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Potsdam Das Fundament ist gelegt
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20:53 26.10.2018
Blick in die Baugrube der Garnisonkirche. In der kommenden Woche soll die Bodenplatte betoniert werden. Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

Am Montag jährt sich der Beginn des Wiederaufbaus des Garnisonkirchturms an der Breiten Straße zum ersten Mal – am Dienstag wird nun das Fundament des Gebäudes fertig. Vor einem Jahr wurde der Baustart mit einem Gottesdienst am Baufeld gefeiert, begleitet von lautstarken Protestaktionen von Wiederaufbau-Kritikern.

Auch der Auftakt der tatsächlichen Arbeiten an dem fast 90 Meter hohen Bauwerk ging dann nicht reibungslos über die Bühne. So mussten wegen des schwierigen Geländes die Gründungsarbeiten für die Fundamentpfeiler ausgesetzt werden. Momentaner Zeitverzug: etwa ein halbes Jahr.

Doch pünktlich zum „Einjährigen“ kann die Garnisonkirchenstiftung nun gute Neuigkeiten verkünden. „Für den 30. Oktober ist das Betonieren der Bodenplatte vorgesehen“, erklärt der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg. Am Dienstag wird die 50 Zentimeter dicke Bodenplatte in einem Guss fertiggestellt. Sie ruht auf 38 Gründungspfählen, die fast 40 Meter tief ins Erdreich getrieben worden sind. Ähnlich Tischbeinen bieten sie Halt für die Platte. Wie es mit dem Hochbau zeitlich weitergeht, soll in den nächsten Tagen mit den beauftragten Firmen konkretisiert werden, so Eschenburg. Für Star-Architekt Thomas Albrecht vom Büro Hilmer & Sattler und Albrecht ist jetzt schon klar: „Es ist das aufregendste und schönste Projekt, das wir je gemacht haben.“

Mit der Schlussetappe bei der Fertigung des Fundaments rückt der Hochbau in greifbare Nähe. Sprich: Jener Moment, ab dem man das Gebäude in die Höhe wachsen sehen kann. Dafür muss dann die Baustelleneinrichtung gewechselt werden.

Erste Betonnage für die Fundamentplatte des Turmes der Garnisonkirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Imposant ist auch die Zahl der Ziegel, aus denen der Turm aufgemauert wird. 2,3 Millionen Stück aus der Thüringer Manufaktur Wienerberger sollen angeliefert werden. „Wir sind ein großes Stück vorangekommen“, bilanziert Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Garnisonkirchenstiftung. „Das Innenleben des künftigen Turmes wächst mit dem Gebäude.“ Davon zeugt nicht zuletzt die Arbeit des neugegründeten Wissenschaftlichen Beirates unter dem Vorsitzenden Paul Nolte, der die Arbeit der Stiftung „wohlwollend-kritisch“ begleiten soll.

„Im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit steht die Friedens- und Versöhnungsarbeit“, sagt Matthias Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG). Während die Bauarbeiter Stein auf Stein den Turm mauern, feilen Stiftung, FWG, Nagelkreuzgemeinde und Wissenschaftlicher Beirat am inhaltlichen Konzept der Versöhnungsarbeit, die den Turm prägen wird, so Dombert.

Trotz der Fortschritte gibt es allerdings auch noch offene Baustellen bei dem Projekt. Hauptpunkt ist die Finanzierung. Eschenburg: „Es fehlen noch rund zehn Millionen Euro für die Vollendung des Turms mit Glockenturm, Haube und Zierrat.“ Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Turm auf 38,7 Millionen. Der aktuelle Kontostand – 28 Millionen – setzt sich folgendermaßen zusammen: Zwölf Millionen Euro fließen seit Jahresbeginn aus einem Topf mit Bundesmitteln. Fünf Millionen Euro zinsfreie Kredite steuert die evangelische Kirche bei; der Rest sind Spendengelder.

Mit den verfügbaren 28 Millionen käme nur ein Turm-Torso zustande – ohne Glockenturm, Haube und Zierrat. Der Turm hätte dann bis zur Aussichtplattform eine Höhe von 57 Metern. „Das entspricht der Höhe des Hotel Mercure“, macht Eschenburg den Vergleich auf.

Was neben der Rest-Finanzierung auch noch fehlt, ist die Verlängerung der Baugenehmigung für den Turm. Gemäß der alten Baugenehmigung müsste die bauordnungsrechtliche Abnahme im Sommer 2020 erfolgen, was aus Sicht der Stiftung jedoch ein zu enges Zeitkorsett darstellt. Deshalb wurde bereits vor einigen Monaten eine Verlängerung bei der Stadt beantragt.

Blick auf die Baustelle des Turmes der Garnisonkirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Endgültig grünes Licht gibt es zwar noch nicht. Aber: „Ich finde es gut, dass sich die Stiftung rechtzeitig um die Beantragung einer erneuten Baugenehmigung gekümmert hat“, sagte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) gestern auf MAZ-Nachfrage.

Unmittelbar verknüpft mit dem Wiederaufbau des Kirchturms ist die Zukunft des Kreativhauses im Rechenzentrum. Wie berichtet, ist dessen Fortbestand noch bis Ende 2023 gesichert – bis dahin soll eine Ausweichmöglichkeit in der Nachbarschaft geschaffen werden. Eine Machbarkeitsstudie soll bis zum ersten Quartal 2019 die Rahmenbedingungen für ein neues Kulturquartier an der Plantage ermitteln.

Auf der Turm-Baustelle gibt es kostenlose Baustellenführungen, die immer mittwochs – außer an Feiertagen – stattfinden. Beginn ist um 14 Uhr. Eine Anmeldung ist, außer für Gruppen, nicht erforderlich.

Von Ildiko Röd

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