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"Fußball ist Volkstheater"
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Ex-Nulldrei-Manager Klaus Brüggemann teilt aus "Fußball ist Volkstheater"

Im März trennte sich der SV Babelsberg 03 von Manager Klaus Brüggemann. Der 54-Jährige blickt im Interview auf seine Zeit in Babelsberg zurück.

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Klaus Brüggemann.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. MAZ:  Sie standen vor Ihrem Rauswurf heftig in der Kritik...   

Klaus Brüggemann:  Was meine Person angeht, war am Anfang alles toll. Wir haben mit dem Geschäftsstellenteam und dem alten Vorstand einiges bewegt. Als ich kam, gab es ungeklärte Bauforderungen über 500  000 Euro, keine Leistungsdiagnostik, keinen Mannschaftsbus, kein Nachwuchskonzept, kein Scouting- und Spielanalysesystem usw. An Sponsoring habe ich alleine fast 400  000 Euro neu generiert. Als die notwendige Entlassung von Trainer Dietmar Demuth kam, war ich für viele nur noch der Scheiß-Wessi und Ex-Herthaner. Im SVB-Forum wurden Lügen verbreitet, der Verein guckte zu und hat nicht nur mich massiv beschädigt. Das gab es noch nie im Fußball. Dass der neue Vorstand, wovon zumindest zwei Mitglieder Wochen vor ihrer Bestellung nicht wussten, dass in Babelsberg Fussball gespielt wird, Trainer Christian Benbennek und mir Inkompetenz unterstellt haben, ist eine Sache. Dies vom alten Vorstand auch zu behaupten, war mehr als unsportlich. Es ist unglaublich, was der neue Präsident Archibald Horlitz, Götz Schulze und Vorstandskollegen, die keine Erfahrung im Profifußball haben, seit April für Entscheidungen getroffen haben! Das gibt’s nur im Fußball!
 
Warum konnte sich Nulldrei wirtschaftlich nicht konsolidieren?

Brüggemann: Obwohl in Potsdam Schlösser und Gärten im Vordergrund stehen, hätte die Stadt mehr tun können. Der SV Babelsberg hat, ähnlich wie Turbine Potsdam, pro Jahr Kommunikationswerte in Höhe von gut einer Million Euro für die Stadt geschaffen. Bei anderen Drittligisten liegt die Werbeleistung städtischer Unternehmen pro Saison bei etwa 750  000 Euro – bedingt verständlich, denn Sandhausen oder Heidenheim würde ohne Fußball niemand kennen.
 
Warum ist es so schwer, Sponsoren für Babelsberg zu finden?

Brüggemann: Das liegt zum großen Teil am linkspolitischen Image des Vereins. Das wollten die handelnden Personen leider nie wahr haben. Wegen der Politisierung im Stadion gab es viele Absagen potentieller Großsponsoren. Es kann doch nicht sein, dass in einem Pseudoprofiverein am Spieltag so viele politische Banner geschwenkt werden. Karl Liebknecht, Stalin, Antifa sind das eine, das Vereinswappen sollte im Fußball aber die Benchmark sein. Es ist wichtig, dass sich Verein und Fans gesellschaftskritisch engagieren, aber man darf Fußball nicht für linkspolitische Kundgebungen missbrauchen – genau das wird in Babelsberg zugelassen. Fußball ist doch Volkstheater für alle Menschen – egal, welcher Couleur.

War der Abstieg vermeidbar?   

Brüggemann: Unter Benbennek wäre die Mannschaft nicht abgestiegen, hatte auch nie zwei Spiele hintereinander vier Gegentore bekommen. Benbennek hat, wie ich auch, Fehler gemacht, aber wenn man sich keinen wettbewerbsfähigen Sturm leisten kann, schießt man eben keine Tore. Man kann halt nicht mit fünf Euro im KaDeWe Champagner kaufen. Mit den Toren von Anton Makarenko, Dominik Stroh-Engel, Markus Müller aus der Vorsaison wäre man nicht abgestiegen. Dazu kamen das junge Team, ein Negativlauf, das hausgemachte Chaos der letzten Monate: Schon ist man unten dabei. Man muss sich fragen, ob der Abstieg dem neuen Vorstand nicht recht war, da der Verein die Lizenz für die 3. Liga höchstwahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht bekommen hätte. Das bestätigte Horlitz ja indirekt. Aber es ist halt einfacher, Benbennek und mich zu Sündenböcken zu machen.
 
Wie beurteilen Sie die Zukunft? 

Brüggemann:   Es wird schwer, aus der Regionalliga wieder rauszukommen. Cem Efe ist ein guter Trainer. Ich wünsche ihm, den Angestellten des Vereins und den vielen Jugendtrainern maximale Erfolge. Eine echte Professionalisierung war in Babelsberg nie wirklich gewollt. Ich denke, es wäre das Beste gewesen, wenn man in Landes- oder Oberliga gegangen wäre. Dort hätte man sein linkes, nichtkommerzielles Profil schärfen können und würde wirtschaftlich sauber über die Runden kommen. 

Interview: Ricarda Nowak  

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