schwerer erklären als das Grundgerüst des Hauses“, sagte Dombert am 47. Jahrestag der Sprengung der Garnisonkirche durch die DDR-Staatsführung. Mit dem Turm der Garnisonkirche könne man „sehr gut erklären, wofür die Garnisonkirche stehen wird“. Deswegen werde das Fundraising einer seiner wichtigsten Schwerpunkte, um baldmöglichst mit dem Bau des Turmes beginnen zu können. Es gehe darum, Potsdam ein Wahrzeichen wiederzugeben.

Die Fördergesellschaft, die sich gemeinsam mit der Stiftung Garnisonkirche Potsdam für den Wiederaufbau der Garnisonkirche einsetzt, hat derzeit 935 Mitglieder. Mit der Vergabe von so genannten Zeichnungsscheinen hat die Fördergesellschaft in den letzten Monaten Spendenzusagen in Höhe von 141000 Euro eingeworben. Auch die von der Fördergesellschaft mitverantwortete Internetseite www.unterstuetzen.garnisonkirche.de, auf der Unterstützer einen Aufruf zum Wiederaufbau der Garnisonkirche unterschreiben können, ist mit über 12600 Unterschriften seit September 2014, sehr erfolgreich.

Der scheidende Vorsitzende der Fördergesellschaft, Burkhard Franck, bleibt im Vorstand

Der scheidende Vorsitzende der Fördergesellschaft, Burkhard Franck, bleibt im Vorstand

Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche, Wolfgang Huber, begrüßte den neuen Vorsitzenden in seinem Amt: „Wir sind Burkhart Franck dankbar für die Arbeit, die er bisher für die Fördergesellschaft geleistet hat und freuen uns, nun in Professor Matthias Dombert einen Nachfolger gefunden zu haben, mit dem wir die nächsten Schritte für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche gehen werden. Ich wünsche ihm Gottes Segen auf diesem Weg.“

Neben einem neuen Vorsitzenden hat die Mitgliederversammlung weitere Personen neu in den Vorstand gewählt, um diesen zu ergänzen: den ehemaligen Landtagspräsidenten Gunter Fritsch, die Potsdamer Fotografin Monika Schulz-Fieguth und den Finanzbeamten Peter Struppek, der das Amt des Schatzmeisters übernehmen wird. Der Vorstand der Fördergesellschaft besteht damit unter Führung Domberts aus zwölf Personen.

Ebenfalls am Samstag gab es einen Gottesdienst der sogenannten Profilgemeinde der Garnisonkirche, die nach Angaben von Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst fast 140 Mitglieder hat. Jüngstes Mitglied ist der anglikanische Pfarrer Paul Oestreicher, der das Versöhnungszentrum von Coventry in England leitet. Die St.Michaels-Kathedrale war bei der „Operation Mondscheinsonate“ der deutschen Luftwaffe, dem schweren Luftangriff auf Coventry vom 14. November 1940, zerstört worden. 550 Menschen starben in der Stadt. Der damalige Dompropst Richard Howard ließ bei den Aufräumarbeiten drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen und aus zwei verkohlten Holzbalken ein großes Kreuz zusammensetzen. Während das Holzkreuz in der Ruine der alten Kathedrale blieb, steht das originale Nagelkreuz heute auf dem Altar der benachbarten, 1962 geweihten neuen Kathedrale. Es gilt als Zeichen der Versöhnung und des Friedens.

Der Gedanke einer Gemeinschaft von Nagelkreuzzentren wurde von Bill Williams, Dompropst in Coventry von 1958 bis 1981, entwickelt. Weltweit haben sich ökumenische Glaubensgemeinschaften als Nagelkreuzgemeinschaft gebildet. Ihr gehören in Deutschland derzeit 59 Gemeinden aus 46 Städten an; weltweit sind es derzeit über 160.

Das Nagelkreuz wird von der Gemeinschaft überwiegend an Kirchengemeinden übergeben, um diese in ihrer Versöhnungs- und Friedensarbeit zu stärken. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit erhält jedes Nagelkreuzzentrum ein Kreuz aus drei Nägeln von Coventry, das dem originalen Kreuz nachgebildet ist. Ein Nagelkreuz hängt auch im Spitzbogen des nachgebauten Eingangs der Garnisonkirche an der Breiten Straße.

Das Nagelkreuz von Potsdam hängt im nachgebauten Eingangsportal der Garnisonkirche an der Breiten Straße

Das Nagelkreuz von Potsdam hängt im nachgebauten Eingangsportal der Garnisonkirche an der Breiten Straße.

Quelle: Christel Köster

Der Profilgemeinde der Garnisonkirche, die sich in den letzten Jahren stückweise formiert hat, kann jeder beitreten; niemand muss seine angestammte Kirchengemeinde dafür verlassen. Als „großes Netz von Menschen“ bezeichnet Pfarrerin Radeke-Engst ihre Gemeinde.

Von Rainer Schüler

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