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Der große Wurf ist möglich

Fusion der Verkehrsbetriebe Der große Wurf ist möglich

Die Grünen und die SPD von Potsdam halten eine Fusion des städtischen Verkehrsbetriebes ViP mit der Mittelmark-Sparre von Havelbus für sinnvoll und wirtschaftlich geboten. Die Stadtverwaltung soll Vor- und Nachteile einer Fusion prüfen. Die MAZ fragte bei beiden Unternehmen nach, ob sie die Konkurrenz beenden wollen.

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Busse von ViP und Havelbus am Potsdamer Hauptbahnhof.

Quelle: BG

Potsdam. Die Sozialdemokraten und die Grünen in Potsdam wollen die zwei großen Verkehrsbetriebe der Region verschmelzen: den Potsdamer ViP und die Mittelmark-Sparte von Havelbus. Die Konkurrenz in Potsdam und dem Umland soll aufhören. Parallelverkehre könnten vermieden, dafür aber Fahrpläne so stark verdichtet werden, dass der öffentliche Personennahverkehr tatsächlich eine Alternative zum Autofahren wird.

Die Fusion steht nicht unmittelbar an, doch hätte sie weitreichende Konsequenzen: Die Betriebe haben zusammen mehr als 660 Mitarbeiter, etwa 160 Busse – der ViP dazu 54 Straßenbahnen. Dabei befördert der ViP 32 Millionen Fahrgäste im Jahr, Havelbus 10,5 Millionen.

Stellen und Standorte stünden auf dem Spiel – derzeit ist alles doppelt vorhanden: Depots, Werkstätten, Buchhaltung. Ein Großbetrieb könnte günstiger einkaufen, Verwaltungen zusammenlegen und Strecken ohne Rücksicht auf Konzessions-Egoismen sinnvoll planen.

Eine Fusion wird nach Einschätzung von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) keinesfalls binnen zwei Jahren realisiert. „Es sind vollkommen unterschiedliche Strukturbedingungen in Potsdam und dem Landkreis, die wir aufeinander abstimmen müssen“, sagte Jakobs, doch würde die Fusion „beiden Seiten helfen, ihre Verkehrsprobleme zu lösen. Sie böte jede Menge Chancen.“ In einer Studie habe man in der Vergangenheit die Fusion von ViP, Havelbus und den Verkehrsbetrieben der Stadt Brandenburg an der Havel analysiert, sagte Jakobs. Bei einer vollkommenen Verschmelzung dieser Betriebe ging diese Studie von einem jährlichen Einsparpotenzial von fünf Millionen Euro aus. Auch eine kleinere Fusion werde positive finanzielle Effekte haben: „Dieses Geld können wir zur Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs nutzen.“

Die SPD und die Grünen, die eine Prüfung der Fusion beantragt haben, halten eine bessere Verflechtung der Verkehrsräume von Potsdam und Potsdam-Mittelmark, „die bisher an der natürlichen Konkurrenz beider Unternehmen gescheitert ist“, für überfällig. Besonders angesichts der anstehenden Investitionsentscheidungen zum Neubau von Tram-
strecken in den Norden der Stadt und nach Teltow sei es „erforderlich, alle Optionen eines größeren, gemeinsamen Verkehrsbetriebes zu prüfen.“

Für den Landkreis Potsdam-Mittelmark indes ist eine Fusion des mittelmärkischen Teils des ehemaligen Havelbuskonzerns mit dem Verkehrsbetrieb in Potsdam (ViP) derzeit„kein Thema“, zitiert Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Nach der Teilung der Gesellschaft konzentriere sich der Kreis auf die Aufrechterhaltung des Linienverkehrs durch die frühere Konzerntochter Beelitzer Verkehrs- und Servicegesellschaft (BVSG). Perspektivisch strebe der Kreis eine Zusammenlegung der BVSG mit der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft Bad Belzig (VGB) zu einem neuen mittelmärkischen Verkehrsunternehmen an. „Die Havelbus-Verkehrsgesellschaft hat noch mit sich selber zu tun, weil sie zwischen den Landkreisen Havelland und Potsdam-Mittelmark aufgeteilt wird“, sagte auch Potsdams Oberbürgermeister Jakobs. Dieser Prozess müsse erst abgeschlossen sein. Es gebe aber Bereitschaft, miteinander zu reden. „Wir sind noch nicht in der Phase der konkreten Verhandlungen. Wir haben uns gegenseitig versichert, dass das eine Option ist.“

Von Rainer Schüler

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