Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Galerie Sperl feiert ihr 25-jähriges Jubiläum

Eine Potsdamer Institution Galerie Sperl feiert ihr 25-jähriges Jubiläum

Andere Galerien kamen und gingen. Die Galerie Sperl ist geblieben. Ursula und Rainer Sperl präsentieren seit 1991 an wechselnden Orten in Potsdam Kunst mit Charakter. Am heutigen Freitag eröffnen die Sperls in der Fachhochschule eine Ausstellung mit Bildern von Malte Brekenfeld. Was macht das Ehepaar so erfolgreich?

Voriger Artikel
Mann wird von Zug auf Bahnsteig geschleudert
Nächster Artikel
Monika Schulz-Fieguth im Potsdam-Museum

Eine Institution: das Ehepaar Rainer und Ursula Sperl.

Quelle: Monika Schulz-Fieguth

Innenstadt. Ursula und Rainer Sperl steht die Begeisterung und die Dankbarkeit immer noch ins Gesicht geschrieben. Sie waren nach dem Ende der DDR schon 40, als es möglich wurde, eine private Galerie zu gründen. „1991 haben wir in der Mittelstraße mit jungen Künstlern angefangen, und die sind jetzt auch alle schon 50“, staunt der vitale Sachse, Jahrgang 49, seit 1976 in Potsdam. Dem gelernten Tischler und studierten Innenarchitekten ist nicht anzusehen, dass er bereits auf die 70 zugeht. Seine Frau, von Hause aus Ökonomin, von allen liebevoll „Uschi“ genannt, ist ebenfalls ein Ausbund an Verlässlichkeit, Lebensfreude und Integrität. In Potsdam gab es einige Galerien, die kamen und gingen, die Galerie Sperl aber ist eine prägende Adresse geblieben, auch ohne öffentliche Subvention.

„50 Jahre Malte Brekenfeld – 25 Jahre Galerie Sperl“ heißt die Ausstellung, die am heutigen Freitag, 18 Uhr, im Erdgeschoss der Fachhochschule neben dem Landtagsschloss eröffnet wird. „Damals konnten wir für eine Arbeit von Malte vielleicht 800 oder 1000 Mark erzielen, heute kostet ein Bild schon vier bis zwöftausend Euro“, stellen sie fest. „Wir haben für alle unsere Künstler einen Sammlerstamm aufgebaut. Von den 18 Malern, die Sperl vertritt, stammen etwa die Hälfte aus Brandenburg, darunter so wichtige Namen wie Hans Scheuerecker, Dieter Zimmermann oder Harry Mohr.

Potsdams Magnat Hasso Plattner hat kürzlich erzählt, dass er innerhalb von fünf Sekunden entscheidet, ob er ein Bild kauft. Von solchen Kunden kann die Galerie Sperl nur träumen. „Unsere Käufer sind nicht entscheidungsschwach, sie müssen aber immer abwägen, ob sie sich ihre Leidenschaft auch leisten können“, meint die gebürtige Herzbergerin. Und schiebt ein Bekenntnis nach: „Es war uns immer wichtig, dass die Kunst bezahlbar bleibt.“

Seit 1986 freiberuflich

Die Galerie Sperl besteht für ihre Künstler nicht auf einen Alleinvertretungsanspruch. Das heißt, für Maler wie Moritz Götze, Hans Hendrik Grimmling oder Ulrike Hogrebe sind in anderen Regionen auch weitere Galeristen aktiv.

Der Künstler Rainer Sperl absolvierte ab 1973 in Heiligendamm ein Architekturstudium. Anschließend arbeitete er bei der Defa im Dekorationsbau. 1978 war er Mitbegründer des Potsdamer Kabaretts und dort für die Ausstattung zuständig. Hier lernte er auch seine Frau Ursula kennen. Das Paar hat eine erwachsene Tochter.

Seit 1986 arbeitet Rainer Sperl freiberuflich. Seine erste Ausstellung fand 1988 in der Kellergalerie eines VEB-Betriebs in Babelsberg statt. Das Haus der Bradenburgischen-Preußischen Geschichte widmete Rainer Sperl 2009/10 eine Personalausstellung. 2011 gestaltete Sperl die Bücherschau der Märkischen Allgemeinen und präsentierte die 15 Objekte zum Thema Lesen in der MAZ-Rotunde.

Zur Zeit arbeitet er an allegorischen Figuren der zwölf Tierkreiszeichen.

Öffnungzeiten: Die Galerie Sperl ist Mittwochs bis Sonntags 12 bis 18 Uhr geöffnet. Sie befindet sich zwischen Bibliothek und Landtagsschloss im Erdgeschoss der Fachhochschule in der Friedrich-Ebert-Straße 4.

Die drei oder vierstelligen Preise machen deutlich, dass die Galerie Sperl auf dem deutschen Kunstmarkt nicht das große Rad dreht. Mit dem Versuch, Anfang der 90er Jahre auf der Art Cologne zu landen, sind sie gescheitert. Was wahrscheinlich ein Glück war, denn dann wäre allein schon wegen der exorbitanten Standgebühren der Kommerz wichtiger geworden als die Kunst. Die Sperls wünschen sich Sammler, denen der spekulative oder der dekorative Aspekt weniger bedeutet als die handwerkliche und inhaltliche Qualität der Bilder und Objekte.

Mit ihrer Galerie zogen sie 2009 aus dem Holländischen Viertel weg, da sich das um Wahrhaftigkeit bemühte Handelsgut nicht mehr in die touristischen Puppenstube fügte. Wo Ursula und Rainer Sperl, die in Alt Nowawes in Potsdam-Babelsberg zu Hause sind, seither als Galeristen ihre Aktivitäten auch entfaltet haben, dort findet sich Potsdams Szene auch gezielt ein. Noch bis Ende nächsten Jahres verfügt die Galerie über stolze 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, so viel wie nie. „Danach soll es weitergehen, das haben wir entschieden“, verraten sie. Fragt sich nur, wo.

Das Besondere an der Galerie ist, dass hier ein Ehepaar in seltener Einmütigkeit gemeinsam den Hut auf hat und sich liebevoll ergänzt. Geradezu grandios ist aber, dass Rainer Sperl selbst ein nachgefragter und anerkannter Künstler ist. Seine Skulpturen bersten von Mutterwitz, meist fügt er skurrile antike Fundgegenstände in Keramikfiguren ein, die übrigens oft ihm oder seiner Frau ähneln. Das „Sperl-Zeug“ wird von den Sperls ebenfalls zu Markte getragen. Dennoch gab es unter den Künstlern nie Knatsch, keine Eifersüchteleien, kein Konkurrenzgeheul. Das allein schon ist ein menschliches Kunststück, dessen Wert sich gar nicht beziffern lässt.

Von Karim Saab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg