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Potsdam Für den Biber wird es eng
Lokales Potsdam Für den Biber wird es eng
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10:38 25.04.2017
Die Biberexperten (v.l.) Burghard und Petra Sell mit Ina Pokorny vom Naturkundemuseum, die einen Biberschädel präsentiert. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Mehr als 150 Jahre waren die Biber aus den Havelgewässern verschwunden. Um 1850 hatte man das Tier mit dem begehrten Pelz in Brandenburg ausgerottet, sagt Burghard Sell, der Biberexperte des Naturschutzbundes. Gemeinsam mit seiner Frau Petra beobachtet er seit gut zehn Jahren die Heimkehr des zweitgrößten Nagetiers der Welt aus den Elbauen, wo es überdauerte, in Potsdams Gewässer.

2005 kam die erste Meldung eines Tieres, das in der Nuthe vis-a-vis zum Zentrum-Ost gesichtet wurde. Burghard Sell selbst hat ein Jahr später in der Nuthe nahe dem Aradosee den ersten Kopf gesehen: „Es dauerte kaum zwei Sekunden, dann war er wieder abgetaucht“. Als im Dezember 2016 am Schlaatz die erste zwei Weiden fielen, hat er sich auf die Lauer begeben.

Acht Wochen sollte es dauern, bis Sell nahe dem Sportplatz trotz perfekter Tarnung den ersten Biberbau entdeckte. Ein Hinweis war der kleine Trampelpfad an einer nahen Ein- und Ausstiegsstelle. Den sehr scheuen Nager selbst bekam er kaum zu Gesicht, dafür sah Burghard Sell Äste mit Laub, die gegen die Strömung schwammen – Futtervorrat, den der Biber zum Bau schleppte: „Ich habe beobachtet, wo er mit dem Holz abtaucht.“

Übersicht des Naturkundemuseums über Biberreviere in Potsdam und Umgebung. Quelle: Detlev Scheerbarth

Binnen weniger Jahre haben sich die Biber praktisch flächendeckend in den Potsdamer Gewässern ausgebreitet. Auf einer Karte des Naturkundemuseums sind im Bereich der Insel zwischen Schwielow-, Schlänitz- und Jungfernsee rund 20 Reviere eingezeichnet. Das jüngste ist laut Sell vor zwei Jahren an der Babelsberger Enge entstanden. Demnächst rechne er mit einer Entdeckung am Sacrower See. Doch mehr sei kaum noch zu erwarten.

Denn Biber, die sich von mehr als 300 unterschiedlichen Pflanzenarten ernähren, benötigten einen bestimmten Lebensraum, um sich ernähren und fortpflanzen zu können. „Fehlt ihnen die Nahrung, fangen sie an zu schwächeln und zu kränkeln und der Nachwuchs bleibt aus.“ An der Nuthe, hat Sell beobachtet, sind die Reviere von früher sechs auf eine Ausdehnung von kaum noch drei Kilometern geschrumpft. Weniger ginge nicht.

Ein Biber im Wasser. Quelle: dpa-Zentralbild

Markiert werden die Reviere mit einem „Bibergeil“ genannten Analdrüsensekret, das nach Schilderung von Petra Sell an gebratenen Speck erinnert. Die Reviere werden unter dem Einsatz scharfer Nagezähnen hart umkämpft. Sobald die Jungen alt genug sind, werden sie von den Elterntieren davon gejagt. An den Nachbarfamilien vorbei, müssen sie sich einen eigenen Platz zum Leben suchen.

Der erste tote Biber in Potsdamer Gewässern, er trieb an der Freundschaftsinsel vorbei, wurde im Juni 2011 vom damaligen Inselgärtner Jörg Näthe gemeldet. Mittlerweile stieg die Zahl der sogenannten Totfunde auf ein halbes Dutzend pro Jahr. Die Hälfte von ihnen sind Opfer von Verkehrsunfällen. Manche Biber werden vom Baum erschlagen, andere ertrinken in Reusen, in Schleusen, manche auch im Pool. Biber sterben in Schiffsschrauben und im Straßenverkehr.

Die Biegung der Bundesstraße 2 bei Krampnitz nahe dem Rotkehlchenweg wird von den Tierfreunden mittlerweile „Todeskurve“ genannt. Sechs Biber wurden dort in den letzten Jahren totgefahren. „Da wurde eine komplette Familie ausgelöscht“, sagt Burghard Sell. Auch für Autofahrer sei die Begegnung nicht ungefährlich. Mit einem Meter Länge ist der Biber stattlich und mit 30 Kilogramm Gewicht doppelt so schwer wie ein Reh.

Frisch angenagter Baum an der Nuthe nahe der Stadtrandsiedlung in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Biber bauen sich ihre Umgebung“, sagt Ina Pokorny, die Großtier-Expertin im Naturkundemuseum. Sie meint damit auch die besondere Artenvielfalt von Fischen, Libellen, Wasserkäfern und anderen Insekten, die im Umfeld der emsigen Nager beobachtet wird. Aus Holz errichtete Biberburgen gibt es in Potsdam kaum: „Wo er die Möglichkeit hat, legt er lieber einen Erdbau an“, sagt Sell. Das mache weniger Arbeit. An der Nuthe seien die Bedingungen dafür perfekt. Der einzige natürliche Feind des Bibers sei der Wolf. Richtig zu schaffen mache ihm nur der Mensch.

Burghard Sell berichtet von einer gut eineinhalb Jahre zurückliegenden maschinellen „Böschungsreinigung“ an der Nuthe, bei der kurz vor dem Anbruch des Winters mit dem Gehölz am Ufer die Nahrungsgrundlage der Biber beseitigt wurde. Mit einer Raupe seien auch zwei Baue zerstört worden. Eine Strafanzeige sei gestellt worden, ohne dass es Konsequenzen hatte.

Von Volker Oelschläger

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