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Für Flüchtling und Helfer gibt’s jetzt “HelpTo“

Digitales „Schwarzes Brett“ Für Flüchtling und Helfer gibt’s jetzt “HelpTo“

Mit Unterstützung der MAZ startet in Potsdam „HelpTo“ – ein Internetportal zur Vernetzung der Flüchtlinge. Das Pilotprojekt soll bald landesweit ausgeweitet werden und später in ganz Deutschland die Koordination der Flüchtlinge erleichtern. Aber auch die Asylbewerber selbst können nun einfacher kommunizieren.

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Die meisten Flüchtlinge sind auf Smartphone und Internet angewiesen, um mit Verwandten und Helfern zu kommunizieren.
 

Quelle: Ralf Koss

Potsdam.  Die Zukunftstechnologie zur Koordination von Flüchtlingshilfen kommt aus Potsdam. Der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt hat das Internetportal HelpTo entwickelt, mit dem Flüchtlinge und Helfer, Spender und Kommunen direkt vernetzt werden. Es funktioniert wie ein digitales schwarzes Brett, Nutzer können kostenfrei Angebote und Gesuche formulieren oder auf solche reagieren. Ein internes Nachrichten-System ermöglicht eine geschützte Kommunikation. In den kommenden Tagen geht mit potsdam.helpto.de das erste Stadtportal online, das speziell auf die Landeshauptstadt zugeschnitten ist. Bereits wenige Tage später startet ein entsprechendes Internetportal für Königs Wusterhausen. Bis Jahresende folgen weitere Brandenburger Kommunen. Im kommenden Jahr soll HelpTo in ganz Deutschland genutzt werden können. Die MAZ unterstützt die Initiative.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte bereits auf dem städtischen Toleranzfest Mitte September in Groß Glienicke durchblicken lassen, dass der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt in Sachen Vernetzung von Flüchtlingshilfen tätig werden wird. Seit Mai ist die Landeshauptstadt bereits in die Entwicklung von HelpTo involviert, sie ist offizieller Partner des Projekts. Die städtische Servicestelle Tolerantes und sicheres Potsdam (Tosip) wird das Portal künftig nutzen. Die Potsdamer Flüchtlingsunterkünfte, die bisher entweder auf eigenen Internetseiten oder über die Tosip statische Bedarfslisten online gestellt haben, sind ebenfalls bei HelpTo eingebunden. Ziel des Projekts ist es, einen zentralen Anlaufpunkt zu schaffen, der jederzeit von jedermann unkompliziert genutzt werden kann. „Es ersetzt dabei nicht die Arbeit der Initiativen vor Ort“, so Daniel Wetzel vom Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt, „es soll deren Arbeit erleichtern.“

Komplett kostenfrei

Neben Stadt und Verein waren die medienlabor GmbH und die Christoph Miethke GmbH & Co KG an der Entwicklung von HelpTo beteiligt. Programmierer und Designer arbeiteten ehrenamtlich. Die Nutzung des Portals soll komplett kostenlos bleiben. Deswegen wird das Projekt von zahlreichen Einrichtungen, Initiativen, Firmen und Privatpersonen ideell und finanziell unterstützt, darunter Persönlichkeiten wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Universitätsprofessor Heinz Kleger, Uwe-Karsten Heye und SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein sowie die Landeszentrale für politische Bildung, die Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg, die Vereine ProWissen Potsdam und Gesicht zeigen und der AWO-Landesverband. Die MAZ begleitet das Projekt als regionaler Medienpartner. Da für die Weiterentwicklung und Betreuung des Portals neben ehrenamtlicher Arbeit auch Kosten anfallen, werden weitere Unterstützer gesucht.

Zweisprachiges Portal

Mithilfe des zunächst zweisprachigen Internetportals (die Seite können in deutscher und englischer Sprache abgerufen werden), sind auch erstmals Flüchtlinge selbst in der Lage, Gesuche zu formulieren – sei es die Suche nach einem Sprachvermittler, einer Sachspende oder einer Information. Die globaleren Bedarfe werden weiterhin von den Trägern der Unterkünfte und Koordinierungsstellen formuliert, durch HelpTo aber einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die direkt reagieren kann. Geordnet nach Kategorien wie Persönliche Hilfe im Alltag, Begegnung und Begleitung, Sachspenden, Praktika/ Ausbildung/ Arbeit und Wohnen können Gesuche und Angebote im Anzeigenformat eingestellt werden. „In der Seitenstruktur benutzen wir einfache Begriffe und Piktogramme, damit sich auch Menschen, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, zurechtfinden“, erklärt Daniel Wetzel. Weitere Sprachversionen könnten folgen. „Aber viele Flüchtlinge benutzen bereits im Alltag Translationstools in Browsern oder Smartphones, um Übersetzungen zu erhalten“, so Wetzel.

Direkter Kontakt möglich

Eine Anmeldung bei HelpTo erfolgt nur mittels Benutzername und Email-Adresse, weitere Daten müssen nicht preisgegeben werden. Mithilfe des internen Nachrichten-Systems können die Akteure direkt in Kontakt treten. „Das dient auch der Vorbeugung“, sagt Wetzel – damit das Portal nicht missbraucht würde. Problematische Inhalte können zudem gemeldet werden und werden dann entfernt. Auf den Stadtportalen finden sich zusätzlich Informationen über die Flüchtlingsunterkünfte, zentrale Ansprechpartner und rechtliche Hinweise. Initiativen können Profilseiten erstellen. Ein Newsblog vermeldet wichtige Entwicklungen.

„Mit HelpTo wird eine Forderung von Oberbürgermeister Jann Jakobs umgesetzt“, so Daniel Wetzel. Über die derzeitige Phase einer schnellen Hilfe für ankommende Flüchtlinge hinaus könne das Internetportal zur Unterstützung von hier lebenden Menschen genutzt werden. „Jakobs hatte dazu aufgefordert, schon jetzt größer und längerfristig zu denken“, so Wetzel, „mit HelpTo lässt sich auch eine nachhaltige Integrationsarbeit organisieren.“

Von Marcel Kirf

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