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Für Flüchtlinge fehlt Potsdamern die Zeit

Bürgerumfrage zum Thema Asyl Für Flüchtlinge fehlt Potsdamern die Zeit

Potsdamer erleben ihre Stadt als tolerant, direkten Kontakt zu Flüchtlingen haben aber nur wenige, wie aus einer Bürgerbefragung der Stadt hervorgeht. Auch beim Helfen gehen viele auf Distanz: Sachspenden werden gerne gegeben, doch für ehrenamtliches Engagement fehlt offenbar vielen die Zeit.

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Anwohner konnten sich am Montag ein Bild von den Leichtbauhallen in Neu Fahrland machen.

Quelle: Köster

Potsdam. Toleranz auf Distanz: Der Großteil der Potsdamer lobt seine Stadt als weltoffen, kommt aber selbst kaum mit Flüchtlingen in Kontakt. 86 Prozent der Potsdamer beantworten die Frage, ob die Landeshauptstadt eine tolerante Stadt sei mit Ja. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von Potsdamern im Alter zwischen 16 bis 79 Jahren hervor, die am Montag vorgestellt wurde. Etwas mehr als zwei Drittel der Befragten erklärten, keinen regelmäßigen Kontakt zu Asylsuchenden zu haben. Am Positivsten bewerten die Älteren ab 65 Jahren das Zusammenleben mit Flüchtlingen, gefolgt von den unter 30-Jährigen. In der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen gaben weniger als 50 Prozent eine positive Wertung ab.

„Es gibt auch skeptische Stimmen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass in Potsdam die Stimmung gekippt ist“, so Potsdam Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos). „Insgesamt stoßen Flüchtlinge in Potsdam auf Akzeptanz. Das liegt vor allem daran, dass kein Stadtteil überfordert wurde, sondern die Unterkünfte über das Stadtgebiet verteilt sind.“Im Vorjahr sind in Potsdam rund 1500 Flüchtlinge angekommen – 1000 weniger als prognostiziert. Anders als andere Städte verfüge Potsdam nicht über eine „Massenunterkunft“, so Müller-Preinesberger.

Bürger fühlen sich zum Thema Flüchtlinge schlecht informiert

Bemerkenswert: Viele Bürger beklagen Informationsdefizite zum Thema Flüchtlinge. 84 Prozent fühlen sich gar nicht oder kaum zu Integrationsangeboten informiert. Auch zu Gemeinschaftsunterkünften und den Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements fehlten vielen das Wissen. Eine mögliche Erklärung für diesen schlechten Wert: Die Befragung mit 1900 Teilnehmern fand bereits im September 2015 statt. 15 Bürgerversammlungen für künftige Nachbarn von Unterkünften wurden erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 abgehalten. Selbst aktiv auf Informationssuche gehen viele Bürger offenbar nicht: Nach teils hitzigen Versammlungen am Stern und in Drewitz hatte die Stadt vor Ort Bürgersprechstunden angeboten. „In Drewitz kam kein einziger Bürger, Am Stern waren es zwei“, so Müller-Preinesberger. Das Engagement für Flüchtlinge konzentriert sich auf zeitunaufwändige Hilfe: 26,8 Prozent gaben an, Asylsuchende durch Sachspenden zu unterstützten. 6,4 Prozent spendeten Geld. Ehrenamtliche für Flüchtlingen engagiert sind nur 5,3 Prozent der Befragten.

Am Montag war für Anwohner Gelegenheit, bei einem Tag der offenen Tür die Leichtbauhallen für Flüchtlinge in Neu Fahrland zu besichtigen. Um die Unterkunft hatte es Streit zwischen Ortsteil und Stadt gegeben, weil sie in eine Erdgrube gesetzt worden war. Die Hallen werden vorerst nicht bezogen. Der einzige bislang genutzte Leichtbauhallenstandort An der Sandscholle in Babelsberg soll laut Müller-Preinesberger auch sukzessive leergezogen werden, weil in festen Unterkünften, etwa im alten Landtag auf dem Brauhausberg, noch Plätze frei sind.

In diesem Jahr will sich die Stadt schwerpunktmäßig darum kümmern, dass die Integration von Flüchtlingen gut gelingt. Kitas können für jedes Flüchtlingskind 240 Euro pro Monat von der Stadt bekommen, etwa um Personal einszustellen oder Spielzeug und Lernmaterial anzuschaffen, das die Deutschkenntnisse fördert. Insgesamt sind allein dafür rund 450 000 Euro in diesem Jahr eingeplant.

Von Marion Kaufmann

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