Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Galerie Matschke wagt den Neuanfang

Furiose Ausstellung in der Potsdamer Alleestraße Galerie Matschke wagt den Neuanfang

Nach dem Tod des bekannten Galeristen Rainer Matschke hat nun dessen Sohn Torge Kieburg das Atelier seines Vaters übernommen. Mit einer Ausstellung von sechs Potsdamer Künstlern unter dem Motto „Weiter geht’s“ wagt ein kleines Team jetzt den Neuanfang. Kunstliebhaber beurteilten die Vernissage am Freitagabend als „furios“.

Voriger Artikel
Tauschen statt shoppen
Nächster Artikel
Ein! Krasser! Film!

„Weiter geht’s“: Bernd Chmura, Joachim Liebe, Wolf Dieter Pfennig, Christian Heinze, Christian Fleming und Axel Gundrum (v. l.).

Quelle: Christel Köster

Nauener Vorstadt. Kein Jahr ist seit dem Tod des kunstliebenden Tausendsassas Rainer Matschke vergangen und sein Lebenswerk, das gleichnamige Galeriecafé, ist wieder belebt. Matschkes Sohn, Torge Kieburg, hat nun die Regie übernommen. Wer am Freitagabend die erste Vernissage besuchte, dem stand eigentlich nur eine Vokabel zur Verfügung die dem Ereignis gerecht wurde: „furios“.

Der idyllische Hinterhof in der Alleestraße konnte die Massen nicht fassen. Glücklich der, dem es gelang einen Stuhl zu ergattern. Hoch oben vom Balkon jazzte es in den Garten, und einer der ausstellenden Künstler, der Cartoonist Bernd A. Chmura, begeisterte mit seinem Ulk-Gedicht. Kellner schleppten Speisen und Getränke und lächelten auch nach Stunden noch um die Wette. Die engen Gasträume und Nischen hingen wie gewohnt voller Bilder.

Ein sechsköpfiger Freundeskreis des Galeriecafés hat nun das künstlerische Sagen und stellte sich zum Auftakt mit eigenen Arbeiten vor. Geplant sind sechs Ausstellungen im Jahr, wobei die beileibe nicht auf diese bekannten sechs Potsdamer Künstler beschränkt bleiben sollen. Auch Arbeiten von Künstlerinnen und jungen Nachwuchstalenten befinden sich im Visier der Herren. Der Auftakt jedenfalls machte Appetit auf mehr und es war schon überraschend wie viele Bilder im Café Platz fanden.

Als Entree und wirkungsmächtiger Auftakt dient die durch ihre altmeisterliche Machart glänzende Malerei von Axel Gundrum. Fein gemalte Mysterien die den Betrachter allein schon durch ihre Rätselhaftigkeit fesseln. Ein Gegenpol zu Gundrums Ernst und Pracht sind die Landschafts- und Blumen-Aquarelle von Christian Flemming. Sein in expressiven Gelb-Orange/Grün-Blau-Kontrasten schwelgendes Bild „Hiddensee“ ist ein kraftvoller Muntermacher.

Locker sind auch die frivolen Papierarbeiten von Wolf-Dieter Pfennig. Der von der Hochschule in Wismar zum Kunstprofessor erhobene Potsdamer wurde durch seine wunderbaren Plakate bekannt. Seinen Arbeiten ist Hintersinn und eine dezente Erotik eigen. Die träumende Nackte mit dem Riesenfisch auf dem Schoß mag als Beleg dafür dienen.

Ein schwererer Fall von Erotomanie ist der Cartoonist und Maler Chmura. Schon seine Titel „Schnick-Schnack, Fick-Fack, Bimmel-Bammel, Techtel-Mechtel und Remmi-Demmi“ lassen jeden altersgemäßen Ernst und Vorbildwirkung vermissen. Die meisterlich und mit viel Liebe gezeichneten Phallusse, Vaginen und Brüste sind oft die Protagonisten in seinen nur so wuselnden Bild-Spektakeln. Die auf den ersten Blick harmlos anmutenden, perfekt gestaltete Blätter sind Mutmacher für alle sich vor Senilität und Stumpfsinn fürchtenden Altjugendlichen.

Ein Meister der Druckgrafik und Poesie ist Christian Heinze. Ob bei seinem ergreifende Erhabenheit ausstrahlenden großen Blatt Kranichflug oder den kleinen und oft sogar winzigen Arbeiten, immer werden Stimmungen geschaffen die Gedichten gleichen.

Der Fotograf Joachim Liebe ist ein Glücksfall für diese Ausstellung. Seine Bilder vom jammervollen Abzug der Russen sind verdeckte Liebeserklärungen. Sie zeigen vor Allem Empathie für die geschlagenen Sieger. Wer jemals sein Bild vom russischen Paradeoffizier sah, wird es nicht vergessen. Also, weiter geht´s!

Von Lothar Krone

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg