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Potsdam Fünf Attika-Figuren für den Landtag
Lokales Potsdam Fünf Attika-Figuren für den Landtag
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21:35 01.02.2018
Skulpturenfragmente. Ruine und Abriss des Potsdamer Stadtschlosses 1960. Historische Aufnahme von Herbert Posmyk. Quelle: Herbert Posmyk
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Der barocke Figurenschmuck der Attika des Landtags und des Fortunaportals kommt seiner originalen Schönheit ein großes Stück näher. In den nächsten Monaten sollen mehrere der rekonstruierten überlebensgroßen Sandstein-Figuren aufs Dach des Landtags gesetzt werden – darunter auch erstmals weibliche Skulpturen. Auch der Schmuck des Fortunaportals soll weiter komplettiert werden. Zur Marktseite hin kann er um eine riesige, fünf Meter hohe Adlergruppe aus Sandstein ergänzt werden, wie der Vorsitzende des Stadtschloss-Fördervereins, Kunsthistoriker Hans-Joachim Kuke, der MAZ sagte. Der Verein hat die Finanzierung gestemmt: etwa 100 000 Euro für die Adlergruppe und rund 40 000 Euro je Figur. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) begrüßt die Aufstellung der Attika-Figuren. Voraussetzung: Die formalen Voraussetzungen müssen geklärt sein, darunter die Einholung einer städtischen Baugenehmigung für die Aufstellung eines Krans. Schon Anfang Februar wird es ein Treffen mit Vertretern des Landtags und des Stadtschlossvereins geben. Vermutlich ab Ende April kann dann mit der Aufstellung der Figuren begonnen werden.

Blick auf das Stadtschloss und den Obelisken um 1795. Quelle: Bernd Gartenschläger

Bislang ist die Attika des wiedererbauten Stadtschlosses eher mager bestückt. Nur zwei Figuren – Halbgott Herkules und eine Assistenzfigur – wachen über dem Alten Markt. Nun könnte sich aber die Schar der prominenten mythologischen Figuren dank der Initiative des Stadtschloss-Fördervereins mit einem Schlag vervielfachen. In den vergangenen Jahren sind vier Figuren restauriert worden, darunter Hygieia (Göttin der Sauberkeit, Gesundheit und Hygiene) und Ariadne, Halbschwester des blutdürstigen Mischwesens Minotaurus, sowie der „Jüngling mit dem Speer“ und eine zweite Männerfigur.

Auf dem Alten Markt in Potsdam um 1911/1912: Im Vordergrund der Obelsik, dahinter das Stadtschloss. Quelle: Archiv

Bei der fünften Skulptur – dem Jüngling mit der kapitolinischen Gans, der in der Werkstatt des Potsdamer Bildhauer Andreas Klein entstand – hat der Stadtschlossverein Neuland betreten, so Kuke: „Es handelt sich um eine Komplettrekonstruktion, die zeigt: So etwas funktioniert.“ Von der Original-Statue war nichts mehr übrig, weshalb man sich mit Messbildern und Fotos von der Stadtschlossruine behalf. Teilweise musste man detektivischen Spürsinn an den Tag legen, um die alten Bilder zu deuten. „Zuerst haben wir uns gefragt, was diese Kröte zu Fuß des Jünglings soll“, erzählt der Vereinschef amüsiert: „Bis wir die Figur irgendwann als Gans enttarnt haben.“

Kunsthistoriker Hans Joachim Kuke ist seit dem Jahreswechsel neuer Vereinschef des Stadtschloss-Fördervereins. Quelle: Joachim Liebe

Bis zur Erkenntnis, dass es sich um eine der berühmten kapitolinischen Gänse handeln musste, war es nur noch ein kleiner Schritt. Schließlich hat keine andere Gans in der Kunstgeschichte eine ähnliche Karriere hingelegt: „Es ist eine Figur, die zur Wachsamkeit mahnt“, erläutert Kuke die alte Überlieferung. Am Morgen des 18. Ju­li 387 v.Chr. soll das aufmerksame römische Federvieh am Kapitol angesichts der anrückenden Barbaren lautstark Alarm geschlagen und so die schlafenden Bewohner geweckt haben. Kuke ist sich sicher: Als Verehrer der Antike hat Friedrich II. die mythologischen Figuren auf dem Stadtschloss mit Bedacht gewählt.

Ruine und Abriss des Potsdamer Stadtschlosses 1960. Historische Aufnahme von Herbert Posmyk. Quelle: Herbert Posmyk/Edition Braus

Insgesamt schmückten einst 76 Figuren das Dach des friderizianischen Stadtschlosses. Weil beim rekonstruierten Landtagsbau auf die Skulpturen zum Innenhof hin verzichtet werden soll, reduziert sich die Zahl auf etwa 30 Götter und mythologische Figuren. Nach wie vor ungelöst ist das Problem der „exilierten“ acht Attika-Figuren des Stadtschlosses, die seit 1966 die Humboldt-Universität zieren. Berlin will sie nicht wieder hergeben. „Die Potsdamer Stadtspitze erklärt sich einfach für unzuständig“, ärgert sich Vereinschef Kuke. Er würde sich mehr Schützenhilfe wünschen. Zudem sorgt er sich wegen des Zustands der Statuen; er sieht sie gefährdet: „Sie stehen seit 50 Jahren in der Berliner Großstadtluft und müssten dringend restauriert werden.“ Davon sei aber weit und breit nichts zu sehen, so Kuke.

Positive Neuigkeiten gibt es hingegen von der Stiftung Schlösser und Gärten (SPSG), wo das Gros der Stadtschlossfiguren im Schirrhof steht. Wie Stiftungssprecher Frank Kallensee gestern auf Anfrage bestätigte, hat die Schlösserstiftung eine Privatspende „in signifikanter Höhe für den Zweck der Restaurierung erhalten“. Allerdings sollen weder die Summe noch der Name des Gebers bekannt werden.

Vom Dach ins Depot

Die Dacheinfassung des Stadtschlosses, das zwischen 1744 und 1751 im Stil des friderizianischen Rokokos ausgebaut wurde, zierten ursprünglich 76 überlebensgroße Standbilder nach Motiven der antiken Mythologie.

Bei einem britischen Luftangriff im April 1945 brannte das Gebäude bis auf die Außenmauern nieder. Die Ruine wurde 1960 gesprengt. Mehrere von Krieg und Abriss verschonte Statuen standen einige Zeit im Park Sanssouci, lagerten dann in einem Wald bei Potsdam, ehe sie in ein Depot der Schlösserstiftung kamen.

Von Ildiko Röd

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