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Garnisonkirchengemeinde gründet sich

Pfarrerin wirbt um Mitglieder in Potsdam Garnisonkirchengemeinde gründet sich

Die Garnisonkirche steht noch nicht und dennoch soll sich bereits eine Kirchengemeinde gründen. Derzeit wirbt die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau um Mitglieder. Wer sich dafür entscheidet, muss seine angestammte Kirchengemeinde in Potsdam aber nicht zwingend verlassen, denn eine „Doppelmitgliedschaft“ ist möglich.

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Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst wird bald Gemeindemitglieder begrüßen dürfen.

Quelle: Christel Köster

Potsdam, . Die Garnisonkirche gibt es zwar noch nicht – dennoch wird es bald eine eigene Kirchengemeinde für sie geben. Ihr Name: „Nagelkreuzgemeinde Garnisonkirche Potsdam“. Am 23. Juni – Jahrestag der Gründung der Garnisonkirchenstiftung und Jahrestag der Kirchensprengung im Jahr 2008 – soll sie offiziell gegründet werden. Weil das aber ein Werktag ist, wird schon vorher gefeiert. Am Sonnabend, dem 20. Juni, findet um 18 Uhr ein Gottesdienst mit anschließendem Sektempfang statt.

Bei der neuen Nagelkreuzgemeinde handelt es sich um eine besondere Gemeinde: eine so genannte Profilgemeinde. „In ihr kann sich jede Interessierte/jeder Interessierter unabhängig von Kirchenmitgliedschaft oder Zugehörigkeit zu einer anderen Gemeinde anschließen. Es erfolgen keine Eingemeindungen in diese Profilgemeinde, deren Profil durch den Dreischritt ,Erinnern, lernen und leben’ geprägt ist“, heißt es auf der Internet-Seite der Garnisonkirche.

Während man sich bei dieser Gemeindeform durch das spezielle Profil definiert, sind Kirchengemeinden sonst in der Regel einem bestimmten geografischen Umfeld zugeordnet.

Fragen an den Theologischen Vorstand

MAZ: Was ist der Unterschied zwischen Profilgemeinde und Gemeinde vor Ort?

Martin Vogel: Die Evangelischen Kirche besteht im Regelfall aus Ortsgemeinden, in denen sich die Gemeindeglieder eines bestimmten Kiezes, benachbarter Dörfer oder eines Stadtbezirks zusammenfinden. In Potsdam wäre das etwa die Kirchengemeinde Babelsberg oder die Nikolaikirchengemeinde. Darüber hinaus gibt es aber auch andere Organisationsformen. Am Berliner Dom hat sich eine Personalgemeinde gesammelt, bei der einzelne Protestanten unabhängig vom Wohnort ihre Mitgliedschaft in dieser Gemeinde beantragen können. Es gibt zudem Anstaltsgemeinden von diakonischen Einrichtungen wie etwa auf Hermannswerder oder auch evangelische Netzwerke wie die Christlichen Motorradfahrer, den CVJM oder aber die Evangelische Studierendengemeinde.

An der Nagelkreuzkapelle nutzen ganz unterschiedliche Gruppen die Angebote von Pfarrerin Radeke-Engst oder besuchen die Veranstaltungen der Fördergesellschaft. Dabei hat sich in den letzten drei Jahren eine Gottesdienstgemeinde herausgebildet, die das besondere Profil der inhaltlichen Arbeit an diesem Ort schätzt und sich deshalb dort beheimatet fühlen. Das sind Leute, die zum Beispiel den Abend mit Avi Primor unbedingt miterleben wollten. Diese Tendenz beschreiben wir damit, dass sich eine Profilgemeinde gebildet hat und weiter entwickeln wird. Darüber freuen wir uns sehr!

Gibt es nicht schon genug Gemeinden in Potsdam?

Vogel: Eine weitere Ortsgemeinde ist nicht nötig. Ein Ort, an dem sich Menschen intensiv damit befassen, wie es denn aussehen kann, gemeinsam Geschichte zu erinnern, Verantwortung zu lernen und Versöhnung zu leben – das wäre durchaus als hilfreiche Ergänzung zu der wichtigen Arbeit in den Ortsgemeinden.

Können auch Mitglieder aus ganz Deutschland beziehungsweise der ganzen Welt der Gemeinde angehören?

Vogel: Ja, ganz egal ob Frau, Kind oder Mann. Wir nehmen auch gern Interessebekundungen aus Boston und Moskau. Unsere Profilgemeinde lebt von Engagement. Das ist wesentlich. Es handelt sich ja nicht um eine starre Institution wie ein Verein mit eingetragenen Mitgliedern. Es geht eher um ein dynamisches Netzwerk. Unsere Nagelkreuzkapelle ist ein offener Ort für Touristen und Passanten. Manche sind nur sporadisch zu Gast und andere kommen zu fast jedem Gottesdienst.

Warum hat man nicht eine ortsgebunde Gemeinde gegründet?

Vogel: Die Nagelkreuzkapelle liegt im Einzugsgebiet der Heilig-Kreuz-Gemeinde und nicht in einem Vakuum. Insofern gibt schon eine zuständige Ortsgemeinde. Wenn also derzeit ein Kind in der Nagelkreuzkapelle getauft wird, erhält die Taufurkunde das Siegel der Heilig-Kreuz-Gemeinde. Es gibt eine enge Abstimmung zwischen Nagelkreuzkapelle und Heilig-Kreuz-Gemeinde. Pfarrer Nooke und Pfarrerin Radeke-Engst sind hier die wesentlichen Kommunikatoren. Wir sind ja im Blick auf das Gemeindeleben noch sehr am Anfang. Die starke Frequentierung der Nagelkreuzkapelle zeigt uns aber den vorhandenen Bedarf.

Derzeit werden potenzielle Mitglieder für die neue Profilgemeinde angeschrieben. „Wenn auch Ihnen der Aufbau einer Kirche mit einer Gemeinde wichtig ist, dann melden Sie sich“, wirbt Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst derzeit brieflich um neue Mitglieder und erläutert gleichzeitig die Modalitäten für die Interessierten: „Sie bleiben dann weiterhin Mitglied Ihrer Kirchengemeinde, sind aber zugleich Mitglieder der Nagelkreuzgemeinde und zeigen, wir bauen eine Kirche auf, die Sprengung bleibt nicht das letzte Wort.“

Knapp hundert Frauen und Männer hätten sich bereits in die Liste der Profilgemeinde aufnehmen lassen, heißt es.

Im Herbst wird es eine Gemeindeversammlung geben, um die Arbeit für das nächste Jahr zu planen.

Drei Gemeindebeiräte haben schon ihre Arbeit aufgenommen, um die Arbeit von Pfarrerin Radeke-Engst zu beraten. Ein Gemeindebeirat wirkt unterstützend bei Veranstaltungen, plant die kirchenmusikalische Arbeit und die Friedensarbeit. Außerdem sitzen im Gemeindebeirat Experten für Friedensarbeit. Daneben gibt es noch einen Friedensgebetsbeirat sowie einen pädagogischen Beirat.

 

Von Ildiko Röd

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